„Guten Morgen“

Der Nebenjob dieses Pfarrers ist einfach abgefahren

Der Religionslehrer Franz Walden ist im Nebenjob Busfahrer.

Der Religionslehrer Franz Walden ist im Nebenjob Busfahrer.

Bild: Andreas Walch

Der Religionslehrer Franz Walden ist im Nebenjob Busfahrer.

Bild: Andreas Walch

Der Kaufbeurer Religionslehrer Franz Walden hat einen ganz besonderen Nebenjob: Für seine Schülerinnen sitzt er am Steuer des Schulbusses.
Der Religionslehrer Franz Walden ist im Nebenjob Busfahrer.
Von Allgäuer Zeitung Redaktion
03.11.2020 | Stand: 06:30 Uhr

Mit einem freundlichen „Guten Morgen“ beginnt normalerweise der Unterricht im Klassenraum. Bei Pfarrer Franz Walden kommt dieser Gruß an seine Schülerinnen schon auf dem Schulweg. Er sitzt am Steuer eines großen Gelenkbusses und empfängt die Mädchen an der vorderen Einstiegstür.

Seit Oktober im Einsatz und "seit Kindertagen ein Traum von mir“

Seit Mitte Oktober ist der Religionslehrer und Schulpfarrer auch als Busfahrer auf der Linie im Einsatz, die von Neugablonz aus die Schülerinnen der Kaufbeurer Marienschulen aufsammelt und dann pünktlich und sicher vor ihre Schule bringt. Viele freuen sich, ihn auch in dieser ungewohnten Rolle zu erleben. „Busfahren ist seit Kindertagen ein Traum von mir“, sagt der 56-Jährige und freut sich, dass er endlich die Gelegenheit ergriffen hat, daraus ein reales Hobby zu machen und tageweise als „Einspringer“ im Schulbus-Verstärkerverkehr zu den Marienschulen zu fahren. Möglich war dies, weil er, unterstützt vom Kaufbeurer Busunternehmen Kirchweihtal, günstige Bedingungen bekam, um die vorgeschriebenen Kurse und den Fahrunterricht zu absolvieren. „Freilich war die Ausbildung bis zur Busfahrer-Lizenz aufwendig, aber lohnend. Ich find´s einfach cool“, meint er und lenkt seinen voll besetzten 18-Meter-Gelenkbus vorsichtig in die nächste Haltebucht.

Grünes Licht vom Ordinariat

Nachdem seine Schulleiterin an der Marien-Realschule und sein Dienstgeber im Ordinariat in Augsburg grünes Licht gegeben hatten, sieht er nun seinen Hobby-Arbeitsplatz hinter dem Steuer am frühen Morgen auch als Chance, bei den jungen Schülerinnen eine manchmal vorhandene Scheu vor dem „ehrwürdigen“ Pfarrer abzubauen, wenn sie ihn bei einer ganz bodenständigen Arbeit erleben. Seine Busfahrer-Tätigkeit ist dann durchaus auch Thema im Religionsunterricht oder bei Predigten. „Ein Hirte soll seine Gemeinde ja führen. Da ist es gar nicht so abwegig, wenn er sie auch manchmal fährt.“

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