Naturschutz

Am Kaufbeurer Kaiserweiher scheiden sich die Geister

Der Kaiserweiher (im Hintergrund das gleichnamige Wohnbaugebiet) liegt dem Kreisfischereiverein und dem Bund Naturschutz am Herzen. Über die Bewirtschaftung gehen die Meinungen aber auseinander.

Der Kaiserweiher (im Hintergrund das gleichnamige Wohnbaugebiet) liegt dem Kreisfischereiverein und dem Bund Naturschutz am Herzen. Über die Bewirtschaftung gehen die Meinungen aber auseinander.

Bild: Mathias Wild

Der Kaiserweiher (im Hintergrund das gleichnamige Wohnbaugebiet) liegt dem Kreisfischereiverein und dem Bund Naturschutz am Herzen. Über die Bewirtschaftung gehen die Meinungen aber auseinander.

Bild: Mathias Wild

Kreisfischereiverein wirft Naturschützern "mangelnde Sachkenntnis" vor. Was bringt die Fischer auf die Palme?

23.08.2020 | Stand: 14:30 Uhr

Die Kritik des Bundes Naturschutz am Fischbesatz des Kaiserweihers erzürnt Wolfgang Scheufler. Der Vorsitzende des Kreisfischereivereins Kaufbeuren wirft den „Kröten und Frösche sammelnden Naturschützern“ mangelnde Sachkenntnis vor. In ihrer Bilanz der diesjährigen Krötensammelaktion im Kaufbeurer Westen waren die Mitglieder mit den Plänen für einen weiteren Abschnitt des städtischen Baugebietes Kaiserweiher, der landwirtschaftlichen Nutzung samt Düngung und Pestizideinsatz sowie den Aktivitäten des Kreisfischereivereins hart ins Gericht gegangen (wir berichteten).

Naturnahe Fisch-Aufzucht

Der Kaiserweiher nahe des Klinikums wurde einst als Regenrückhaltebecken ausgebaut, um Überschwemmungen im neuen gleichnamigen Wohngebiet in der Nachbarschaft und auf der Straße zu verhindern. Er gehört dem Bezirk und ist an die Stadt verpachtet. Unterpächter ist seit Jahrzehnten der Verein, der den Weiher zur Auf- und Nachzucht von Fischen nutzt – schon lange, bevor der Weiher seine Funktion als Rückhaltebecken bekam.

Scheufler sagt in einer Reaktion auf die Kritik der Naturschützer, dass Amphibienschutz notwendig und der Einsatz der Helfer anerkennenswert sei. „Wer allerdings glaubt, die Probleme mit dem Hochhalten von Transparenten oder dem Aufstellen von Schautafeln lösen zu können, der kennt den Kaiserweiher nicht.“

Der Fischereiverein nutze das Gewässer zur „naturnahen Aufzucht“ von Fischen, die dann im Zuge der Hegepflicht im Bärensee eingesetzt werden, sagt Scheufler. Dort soll auf diese Weise die Fischpopulation gesichert werden. Nachdem der Bund Naturschutz das Entenfüttern mit Brot und den Fischbesatz für eine Eutrophierung (Veralgung) des nährstoffreichen Gewässers verantwortlich gemacht hatte, kann sich Scheufler eine Spitze nicht verkneifen. „Ich erinnere mich noch an die Zeit des alten Kaiserweihers, als so mancher der fleißigen Amphibiensammler bestenfalls mit dem Dreirad dort herumstrampelte.“ Damals sei es üblich gewesen, den Weiher im Winter ausfrieren zu lassen. Diese „Pflegemaßnahme“ habe einen Rückgang der Algen auf natürliche Weise zur Folge hebt. Heute scheitere dies am Widerstand von Anwohnern, die den Weiher für ihr Wintersportvergnügen nutzen. Weitere Einschränkungen halte die „Betriebsvorschrift Hochwasserrückhaltebecken“ bereit.

Technische Probleme

Scheufler macht auch technische Probleme für den Zustand verantwortlich. Seit Jahren werde versucht, den Grundablass (Mönch) wieder funktionsfähig zu machen, um den Kaiserweiher vernünftig bewirtschaften zu können. „Ein regelmäßiges Abfischen auch zur Bestandskontrolle wie zu Zeiten des alten Kaiserweihers ist daher schwierig.“ Missstände, auf die der Kreisfischereiverein seit Jahren aufmerksam mache, so Scheufler. „Die genannten Teichpflegemaßnahmen sind notwendig und sinnvoll, das zeigen Erfahrungen an anderen zur Fischaufzucht genutzten Weihern.“ Dies setze aber die Unterstützung der Anwohner und Naturschützer voraus.