Snowboard: Hinter den Kulissen

Snowboard-Profi hinter der Kamera: Oberstaufner Elias Erhardt auf neuen Wegen

Elias Elhardt

"Ich bin 33 – der Profisport geht nicht ewig für mich", sagt Elias Elhardt. Deshalb ist der Oberstaufner in der aktuellen Lebensphase ständig dabei, "auszuloten, was geht".

Bild: Carlos Blanchard

"Ich bin 33 – der Profisport geht nicht ewig für mich", sagt Elias Elhardt. Deshalb ist der Oberstaufner in der aktuellen Lebensphase ständig dabei, "auszuloten, was geht".

Bild: Carlos Blanchard

Elias Elhardt aus Oberstaufen hat den Sommer für seine berufliche Planung genutzt. Der 33-jährige Filmemacher ist glimpflich durch die Pandemie gekommen.
06.10.2021 | Stand: 20:42 Uhr

Die Corona-Pandemie hat bei vielen Menschen sowohl beruflich als auch privat in vielen Bereichen des Lebens alles auf den Kopf gestellt. Snowboard–Profi Elias Elhardt dagegen blickt auf eine „relativ normale Saison“ zurück – zumindest was den sportlichen Aspekt angeht. Privat war die Gesamtsituation für den 33-jährigen Oberstaufner „wie für alle Menschen nicht nur eine große Herausforderung, sondern eine Belastung“, sagt Elhardt.

Der in Innsbruck lebende Oberallgäuer weiß jedoch um sein großes Glück, in der Pandemie im Vergleich zu vielen anderen nie von existenziellen Sorgen bedroht gewesen zu sein. „Mit dem Snowboarden ist es gut weitergegangen“, erzählt der Wintersportler. „Aber ich bin wegen Corona auch relativ planfrei in die Saison gestartet, weil ich wusste, dass ich flexibel reagieren muss“ erzählt Elhardt.

Da er als selbstständiger Profi-Sportler sowieso an ein Leben mit relativ wenig Struktur gewöhnt ist und immer wieder in Situationen kommt, in denen sich viel wandelt, waren die Gegebenheiten der Pandemie für ihn „ein zusätzlicher Faktor, der verändert“. Dennoch erlebte Elias Elhardt im vergangenen Winter einige persönliche Höhepunkte. In zwei kleineren Filmprojekten widmete er sich einerseits dem amerikanischen Skigebiet Jackson Whole, über das ein kurzes Portrait entstand.

„Ich bin 33 – der Profisport geht nicht ewig für mich“, sagt Elias Elhardt. Deshalb ist der Oberstaufner in der aktuellen Lebensphase ständig dabei, „auszuloten, was geht“.
 
„Ich bin 33 – der Profisport geht nicht ewig für mich“, sagt Elias Elhardt. Deshalb ist der Oberstaufner in der aktuellen Lebensphase ständig dabei, „auszuloten, was geht“.

 

Bild: Carlos Blanchard

Zudem drehte er gemeinsam mit einem Drohnen-Pilot einen Film, in dem er das Snowboarden aus einer neuen Perspektive beleuchtete. Während eines mehrwöchigen USA-Aufenthalts nahm der 33-Jährige an zwei Wettbewerben teil und durfte sich dabei mit den besten Fahrern der Welt messen. Während er beim „Natural Selection Contest“ in der ersten Finalrunde ausschied, wurde er beim „Kings and Queens of Corbets“-Wettbewerb Zweiter in der Snowboard-Kategorie und Fünfter in der gemeinsamen Gesamtwertung mit den Skifahrern.

Elias Elhardt: "Es fehlte das Zentrale im Leben"

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Trotz dieser sportlichen Highlights vermisst auch er aus der Zeit vor Corona vor allem das Miteinander, die Begegnungen, die Menschen oder „kurz gesagt, alles was mit Kontakten zusammenhängt und daher eigentlich das Zentrale im Leben ist“, sagt Elhardt. Während der Winter für den Wahl-Innsbrucker „ein Selbstläufer“ ist, ist der Sommer nicht nur eine ruhige Jahreszeit, sondern für ihn vor allem „eine spannende Zeit“, die er gerne dafür nutzt „auszuloten, was geht“.

Momentan widmet sich der Profisportler dabei verstärkt seiner Zukunftsplanung. Ihm ist durchaus bewusst, dass er zwar sicher noch eine Weile so leben kann wie bisher. „Aber ich bin 33 Jahre alt, und der Profisport geht auch nicht ewig für mich“, sagt Elias Elhardt. Da das Filmemachen inzwischen schon jetzt fester Teil seines Berufs ist, überlegt er, das Geschäft noch weiter auszubauen. Dabei möchte sich der Oberallgäuer, der momentan filmtechnisch fast ausschließlich im Sportmarketing-Sektor und für Werbefilme aktiv ist, allerdings „nicht vollkommen der Industrie verschreiben“, sondern künftig auch verstärkt und vermehrt soziale Projekte unterstützen.

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Aus diesem Grund nahm Elhardt im Sommer an Workshops der österreichischen Laureus Stiftung teil, die durch Sport und begleitende sozialpädagogische Betreuung gesellschaftliche Veränderungen in sozialen Brennpunkten bewirken will. „Es interessiert mich, die Schnittstelle zu finden, wo ich meine Fähigkeiten als Profisportler zugunsten benachteiligter Jugendlicher umsetzen kann“, erklärt Elias Elhardt. Botschafter von Laureus ist der 33-Jährige schon, nun möchte er das Snowboarden und die damit verbundenen Emotionen „als Plattform für konkrete soziale Projekte nutzen – ich möchte von dem Ort, an dem ich bin, durch das Snowboarden Brücken bauen und damit an meine Leidenschaft anknüpfen“, erklärt er. Wohin diese Brücken gehen werden, werde er sehen.

Elhardts Zukunft: Filme und Psychologie

Die Umsetzung all dieser Zukunftsgedanken benötigt Zeit. Elias Elhardt ist sich der Tatsache bewusst, dass er dabei Schritt für Schritt schauen muss, „ob der jeweilige Stein auch hält“. Ein gutes Team ist genauso eine Grundvoraussetzung wie engagierte Sponsoren. Denn neben seinem ehrenamtlichen Engagement möchte Elhardt in diesem Bereich etwas aufbauen, das nicht nur Sinn macht, sondern sich auch selbst trägt. Was die wirtschaftlichen Möglichkeiten angeht, ist er aber zuversichtlich. Derartige Filmproduktionen zu etablieren, betrachtet er daher nicht nur als eine neue Möglichkeit, sondern sieht darin vor allem „auch eine interessante Berufsperspektive“.

Was die berufliche Zukunftsplanung angeht, setzt er allerdings noch auf eine weitere Karte: Der 33-Jährige hat bereits vor Beginn seiner Profikarriere ein Psychologie-Studium begonnen, dieses jedoch nach zwei Semestern aufgrund von Zeitmangel ruhen lassen. Zwischenzeitlich hat der Wahl-Innsbrucker wieder daran angeknüpft und sich mittlerweile alle Inhalte für die Ausbildung zum Psychotherapeuten erworben. Dabei kommt ihm der österreichische Sonderweg entgegen, durch den er gerade kurz davor ist, sich sein psychotherapeutisches Propädeutikum zu erwerben. Noch läuft das Studium nebenher und das Hauptaugenmerk von Elias Elhardt gilt dem Snowboarden. Das könnte sich allerdings in einigen Jahren schon entscheidend ändern.