Aktiv-Urlaub

Warum immer mehr Deutsche ins Allgäu kommen

Urlaub im Allgäu

Urlaub im Allgäu

Bild: Liss

Urlaub im Allgäu

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Tourismus Die Region ist mit Urlaubern gut ausgelastet, sagen die Gemeinden. Geschätzt wird vor allem die Natur mit Bergen, Seen und grünen Hügeln. Der Klimaschutz spielt dabei nur selten eine Rolle
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Von kes/sf/bel
05.09.2019 | Stand: 17:30 Uhr

87 Prozent aller Urlauber im Allgäu sind aus Deutschland. Lediglich 13 Prozent der Gäste kommen aus dem Ausland. Spitzenreiter unter ihnen ist mit 30 Prozent die Schweiz, gefolgt von den Niederlanden. Das sind die Ergebnisse einer Erhebung der Allgäu GmbH, das die Herkunftsländer der Gäste erfasst. Zahlen, die von den Oberallgäuer Touristinfos bestätigt werden. Doch warum kommen so viele Deutsche hierher? Wollen die Tourismus-Weltmeister aus Klimaschutzgründen nicht mehr ins Ausland fliegen? Wir hörten uns vor Ort und bei den Urlaubern um.

Auch in Oberstdorf kommen 88 Prozent der Urlauber aus Deutschland, sagt Miriam Frietsch, Leiterin des Destinationsmanagements von Oberstdorf Tourismus. Allerdings stiegen in den vergangenen zehn Jahren die Übernachtungszahlen (plus zehn Prozent) und die Gästezahlen (plus 17,5 Prozent) kräftig an – auf knapp 2,7 Millionen Übernachtungen und 487 000 Gästeankünfte. Frietsch nennt drei Gründe dafür, dass die Bundesbürger immer mehr in der Heimat Urlaub machen:

Touristen fühlen sich grundsätzlich sicherer in Deutschland als im Ausland.

Früher war es angesagt, die ganze Welt zu bereisen. „Jetzt haben die Bundesbürger erkannt, dass sie ihr eigenes Land nicht kennen und wollen es entdecken“, sagt Frietsch.

Wandern, Radeln Bergsteigen: Ins Allgäu kamen immer schon Menschen, die sich im Urlaub gerne bewegen. Das ist jetzt zum Trend geworden: Immer mehr Touristen wollen aktiv sein. Das zeigt sich auch an den steigenden Angeboten.

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Und der Klimaschutz? „In einzelnen Fällen mag das eine Rolle spielen“, sagt Frietsch, „aber ein großes Thema ist es nicht.“ Das bestätigt auch Christine Taube, Leiterin der Gästeinfo Sulzberg und der Tourismus-Kooperation Allgäuer Seenland. Die meisten Urlauber kommen aus Baden-Württemberg und Bayern nach Sulzberg, Waltenhofen, Weitnau und Buchenberg. Besonders schätzten die Gäste die Natur – also Berge, Seen, grüne Hügel.

Laut Traube reisen selten Touristen mit dem Zug an. Und vor Ort nutzen sie vor allem das Auto. „Das liegt aber auch daran, dass wir Richtung Süden, was den Öffentlichen Personennahverkehr anbelangt, nicht gut ausgestattet sind.“ Claudia Frommknecht vom Tourismusbüro Weitnau sieht das ähnlich. Selbst wer mit dem Zug anreise, nehme sich vor Ort einen Mietwagen.

Dagegen waren Oy-Mittelberg und Bad Hindelang in den vergangenen Jahren mit ihrem Angebot für den Nahverkehr erfolgreich: Mit der Gästekarte können Urlauber umsonst mit dem Bus fahren. „Unsere Gäste sagen, es sei besonders schön, dass sie hier freie Fahrt haben“, sagt Gabriele Postner, Leiterin des Tourismusbüros in Oy-Mittelberg. Max Hillmeier, Tourismusdirektor in Bad Hindelang, berichtet sogar von einer Verdopplung der Fahrgastzahlen, seit das Angebot 2010 eingeführt wurde.

Und was sagen die Gäste dazu? Peter (61) und Hildegard (54) Geller aus Wesseling bei Köln fahren schon seit vielen Jahren nach Oberstdorf. „Ich habe schon mit meinen Eltern in der Kindheit hier Urlaub gemacht. Ich kenne mich hier aus und fühle mich wohl“, sagt Hildegard Geller. Vergangenes Jahr seien sie nach New York geflogen, um dort ihre Tochter und den Schwiegersohn zu treffen. „Sonst fliegen wir nicht, allein schon wegen unserem Hund“, sagt Peter Geller.

Ganz bewusst Urlaub in Deutschland machen Inge Lochner und Jörg Müller aus der Nähe von Forchheim und sind jetzt zum ersten Mal im Allgäu. „Man weiß nie, was einen erwartet. Das ist immer schön“, sagt der 55-Jährige. Nach Kempten oder Immenstadt könne man zwar den Bus nehmen, aber mit dem Auto sei es doch einfacher, sagt Müller.

Für Klaus Müller aus Augsburg spielt der Umweltschutz bei der Wahl des Urlaubsziels hingegen eine große Rolle. Sein 16-jähriger Sohn Cornelius bringt es auf den Punkt: „Ich bin noch nie geflogen.“ Die Familie kommt seit vielen Jahren ins Allgäu, in der Regel mit dem Zug.