Obermaiselstein/Balderschwang

Webcams, Terminals und eine virtuelle Höhlentour

Infoterminal

Im Kurpark (links) und im Haus des Gastes (rechts) in Obermaiselstein können sich Urlauber inzwischen auf modernen Terminals über Angebote, Touren und Übernachtungsmöglichkeiten informieren. Im Zuge des Projekts „Digitale Hörnerdörfer“ soll auch eine virtuelle Tour durch die Sturmannshöhle (Mitte) entstehen.

Bild: Fotos: Dominik Berchtold

Im Kurpark (links) und im Haus des Gastes (rechts) in Obermaiselstein können sich Urlauber inzwischen auf modernen Terminals über Angebote, Touren und Übernachtungsmöglichkeiten informieren. Im Zuge des Projekts „Digitale Hörnerdörfer“ soll auch eine virtuelle Tour durch die Sturmannshöhle (Mitte) entstehen.

Bild: Fotos: Dominik Berchtold

Projekt Obermaiselstein und Balderschwang nehmen am Projekt „Digitale Dörfer“ der Staatsregierung teil. Erprobt werden sollen die Möglichkeiten neuer Technologien für die Tourismusorte. Förderung von fünf Millionen Euro
06.04.2020 | Stand: 15:49 Uhr

Hinab zum Drachentor führen steile Stufen. Wer die Sturmannshöhle in Obermaiselstein erleben will, muss zunächst eine Treppe überwinden. Das schließt viele gehbehinderte und ältere Menschen von der Erfahrung aus. Das soll sich künftig ändern. Mit moderner Technik ist eine virtuelle Tour durch die Höhle geplant. Daran arbeitet die Gemeinde gerade zusammen mit der Hochschule im Rahmen des Projekts „Digitale Hörnerdörfer“, berichtet Bürgermeister Peter Stehle.

Obermaiselstein und Balderschwang sind zwei von fünf Projektgemeinden in Bayern, bei denen die Staatsregierung nicht nur schnelles Internet bis zu jeder Milchkanne realisieren, sondern auch die Möglichkeiten der Digitalisierung für den Tourismus erproben möchte. Seit dem Projektstart Mitte 2018 wurden in Obermaiselstein beispielsweise schon moderne Touch-Terminals in den Gästeinformationen und am Kurpark aufgestellt. Mit Berührungen des Bildschirms können die Gäste sich hier durch das Angebot der Hörnerdörfer klicken und sich über Zimmer, aber auch Touren und andere Freizeitaktivitäten manövrieren.

Der Tourist soll sich individuell angepasste Informationen zusammenstellen und anschließend über einen QR-Code auf sein Smartphone herunterladen können. Beispielsweise zielgruppenorientierte Wanderungen und Touren. Parallel übertragen Webcams im Gebirge Bilder der Oberallgäuer Gipfel ins Internet.

So soll das Tourismusbüro der Hörnerdörfer Schritt für Schritt digitalisiert werden. Geplant ist auch ein Portal, auf dem Gäste gesperrte Wanderwege einsehen können. Aktualisiert werden sollen die Daten von Rangern, die im Gelände unterwegs sind. Weitere Ideen sind ein Abholservice beispielsweise für Balderschwanger Gäste am Bahnhof in Fischen, den Touristen online buchen können, eine digitale Mitfahrzentrale für Bürger und im Internet abrufbare Behördenformulare.

Keine Kosten für die Gemeinden

Die Bürgermeister sehen das Projekt als Chance. „Es entstehen keine Kosten für die Gemeinden“, lobt Obermaiselsteins Bürgermeister Stehle. Besonders zur Hauptsaison sei der Andrang in den Gästeinformationen für die Gemeindemitarbeiter kaum zu bewältigen, erläutert Obermaiselsteins Bürgermeister die Vorteile der neuen Touch-Terminals, auf denen sich die Gäste beispielsweise über Gastgeber, Veranstaltungen, Tourenvorschläge und die Befahrbarkeit des Riedbergpasses informieren können. Balderschwangs Rathauschef Konrad Kienle lobt die Pläne ebenfalls: „Auch Einheimische können sich auf den Touchterminals die ein oder andere Inspiration für ihren nächsten Wochenendausflug holen.“

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Das Pilotprojekt „Digitale Hörnerdörfer“ ist Bestandteil des sogenannten „Söderpakets“, das der Ministerpräsident den Bewohnern von Obermaiselstein und Balderschwang versprochen hat, nachdem das Projekt einer Verbindung der Skigebiete mit einer Bergbahn am Riedberger Horn gekippt wurde.

Insgesamt will der Freistaat fünf Millionen Euro in die Digitalisierung der Hörnerdörfer investieren, versprach der damalige Bayerische Wirtschaftsminister Franz Josef Pschierer beim Startschuss für das Projekt im September 2018. 3,5 Millionen Euro sollen aus den Töpfen des Wirtschaftsministeriums fließen. 1,5 Millionen Euro will das Finanzministerium für den Breitbandausbau bereitstellen. Inzwischen wurde Balderschwang mit einer 24 Kilometer langen Trasse über die Berge ans Glasfasernetz angeschlossen.

Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt auch von der Technischen Hochschule Deggendorf. Untersucht wird, wie die Herausforderungen durch den Tourismus in den kleinen Gemeinden mit digitalen Lösungen gemeistert werden können.