Leichtathletik

"Technisch Weltklasse": Allgäuer Hammerwerfer Tristan Schwandke vor Saisonstart

In der Heimat hat Tristan Schwandke Kraft getankt – im wahrsten Sinn. Der 27-jährige Hammerwerfer vom TV Hindelang sieht sich nach dem Training in der Corona-Krise in der Form seines Lebens.

In der Heimat hat Tristan Schwandke Kraft getankt – im wahrsten Sinn. Der 27-jährige Hammerwerfer vom TV Hindelang sieht sich nach dem Training in der Corona-Krise in der Form seines Lebens.

Bild: Daniel Kopatsch

In der Heimat hat Tristan Schwandke Kraft getankt – im wahrsten Sinn. Der 27-jährige Hammerwerfer vom TV Hindelang sieht sich nach dem Training in der Corona-Krise in der Form seines Lebens.

Bild: Daniel Kopatsch

Leichtathletik: Vor den ersten Wettkämpfen der Saison strotzt Tristan Schwandke vor Selbstvertrauen. Der Allgäuer erklärt, warum er sich in der Spitze sieht.
04.07.2020 | Stand: 10:49 Uhr

Er darf den Hammer endlich wieder schwingen. Mit seinen ersten Leichtathletik-Wettkämpfen nach der Corona-Krise startet Hammerwerfer Tristan Schwandke (27) in die Saison. Am Wochenende greift der 27-jährige Athlet vom TV Hindelang beim internationalen Meeting in St. Gallen und beim Wettkampf in Langenbrand im Schwarzwald ein. Und der deutsche Meister und Jahresbeste von 2019 strotzt vor Selbstvertrauen. Im Interview spricht der Vizeeuropameister mit dem Team über seine Eindrücke aus der Corona-Krise, über den Weg in die Weltspitze und über das Ziel der Titelverteidigung bei der „Deutschen“ am 8. und 9. August in Braunschweig.

Herr Schwandke, wie haben Sie die Krise erlebt?

Tristan Schwandke: Hier in Hindelang auf dem Dorf hat man tatsächlich nicht allzu viel mitbekommen. Wir hatten auch nie die Situation, dass sich die Infektionszahlen in kurzer Zeit vervielfacht haben.

Und sportlich?

Schwandke: Es hatte sich ja schon früh abgezeichnet, dass im Mai und Juni sicher keine Wettkämpfe stattfinden werden. Entsprechend musste ich meine Saisonplanung etwas umstrukturieren. Ich bin ohnehin aus einer sehr intensiven Trainingsphase gekommen und habe so die Pause zum April hin für eine Ruhephase genutzt, die ich so oder so eingelegt hätte. Danach habe ich meinen Plan angepasst und mit Blick auf die „Deutsche“ weitertrainiert.

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Und in welcher Form sind Sie jetzt?

Schwandke: In absoluter Topform.

Sie strotzen ja vor Selbstvertrauen…

Schwandke: Ich spüre das einfach. Es war nie so – auch nicht, als ich Weiten um die 70 Meter geworfen habe – dass die Form nicht gestimmt hat. Meine Trainingsleistungen waren einfach nicht gut und das lag daran, dass ich in der technischen Ausbildung zu schlecht war. Das muss ich heute nüchtern eingestehen. Heute bin ich technisch Weltklasse.

Wann haben Sie sich das erarbeitet?

Schwandke: In der vergangenen Saison. Da habe ich schon konstant im Bereich der 74 Meter geworfen. Und ich habe mich im vergangenen Winter noch einmal verbessert.

Wie schwer ist es Ihnen gefallen, Schwerpunkte im Training zu setzen ohne ein festes Ziel, ohne Zeitpunkt?

Schwandke: Ich habe Anfang Mai schon ganz gut geworfen und auch recht konstant. Ich habe zwar gemerkt, dass alle Parameter stimmten, dass ich technisch deutlich besser war, die Kraftwerte und die Masse waren gut. Nur die Weite hat nicht gestimmt. Als die Termine standen, habe ich begonnen auf Wettkampfniveau zu werfen – bis dahin hat mir der Elan gefehlt.

Sie hatten Motivationsprobleme?

Schwandke: Wenn man nicht weit werfen muss, dann wirft man eben bei 80 Prozent – ohne Wettkämpfe verfällt man in eine Lethargie. Aber ich habe die Intensität erhöht und habe in den vergangenen Wochen voll auf Wettkampf-Niveau gestellt.

An welchen Feinheiten haben Sie im Frühjahr gearbeitet?

Schwandke: Druck im Anschwung, Beinarbeit und Lockerheit im Oberkörper. Ich achte darauf, dass ich die Achse links immer schneller festmache und rechts mehr schiebe.

Wie haben Sie in der heißen Phase trainiert?

Schwandke: In den vergangenen Woche habe nur geworfen – Umfänge runtergefahren, Intensität erhöht. Und kein Krafttraining mehr. Das bekommt mir nicht in der Saison.

Wie schwer war es für Sie, den Fokus nach dieser langen Pause zu schärfen?

Schwandke: Es hat eine Weile gedauert. Als der erste Wettkampf aber terminiert war, habe ich den Schalter im Kopf umgelegt. Davor habe ich an Feinheiten gearbeitet, für die ich sonst keine Zeit gehabt hätte. Vermutlich bin ich deshalb jetzt auch so gut.

Mit dieser Erkenntnis – in welchem Stadium der Karriere sehen Sie sich?

Schwandke: Ich bin der beste Tristan, den es je gab. Ich habe noch nie so weit geworfen, auch nicht in dieser Konstanz – nämlich über 75 Meter. Die Frage für mich ist nur, wie viel geht ohne Doping?

Wie meinen Sie das?

Schwandke: Man muss fragen, ob ich so ein großes Talent bin, dass ich auch solche Weiten werfen kann, die andere vielleicht nur mit Hilfsmitteln erreichen. Ich kann 2020 mit Sicherheit zwischen 75 und 77 Metern werfen. Bin ich bei Olympia 2021 in den Medaillenrängen, wenn ich 78 schaffe? Nur was passiert, wenn die Konkurrenz in Teilen auf einmal über 80 Meter wirft? Aufgrund der Krise gab es nur wenige Kontrollen, und ich habe die Befürchtung, dass da Unschönes passieren kann.

Nun starten Sie mit breiter Brust mit einem Doppelwettkampf-Wochenende. Wie ordnen Sie die Wettkämpfe in St. Gallen und Langenbrand ein?

Schwandke: St. Gallen wird ein internationaler Gradmesser. Man versucht, nun eine Wettkampfsaison zu konstruieren, und deshalb steigt auch ein Wettkampf in Langenbrand. Hier wird vermutlich der Bundeskader anwesend sein und daher wird das Meeting national voll besetzt sein. Der Verband will vor der deutschen Meisterschaft noch zwei, drei Wettkämpfe durchziehen.

Und Ihr Ziel für diese Etappen?

Schwandke: Zwei Siege und zweimal persönliche Bestleistung. In Braunschweig deutscher Meister werden. Und mein Traumziel sind 77 Meter.