Auf die Frage, wer einen Account bei Instagram oder Tiktok hat, heben in der Klasse 10bc des Bernhard-Strigel-Gymnasiums in Memmingen alle 22 Schülerinnen und Schüler die Hand. Fragt man sie nach dem Warum, sagen sie: Wegen der Unterhaltung, der Infos und den Kontakten.
Pro Tag zweieinhalb bis drei Stunden: So viel Zeit verbringen Teenager im Schnitt in den Sozialen Medien
Laut einer Studie der Krankenkasse DAK verbringen Mädchen zwischen zwölf und 17 Jahren durchschnittlich drei Stunden pro Tag in sozialen Medien – bei den Buben sind es 2,5 Stunden. Auch bei den Memminger Schülern spielen sie eine wichtige Rolle: Etwa die Hälfte der Jugendlichen gibt an, mehr als fünf Mal am Tag ihre Accounts zu öffnen. Und: Sieben von ihnen sagen, sie hätten sich im Zusammenhang mit den Kanälen schon einmal unwohl gefühlt.
Doch was reizt die Jugendlichen an den Diensten, auf denen Bilder, Videos und Nachrichten geteilt werden? Sechs Schüler haben ihre guten und schlechten Erfahrungen mit uns geteilt.
Der Algorithmus schlägt automatisch Inhalte vor, die den Nutzer interessieren
Noah von Rom (16): „Gerade auf Instagram kommt man schnell an Infos, was das Weltgeschehen und Politik, aber auch Freunde angeht. Der Algorithmus schlägt einem je nach Interessen Inhalte vor. Der Nachteil ist aber, dass sich schnell Fake-News verbreiten – gerade auf Tiktok, weil das viele junge Menschen nutzen. Sie glauben vieles, ohne es zu hinterfragen und lassen sich leichter beeinflussen. Deshalb sollte jedem früh beigebracht werden, sich kritisch damit auseinandersetzen.“
"Ich finde, dass man schnell abhängig wird - es ist wie ein automatischer Reflex"
Jennifer Gorjut (17): „Tiktok ist eher Zeitverschwendung. Man schaut sich ein Video an, lacht und schickt es Freunden. Auf Instagram gibt es mehr Beiträge, die nützlich sind. Mein Algorithmus weiß zum Beispiel, dass mich Autos und Motorrennen interessieren. Und für Leute, die nicht so viele soziale Kontakte haben, kann Insta nützlich sein, um jemanden kennenzulernen. Aber ich finde, dass man schnell abhängig wird – Instagram öffnen ist wie ein automatischer Reflex.“
Social-Media-Nutzer sollten besser geschütz werden, findet ein 17-Jähriger
Benjamin Zipperer (17): „Ich nutze Instagram, um politische Inhalte zu teilen. Freunde und Follower sehen das und werden so auch darüber informiert. Allerdings finde ich, dass die Plattformen bei Personen, die andere belästigen, härter durchgreifen müssten. Wenn solche Leute gemeldet werden, werden ihre Accounts nur kurz gesperrt. Dann können sie weitermachen wie davor.“
"Ich finde es gut, dass Social Media offiziell ab 13 ist"
Marie Wolbring (17): „Ich mag es, mir auf Insta Bilder von Freunden und von Katzen oder Blumen anzuschauen. Auf Tiktok finde ich neue Musik oder Rezepte – das ist cool. Aber ich finde es auch gut, dass Social Media offiziell ab 13 ist. Viele haben im Alter von neun oder zehn Jahren schon einen Instagram-Account. Das hatte ich auch und ich habe Nachrichten von älteren Männern bekommen, die ich nicht haben wollte. Eltern sollten darüber aufklären, wie Social Media missbraucht werden kann.“
Auf den Plattformen ist das Verbreiten falscher Informationen keine Seltenheit
Telmo Costa (16): „Auf Instagram folge ich vielen Seiten, die mich interessieren – besonders in Sachen Fußball. Ich habe allerdings gemerkt, dass man nicht allen Quellen trauen sollte. Oft werden Fake-News verbreitet. Wenn es zum Beispiel um einen Teamwechsel geht, schaue ich eher bei den Influencern rein, von denen ich weiß, dass sie immer die Wahrheit sagen.“
"Tiktok ist lustig - aber es gibt auch fragwürdige Inhalte"
Kerim Aker (16): „Auf Tiktok gibt es bessere Videos als auf Instagram. In meiner Freizeit bin ich deshalb mehr auf Tiktok unterwegs – es ist lustig und unterhaltsam. Aber es gibt auch fragwürdige Inhalte. Manche Mädchen zeigen sich zum Beispiel ziemlich freizügig. Eltern sollten mit ihren Kindern auf jeden Fall darüber reden.“
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