Kaufbeuren

Ausnahmezustände in den Stadtbüchereien

Bücherrückgabebox Stadtbücherei Neugablonz

Die Rückgabebox für Medien im Eingangsbereich des Gablonzer Hauses wird laut Büchereileiter Martin Hofberger sehr gut genutzt.

Bild: Mathias Wild

Die Rückgabebox für Medien im Eingangsbereich des Gablonzer Hauses wird laut Büchereileiter Martin Hofberger sehr gut genutzt.

Bild: Mathias Wild

2019 verzeichneten die Kaufbeurer Büchereien einen massiven Besucherrückgang. Leiter Martin Hofberger kennt die Gründe und ist optimistisch
18.06.2020 | Stand: 15:06 Uhr

Einen Einbruch bei den Nutzerzahlen um über zehn Prozent verzeichneten die Stadtbüchereien in Kaufbeuren und Neugablonz im vergangenen Jahr. Doch Büchereileiter Martin Hofberger konnte die Mitglieder des Schul-, Kultur- und Sportausschusses des Stadtrates beruhigen. In seinem ersten Jahresbericht in diesem Amt erläuterte er auch die besonderen Umstände, die zu diesem Rückgang führten. Ansonsten zeigte er sich mit den Zahlen für 2019 zufrieden, und auch die Corona-Pause hätten die städtischen Bibliotheken relativ gut überstanden.

Wurden 2018 noch 88915 Besucher in den Stadtbüchereien gezählt, waren es im vergangenen Jahr nur noch 77762 (56972 in Kaufbeuren und 20790 in Neugablonz). Der Rückgang erkläre sich vor allem durch die angespannte Personalsituation im Berichtszeitraum. Weil Mitarbeiter fehlten, musste die Kaufbeurer Bücherei über Mittag schließen – eine besonders besucherintensive Zeit, etwa durch die Schüler der umliegenden Schulen oder Erwachsene, die ihre Mittagspause in der Bibliothek verbringen. In Neugablonz wird, laut Hofberger, die Rückgabebox für Medien im Eingangsbereich des Gablonzer Hauses sehr gut genutzt, sodass weniger Besucher den Weg in die Bücherei im ersten Stock finden. Auch die Bauarbeiten an dem Gebäudekomplex hätten den Andrang etwas gebremst.

Die Entleihungen seien 2019 dagegen deutlich weniger stark zurückgegangen als die Besucherzahlen. Ihre Zahl belief sich insgesamt auf 264158 im Vergleich zu 266447 im Jahr 2018. Mit 1071 neuen aktiven Nutzern verzeichneten die Kaufbeurer Büchereien im vergangenen Jahr in diesem Bereich sogar eine Steigerung. Zum Jahresende überschritt die Nutzerzahl die Marke von 5000. Davon wohnen gut 3500 in der Wertachstadt, der Rest kommt aus den Umlandgemeinden. Bei rund 100 Veranstaltungen wie Lesungen, Konzerten oder Führungen für Schulklassen zählten die Einrichtungen etwa 1000 Besucher. Letztere Zahlen bestätigten, „dass die Bücherei funktioniert“, sagte Hofberger.

Ende vergangenen Jahres verfügten die städtischen Bibliotheken über 111132 Medien. Der Etat für Neubeschaffungen sei voll ausgeschöpft worden. Entsprechend wurden ältere Medien aussortiert, um die „die Aktualität und Attraktivität des Angebots zu erhalten“. Insgesamt hatten die Büchereien ein Budget von rund 487000 Euro, davon wurden gut 70000 in neue Bücher, Hörbücher und sonstige Medien investiert.

Ein zunehmend wichtiger Bereich sei dabei die „Onleihe Schwaben“. Über dieses System können E-Books via Internet „ausgeliehen“ werden. Dieser Service habe sich gerade in jüngster Zeit bewährt, als die Büchereien wegen der Corona-Schutzmaßnahmen wochenlang geschlossen bleiben mussten. Inzwischen läuft der Betrieb, laut Hofberger, wieder einigermaßen normal, und die Nutzer kämen rege in Bibliotheken. Die maximale Zahl von einem Besucher auf 20 Quadratmeter Büchereifläche bereite im Tagesgeschäft kaum Probleme. Veranstaltungen machten unter diesen Bedingungen aber keinen Sinn.

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Holger Jankovsky (Grüne) schlug vor, für Lesungen und ähnliches eventuell auf die Räume des Stadtjugendrings, die sich ebenfalls im Kaufbeurer Bücherei-Gebäude befinden, zurückzugreifen. Seine Fraktionskollegin Marita Knauer regte an, die Büchereien „wenigstens jeden zweiten Samstag“ zu öffnen. Dies sei personell momentan nicht zu stemmen, antwortete Hofberger.