Filmzeit Kaufbeuren

Dreharbeiten in Kaufbeuren: Ein Blick hinter die Kulissen

Regisseur Alexander Löwen prüft jedes Detail des Szenenbildes, bevor gedreht wird.

Regisseur Alexander Löwen prüft jedes Detail des Szenenbildes, bevor gedreht wird.

Bild: Elisa Hanusch

Regisseur Alexander Löwen prüft jedes Detail des Szenenbildes, bevor gedreht wird.

Bild: Elisa Hanusch

Der Film „Grad Deutscher Härte“ von Alexander Löwen wird bei der 13. Filmzeit Kaufbeuren zu sehen sein. Auf was der Regisseur bei den Dreharbeiten besonders Wert legt.

Regisseur Alexander Löwen prüft jedes Detail des Szenenbildes, bevor gedreht wird.
Von Elisa Hanusch
16.08.2020 | Stand: 06:45 Uhr

Hochkonzentriert blickt Alexander Löwen auf den Bildschirm, tastet mit seinen Augen jeden Bereich ab. Seine Hand wandert zum Kinn, die Stirn legt sich in leichte Falten. Die Bürste am Spülbeckenrand stört das Szenenbild stört – schon wird sie von einer aufmerksamen Mitarbeiterin entfernt. „Ja, jetzt ist es viel, viel besser“, kommentiert Löwen zufrieden.

"Grad Deutscher Härte" ist bei der 13. Filmzeit Kaufbeuren zu sehen

Hinter den Kulissen des Filmdrehs zu „Grad Deutscher Härte“, der Anfang Oktober bei der 13. Filmzeit Kaufbeuren zu sehen sein wird, geht alles Hand in Hand. Das Team aus rund 20 Beteiligten ist vertraut miteinander. Der 1992 geborene Löwen, der seit 2015 Spielfilm-Regie an der Hochschule für Fernsehen und Film in München studiert, hält mit seiner geduldigen und herzlichen Art alles am Laufen. Während er immer wieder kleine Anpassungen im Szenenbild vornimmt und mit einer schier unheimlichen Liebe zum Detail seiner Arbeit nachgeht, verpasst er es nicht, die Hauptdarstellerin zu loben oder sich bei seinem Team zu bedanken.

>>Lesen Sie auch:Kaufbeurer Festival lässt Regisseur gegen Fake-News kämpfen<<

Dreharbeiten in einer Altbau-Wohnung in Kaufbeuren

Endlich sitzt alles wie geplant und der tropfende Wasserhahn, der die Begegnung der 90-jährigen Ida mit einem Klempner und Reichsbürger einleitet, wird gefilmt. Die Protagonistin nimmt sich „seiner absurden Theorien an und treibt sie auf die Spitze“, erklärt der Regisseur. Dann gleitet ein bestimmtes „Bitte“ von seinen Lippen und plötzlich herrscht Stille. Auch der knirschende Dielenboden schweigt und nach mehrmaligem Aufnehmen ist die Szene im Kasten. Schon wenige Minuten Film bedeuten intensive Arbeit und fordern volle Aufmerksamkeit.

Gerade deshalb dürfen sich die Zuschauer auf ein satirisches Stück mit viel Herzblut freuen, das einen Einblick in die kleine Welt der im Rollstuhl sitzenden Ida gibt, die mit den um sie herum herrschenden Zuständen konfrontiert wird. Die von der Filmzeit-Festivalleiterin Birgit Kern-Harasymiw vermittelte Altbau-Wohnung, mit ihrer durch kleine Details belebt wirkenden Atmosphäre, scheint dafür gut geeignet.

>>Lesen Sie auch:Corona Kinoplex Kaufbeuren: So funktioniert ein Kinobesuch trotz Corona<<

Drehbuchpreis und 4000 Euro Preisgeld durch die Jury der Filmzeit Kaufbeuren

In Kaufbeuren zu drehen, war eine Voraussetzung für die Verleihung des Drehbuchpreises und der 4000 Euro Preisgeld durch die Wettbewerbsjury der Filmzeit. Die Energie für die Umsetzung wurde in Zeiten der Corona-Pandemie, inspiriert von den „Corona-Verschwörungstheoretikern“, freigesetzt, wie Löwen während der Drehpause erklärt. „Für mich war der Reiz, auf ein besorgniserregendes Thema, einen humorvollen Blick zu werfen und die Absurdität und das Humoristische in den Vordergrund zu stellen.“ Gefährlich seien die Entwicklungen, da „das Gedankengut dahinter nicht einfach nur kritisch ist, sondern ausgrenzend, oft antisemitisch, oft rechtsextrem.“

Humorvolle Herangehensweise bei den Dreharbeiten zu "Grad Deutscher Härte"

Um dies zu problematisieren, schien ihm die humorvolle Herangehensweise geeignet, die dem Zuschauer einen „leichteren Zugang“ verschaffe als „tiefgehend dramatischer“ Stoff. Und warum die „alte Ida“? Ihre „sympathische Härte“, mit der sie dem Klempner begegnet und ihre „Lebenshistorie“ machen sie als Figur geeignet, erklärt der Regisseur.

Indem sie mit dieser Erfahrung einem scheinbar mit dem „Weltwissen“ ausgestatteten Menschen gegenübertritt, zeigt sie ihm seine eigene Absurdität auf. „Echte Historie“ trifft auf „vermeintlich verstandene Geschichte“. Weitwinklig und in „cinemascope“ legt Löwen den filmischen Schwerpunkt auf „Raum und Person. Das lässt in unseren Augen alles noch absurder erscheinen und man kann mit dem gesamten Raum spielen“.

>>Das könnte Sie auch interessieren: Filmzeit Kaufbeuren: Wachstum im Zeichen des Luftballons<<

Filmzeit Kaufbeuren: Lockere Stimmung während der Drehpause

Manchmal ist es, wie während einer Küchenszene, der Raum selbst, der durch seine begrenzte Größe die Kameraführung oder die möglichen Bildausschnitte bestimmt. Nach der spürbaren Konzentration macht sich in der Drehpause Erleichterung breit. Lachen und angeregte Gespräche beleben den Innenhof, kurze Zeit später sind alle Beteiligten wieder im Treppenhaus verschwunden. Bis zur Filmzeit gibt es noch viel zu tun.