Ärzte-Ausbildung

Damit den Kinderärzten in Kaufbeuren nicht der Nachwuchs ausgeht

Dr. Hana Chytkova absolviert ihre Ausbildung zur Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin zur einen Hälfte in der Kaufbeurer Kinderarztpraxis von Dr. Volkmar Reschke, zur anderen am Klinikum bei Dr. Markus Rauchenzauner, Chefarzt der Kinder- und Jugendmedizin.

Dr. Hana Chytkova absolviert ihre Ausbildung zur Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin zur einen Hälfte in der Kaufbeurer Kinderarztpraxis von Dr. Volkmar Reschke, zur anderen am Klinikum bei Dr. Markus Rauchenzauner, Chefarzt der Kinder- und Jugendmedizin.

Bild: Kliniken Ostallgäu-Kaufbeuren

Dr. Hana Chytkova absolviert ihre Ausbildung zur Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin zur einen Hälfte in der Kaufbeurer Kinderarztpraxis von Dr. Volkmar Reschke, zur anderen am Klinikum bei Dr. Markus Rauchenzauner, Chefarzt der Kinder- und Jugendmedizin.

Bild: Kliniken Ostallgäu-Kaufbeuren

Klinikum Kaufbeuren und niedergelassene Praxen gehen Kooperation ein. Wie wollen sie in Zukunft mehr Fachkräfte für die Kinder- und Jugendmedizin begeistern?

25.01.2021 | Stand: 07:00 Uhr

In der Kinder- und Jugendmedizin fehlen Fachkräfte. Viele Kinderärzte in Kaufbeuren und im Allgäu gehen bald in Rente, Nachwuchs wird dringend benötigt. Deshalb will der pädiatrische Weiterbildungsverbund Kaufbeuren die Ausbildung attraktiver und praxisnäher gestalten.

Im Verbund auf Nachwuchssuche

Seit 2014 ist Dr. Markus Rauchenzauner Chefarzt der Kinder- und Jugendmedizin am Kaufbeurer Klinikum. Vor zwei Jahren baute er den pädiatrischen Weiterbildungsverbund auf, an dem alle Kinderarztpraxen im Allgäu teilnehmen können. „Normalerweise werden die Ärzte bis zur Facharztprüfung ausschließlich im Krankenhaus ausgebildet. Viele vermissen Inhalte der ambulanten Grundversorgung“, schildert Rauchenzauner das Problem. Das Verbundmodell soll junge Assistenzärzte frühzeitig für die Arbeit sowohl in der Klinik als auch in der niedergelassenen Praxis begeistern. Das könne helfen, dem Fachkräftemangel aktiv entgegenzuwirken. In der Allgemeinmedizin gibt es bereits viele Weiterbildungsverbünde zwischen Kliniken und Hausarztpraxen, nicht aber im Bereich der Pädiatrie. „Nun ist es uns gelungen, gemeinsam mit der Praxis Reschke in Kaufbeuren eine Förderung vom Freistaat zu erhalten. Die Praxis und das Klinikum teilen sich erstmals seit 1. Januar 2021 eine Assistentin in Ausbildung zum Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin“, freut sich der Chefarzt.

Stationäre und ambulante Versorgung gehen Hand in Hand

Innovativ sei, dass eine Kinderklinik zusammen mit einer Praxis die Weiterbildung begleitet. Es sei ein Schulterschluss zwischen ambulanter und stationärer Versorgung, die sonst meist deutlich getrennt seien. „Letztendlich gewinnen alle“, betont Rauchenzauner, „Kinder, Eltern, Kliniken, Praxen, Ärzte in Ausbildung und die Region.“

Auch Kinderarzt Dr. Volkmar Reschke ist begeistert: „Wir glauben, dass eine umfassende Facharztausbildung durch die Praxiserfahrung und das ambulante Lernen zeitgemäßer und vor allem strukturierter ist. Wir setzen ein Ausbildungscurriculum der Deutschen Gesellschaft für Ambulante Allgemeine Pädiatrie ein.“ So könnten junge Kollegen fallbezogen erst Themen sehen, lernen, dann unter Anleitung selbst umsetzen – mit dem Ziel, am Ende die Behandlung selbstständig auszuführen. Ausgebildete Fachärzte müssten sich das umfangreiche Wissen in der Regel erst mühsam in externen Fortbildungen aneignen. Durch den Verbund entstehe ein breites Profil mit fundierten Einblicken in verschiedene Bereiche der Pädiatrie.

"Viele Kollegen beneiden mich"

Die Weiterbildungsassistentin zur Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin Dr. Hana Chytkova befindet sich im letzten Jahr ihrer Ausbildung und arbeitet seit Anfang Januar zu 50 Prozent im Klinikum Kaufbeuren, die restliche Zeit in der Praxis von Dr. Reschke. „Ich habe mich sehr über diese Möglichkeit gefreut und lerne so viel wie keiner meiner Kollegen aus dem Studium. Da sind schon einige neidisch“, sagt die angehende Fachärztin. Der Vorteil sei, dass sie durch die Kooperation nicht nur beide Bereiche kennenlerne, sondern die Ausbildung auch sehr strukturiert sei. Viele kleine Patienten kämen ja von der Praxis in die Klinik oder umgekehrt, mit der zusätzlichen Erfahrung könne sie als Ärztin an beiden Seiten noch besser helfen.

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Mit dem Verbundmodell will Rauchenzauner dazu beitragen, dass offene Kinderarztstellen schneller besetzt werden. „Es gibt immer mehr interessierte Praxen und das Projekt wird auf jeden Fall weitergeführt. Die nächste Bewerbung läuft bereits“, so Ute Sperling, Vorstandsvorsitzende der Kliniken Ostallgäu-Kaufbeuren.