Großeinsatz in Kaufbeuren

Schwere Explosion in Kaufbeurer Batterie-Labor

Das neue Testlabor der Firma Intertek im Gewerbegebiet Kaufbeuren nach der Explosion.

Das neue Testlabor der Firma Intertek im Gewerbegebiet Kaufbeuren nach der Explosion.

Bild: Mathias Wild

Das neue Testlabor der Firma Intertek im Gewerbegebiet Kaufbeuren nach der Explosion.

Bild: Mathias Wild

Ein Batterie-Versuch löste in einem Labor in Kaufbeuren am Donnerstag eine schwere Explosion aus. Ein aufmerksamer Mitarbeiter verhinderte ein größeres Unglück.
04.11.2022 | Stand: 18:13 Uhr

Eine Explosion im Kaufbeurer Gewerbegebiet Innovapark hat am Donnerstagnachmittag einen Großeinsatz von Rettungskräften ausgelöst. Die Detonation bei der Firma Intertek im Stadtteil Neugablonz war so heftig, dass Teile der Fassade weggerissen wurden. Das Unternehmen betreibt ein Testlabor für Batterien und gilt als Kompetenzzentrum für Elektromobilität. Die genaue Ursache für die Explosion und die Höhe des Schadens waren nach Polizeiangaben bis Donnerstagabend noch nicht klar.

Explosion im Gewerbegebiet Kaufbeuren: Sechs Firmen evakuiert

Weil nicht ausgeschlossen werden konnte, dass es zu weiteren Explosionen kommt, wurden sechs benachbarte Firmen, darunter der V-Baumarkt, evakuiert und das Gebiet in einem Umkreis von etwa 300 Metern abgesperrt. Die Bevölkerung wurde über die NINA-WarnApp (Notfall-Informations- und Nachrichten-App des Bundes) sowie Radiodurchsagen über den Unfall informiert und gebeten, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Denn anfangs war noch unklar, ob giftige Dämpfe austreten. Gegen 16.30 Uhr wurden die Warnungen und Sperrungen wieder aufgehoben. Die Mitarbeiter konnten zurück in die zunächst evakuierten Gebäude, auch der Baumarkt öffnete wieder.

Thomas Carl, Standortleiter der Firma Intertek, sagte im Gespräch mit unserer Redaktion, dass es am Donnerstagnachmittag einen Versuch an einer Lithium-Batterie gegeben habe. „Ein Mitarbeiter hat gesehen, dass dabei etwas schief läuft und die Kollegen umgehend informiert, sofort das Gebäude zu verlassen“, sagte Carl. Dadurch befand sich zum Zeitpunkt der Explosion niemand mehr im Innern des Testlabors.

Explosion in Kaufbeuren: Mitarbeiter eines Baumarkts hört "richtig lauten Knall"

Thomas Stadtmüller, Mitarbeiter des benachbarten Baumarkts, war gerade mit der Planung einer Küche beschäftigt, als er einen „richtig lauten Knall“ hörte. „Ich bin aufgesprungen und habe aus dem Oberlicht Rauch gesehen“, berichtete er. Nach Rücksprache mit dem Marktleiter habe er dann durch die Notausgangstür geschaut und gesehen, dass das Nachbargebäude stark beschädigt ist. Etwa eine knappe halbe Stunde später sei die Polizei gekommen und habe die Evakuierung angeordnet. Mit Durchsagen wurden die etwa 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie 50 bis 60 Kundinnen und Kunden aufgefordert, das Geschäft zu verlassen.

Aufgrund der unklaren Gefährdungssituation begab sich erst knapp eine Stunde nach der Explosion ein Angriffstrupp der Feuerwehr vorsichtig in das Gebäude, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Das Technische Hilfswerk und Fachberater wurden hinzugezogen, um die Standfestigkeit des Hauses zu untersuchen. „Einsturzgefahr besteht nicht“, sagte Christian Martin, Stadtbrandrat und Kommandant der Kaufbeurer Feuerwehr.

Es habe kein offenes Feuer gegeben, allerdings eine extreme Wärme- und Rauchentwicklung. Die Hoffnung, dass sich die Batterie von selbst abkühlt, hat sich nicht erfüllt, sodass die Feuerwehr gegen 17 Uhr einen Löschversuch mit Wasser startete. Die Batterie befinde sich in einem Becken, es bestehe keine Gefahr, dass durch das Löschwasser giftige Stoffe in den Boden oder gar das Grundwasser getragen werden, sagte Martin

Der Rettungsdienst hat neun Personen, die sich im direkten Umfeld der Explosion befanden, untersucht und bestätigt, dass niemand verletzt wurde. „Unsere Beamten sind durch alle Räume, um zu kontrollieren, dass sich niemand mehr darin befindet“, beschrieb Markus Mükusch, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Kaufbeuren, das Vorgehen.

Intertek beschäftigt in Kaufbeuren im Innovapark 110 Mitarbeiter

Der internationale Konzern Intertek beschäftigt an seinem Kaufbeurer Standort im Kerngebäude des Innovaparks 110 Mitarbeiter. Ingenieure und Techniker testen und zertifizieren dort im Auftrag der Produzenten unter anderem elektronische Geräte.

Auch Autohersteller und deren Zulieferer schätzen die Erfahrung des Unternehmens. Die Auftraggeber lassen dort etwa Stromspeicher auf Alltagstauglichkeit untersuchen. Dies geschieht in Langzeitversuchen, bei Hitze und Kälte.

Außerhalb des Werks, östlich des Innovaparks, wurde dafür vor weit über zehn Jahren ein abgeschirmter „Abuse-Bunker“ (abuse ist englisch und steht für Missbrauch) eingerichtet. Der alte Bunker sorgte für Unmut in der Nachbarschaft, da es früher mehrfach zu Knallgeräuschen, Rauchentwicklung und Geruchsbelästigungen gekommen sein soll. Ein Unternehmer aus der Nachbarschaft hatte sich gar um die Gesundheit seiner Mitarbeiter gesorgt. Im Mai 2021 baute das Unternehmen einen neuen Versuchsbunker für Batterien. Dort ist es jetzt zu der Explosion gekommen.

Im Mai 2021 baute das Unternehmen einen neuen Versuchsbunker für Batterien. In diesem fand nun offenbar die Explosion statt.

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