Maßregelvollzug

Freistaat investiert weitere Millionen in die Kaufbeurer Forensik

Die Forensik ist ein Bestandteil der psychiatrischen Versorgung. Dort sind Menschen untergebracht, die aufgrund ihrer psychischen Erkrankung oder Intelligenzminderung mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind.

Die Forensik ist ein Bestandteil der psychiatrischen Versorgung. Dort sind Menschen untergebracht, die aufgrund ihrer psychischen Erkrankung oder Intelligenzminderung mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind.

Bild: Mathias Wild

Die Forensik ist ein Bestandteil der psychiatrischen Versorgung. Dort sind Menschen untergebracht, die aufgrund ihrer psychischen Erkrankung oder Intelligenzminderung mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind.

Bild: Mathias Wild

Gerade erst wurde die Forensische Klinik in Kaufbeuren modernisiert und erweitert. Jetzt folgen weitere Investitionen. Welche Arbeiten nun anstehen.
Die Forensik ist ein Bestandteil der psychiatrischen Versorgung. Dort sind Menschen untergebracht, die aufgrund ihrer psychischen Erkrankung oder Intelligenzminderung mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind.
Von Allgäuer Zeitung Redaktion
06.08.2020 | Stand: 07:00 Uhr

Die Klinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie am Bezirkskrankenhaus in Kaufbeuren ist voll belegt. Daran dürfte sich nach den Prognosen vorerst auch nichts ändern. Deshalb soll in der gerade erst erweiterten und modernisierten Einrichtung eine zehnte Station geschaffen werden. Dies wurde bei einem Besuch von Bayerns Sozialministerin Carolina Trautner und Bezirkstagspräsident Martin Sailer bekannt. In der Forensik sind Menschen untergebracht, die aufgrund ihrer psychischen Erkrankung oder Intelligenzminderung mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind.

Zehnte Station geplant

Erst Anfang dieses Jahres ist der Erweiterungsbau der Forensischen Klinik vollständig in Betrieb gegangen. 32,7 Millionen Euro hat er gekostet. Die Planungszeit dauerte sechs Jahre, der Bau an sich dreieinhalb Jahre. „Wir haben aktuell 232 Patienten“, sagte Ärztlicher Direktor Norbert Ormanns bei dem Ministerinnenbesuch. „In Anbetracht der Belegungssituation werden wir eine weitere Station mit 20 Betten einrichten.“ Dann gebe es zehn statt neun Stationen. Woran die hohe Belegungsquote liegt, könne er nicht sagen. „Wir hängen am Tropf der Justiz, wir müssen aufnehmen.“

Altbau wird saniert

Die nächsten Bauvorhaben stehen bereits an: So soll das bestehende C-Gebäude (Altbau) bei laufenden Betrieb saniert werden. Die Erneuerung der Fassade und Ertüchtigung der Sicherheitstechnik kosten 3,6 Millionen Euro. Die Kapazitätserweiterung um eine Station sowie die Sanierung der kompletten Sanitärinstallation schlagen voraussichtlich mit mehr als 4,5 Millionen Euro zu Buche. Die Arbeiten beginnen im Mai 2021.

Lob der Ministerin

Trautner unterstrich die Bedeutung dieser Maßregelvollzugs-Klinik als die größte im Bezirk Schwaben und lobte die Mitarbeitenden für ihre Arbeit. Das therapeutische Angebot (siehe Infokasten) nannte sie „sensationell“. Hier werde „hochprofessionell gearbeitet“ und auf viele Bedürfnisse der Patienten eingegangen, sagte Sailer, „um jedem ein Stück weit eine Perspektive zu ermöglichen“ Der Bezirkstagspräsident ist zugleich Verwaltungsratsvorsitzender der Bezirkskliniken Schwaben. Begleitet wurde Sailer von der neuen Krankenhausreferentin des Bezirks, Sonja Treffler. Freiwillig sei hier niemand, und gerne hier seien es gerade am Anfang der Therapie die wenigsten, sagte Andrea Grygorowicz, die Leiterin der Ergotherapie. „Deshalb machen wir uns Gedanken, wo wir jeden einzelnen Patienten unterstützen, wo wir ihn abholen können.“ Gemeinsam werde ein Therapieplan erarbeitet.

Lange Geschichte

Die Wurzeln der Forensik in Kaufbeuren reichen bis ins Jahr 1857 zurück. Damals tauchte zum ersten Mal ein forensischer Patient in den Geschichtsbüchern auf: ein Schuster, der seine drei Kinder umgebracht hatte. Damals hieß das BKH noch Heil- und Pflegeanstalt. Über die Jahre und Jahrzehnte wuchs die Abteilung und breitete sich mit ihren Stationen auf das gesamte BKH-Gelände aus. Waren es früher mal 44 Patienten, die hier untergebracht worden sind, so umfasst die Klinik heute 218 Betten. „Die Forensische Klinik ist seit 2004 eigenständig unter dem Dach des Bezirkskrankenhauses, nachdem die Wichtigkeit der Forensischen Psychiatrie und Psychotherapie erkannt worden war“, sagte Ärztlicher Direktor Norbert Ormanns. Drei Abteilungen mit insgesamt neun Stationen gibt es: zwei, in denen jeweils suchtkranke Straftäter entsprechend den Maßregeln der Besserung und Sicherung untergebracht sind, und eine für Menschen mit anderen psychischen Erkrankungen. Innerhalb jeder Abteilung gibt es zwei geschlossene und einen offenen Bereich. Je nach Therapieerfolg werden Lockerungsstufen festgelegt.

Gute Zusmmenarbeit mit Stadt

„Die Maßregel ist im Grunde eine Erfolgsstory“, sagte Ormanns. „Unser Ziel ist es, jeden Patienten zu entlassen. Oberbürgermeister Stefan Bosse und Chefarzt Ormanns betonten die gute Zusammenarbeit zwischen Stadt und Klinik. Ormanns schloss ausdrücklich die Polizei in den Dank mit ein.