Kaufbeurer Städtepartnerschaft während Corona

Die Beziehung leidet: Die Corona-Krise verbannt den Austausch mit Kaufbeurens Partnerstädten ins Internet

Ernst Holy Städtepartnerschaft mit Flaggen

Etwas verloren steht der Vorsitzende des Kaufbeurer Städtepartnerschaftsvereins, Ernst Holy, zwischen den Flaggen der Länder, mit denen Kaufbeuren eine Städtepartnerschaft pflegt.

Bild: Mathias Wild

Etwas verloren steht der Vorsitzende des Kaufbeurer Städtepartnerschaftsvereins, Ernst Holy, zwischen den Flaggen der Länder, mit denen Kaufbeuren eine Städtepartnerschaft pflegt.

Bild: Mathias Wild

Kaufbeuren muss während der Pandemie auf Aktionen mit seinen Partnerstädten Ferrara, Gablonz an der Neiße und Szombathely verzichten. Was dennoch möglich ist.
24.11.2020 | Stand: 18:00 Uhr

„Die Beziehung zu unseren Partnerstädten musste durch Corona leiden“, sagt László Kasztner, Geschäftsführer des Vereins zur Pflege der Städtepartnerschaft. Der Grund: Es können keine Treffen mehr stattfinden, da auch Kaufbeurens Partnerstädte Ferrara (Italien), Gablonz an der Neiße (Tschechien) und Szombathely (Ungarn) von der Pandemie betroffen sind.

„Wir vermissen den Kontakt und freuen uns, wenn es im neuen Jahr wieder losgeht“, sagt der Vorsitzende des Kaufbeurer Städtepartnerschaftsvereins, Ernst Holy. Er ist aber skeptisch, ob in Anbetracht der pandemischen Lage bereits im Januar wieder ein persönlicher Austausch stattfinden kann.

Videokonferenzen während Corona-Pandemie kein Ersatz für menschlichen Kontakt

Allerdings hofft Holy, im Laufe des kommenden Jahres seinen Kolleginnen und Kollegen endlich wieder persönlich die Hand zu schütteln. Momentan laufe die Partnerschaft quasi nur online über Mails und Videokonferenzen, doch auf Dauer sei das kein Ersatz für den menschlichen Kontakt.

Wegen der Corona-Pandemie mussten die Partnerstädte alle gemeinsamen Aktivitäten einstellen – und davon gibt es eine ganze Liste. So gab es laut Kasztner keinen Austausch zwischen der Schmuckfachschule in Neugablonz und ihrer tschechischen Stammschule, der Gewerbeschule in Gablonz. Auch die Kirchenchöre hätten heuer nicht zusammen geprobt oder musiziert.

Kaufbeuren konnte wegen Corona keine Delegation zur Martini-Feier entsenden

Zudem konnten die Kaufbeurer nicht ihre traditionelle Delegation zur Martini-Feier in Szombathely entsenden, und aus dem gemeinsamen Trainingslager der Turnvereine Kaufbeuren und Gablonz wurde nichts. Auch der Besuch der ausländischen Teilnehmer beim Tänzelfest, das ebenfalls nicht stattfand, fiel aus. „Es geht überhaupt nix“, fasst Kasztner die Lage zusammen. Jedoch wollte Ferrara sich das Tänzelfest nicht ganz nehmen lassen und schickte eine Delegation nach Kaufbeuren, welche Dekoration und Bier abholteAnschließend feierten die Italiener bei sich zuhause ein Ersatz-Tänzelfest – „sozusagen als Trostpflaster“.

In Ungarn herrscht Notstand

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In Ferrara ähneln die Einschränkungen laut Holy denen in Deutschland, in Szombathely gilt allerdings wie in ganz Ungarn der nationale Notstand. In Gablonz müssen sich die Bewohner ebenfalls an Kontaktbeschränkungen halten und werden angehalten, so viel wie möglich im Home Office zu arbeiten. Wenn Kollegen aus den Partnerstädten hörten, dass Kaufbeuren als Hotspot gehandelt werde, müsse er oft besorgte Anrufer beschwichtigen, berichtet Holy. „Wir versuchen dann, uns gegenseitig Mut zu machen“, sagt er.

Die jährliche Busfahrt des Vereins zur Pflege der Städtepartnerschaft in eine der Partnerstädte sollte heuer nach Ferrara gehen, fiel allerdings auch wegen der Pandemie aus. Kommendes Jahr soll sie nachgeholt werden. „Aufgeschoben, aber nicht aufgehoben“ ist auch das Motto von Elisabetta Concetta Gulino, Fremdenführerin in Ferrara. Bei ihr waren neben dem Städtepartnerschaftsverein noch andere Kaufbeurer Reisegruppen angemeldet, die wegen der Pandemie nicht kommen konnten.

Schüler aus Kaufbeuren und Partnerstädten können nicht zusammenkommen

Vor dem Corona-Ausbruch ist eine Delegation mindestens einmal jährlich in die Kaufbeurer Partnerstädte gefahren, berichtet Holy. Auch weitere Absagen schmerzen ihn: „Die Austausche von Schulen und Vereinen, welche die Jugend zusammenbringen und heuer ausfallen mussten.“ (Lesen Sie auch: Wie sich Ernst Holy für ein gemeinsames Europa engagiert)

Ob der Austausch zwischen den Städten jemals wieder so sein wird wie früher? „Ich wünsche es mir“, sagt Holy. So eine Partnerschaft sei allerdings wie eine Freundschaft, die halte durch persönliche Kontakte wesentlich besser. „Videokonferenzen sind anstrengend und nicht mit dem sonstigen Austausch zu vergleichen.“ Das Ganze lebe letztendlich eben vom persönlichen Kontakt. Doch Holy blickt mit Optimismus in die Zukunft: „Ich bin mir sicher, dass die Lage sich verbessern wird.“