Was in der Innenstadt lief

Ganz ohne geht es nicht: Kaufbeurer feiern Hinterhof-Tänzelfeste trotz Corona

In einigen Kaufbeurer Hinterhöfen feierten kleine Gruppen ihr eigenes Lagerleben.

In einigen Kaufbeurer Hinterhöfen feierten kleine Gruppen ihr eigenes Lagerleben.

Bild: Mathias Wild

In einigen Kaufbeurer Hinterhöfen feierten kleine Gruppen ihr eigenes Lagerleben.

Bild: Mathias Wild

Auch wenn das offizielle Programm heuer Corona zum Opfer gefallen ist - ganz ohne Tänzelfest geht es für die Kaufbeurer offenbar nicht. Wir zeigen die Bilder.

12.07.2020 | Stand: 16:04 Uhr

Ganz ohne Tänzelfest geht es auch in Corona-Zeiten einfach nicht. Während in den Köpfen vieler Kaufbeurer an diesem Wochenende ständig das abgesagte Festprogramm abgelaufen sein dürfte, schritten einige auch zur Tat. Kleine Grüppchen in Lagerleben-Kostümen waren im Stadtbild zu entdecken. Am „Nackten Mann“ animierte eine fröhliche Runde die vorbeifahrenden Autofahrer zum Hupen.

>> Fotos und Video: So schön hätte das Tänzelfest 2020 werden können <<

Hinterhof-Mini-Tänzelfeste wurden gefeiert und Stammtische fanden sich zusammen. Die Kulturwerkstatt nahm bei ihren speziellen „Stadtgeschichten“-Aufführungen die Zuschauer zumindest gedanklich mit zum Festzug, und im Innenhof des Stadtmuseums zeigte sich sogar Kaiser Maximilian I. seiner geliebten Bürgerschaft von Buron.

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Alternatives Tänzelfest: Ganz ohne geht es nicht

Trommelnde Nachbarn

Bis allerdings Herr Wiedemann (Thomas Garmatsch) endlich in die Rolle des Monarchen schlüpfen durfte, mussten sich er und das vorschriftsmäßig im Museumshof verteilte Publikum eine ganz Weile gedulden. Denn zuerst wollten Wiedemann und Frau Maierhof (Simone Dopfer) die Zuschauer so richtig in Feststimmung bringen.

Das gelang dann noch authentischer als von den Schauspielern des Kinder- und Jugendtheaters geplant. Denn in einem Nachbarhof hatte sich eine fröhliche Runde zum Feiern versammelt, und da durften auch Trommeleinlagen und das inbrünstig gesungene Kaufbeurer Heimatlied nicht fehlen. Dopfer und Garmatsch nahmen die „Konkurrenzveranstaltung“ mit Humor. Herr Wiedemann ließ sich sogar auf einen musikalischen Wettstreit mit den Nachbarn ein. Denn Trommelstöcke gehörten natürlich auch bei der Kulturwerkstatt zur Standardausrüstung für diese besonderen „Stadtgeschichten“ am Tänzelfest-Wochenende. Nachdem Dopfer eine recht hölzerne Begrüßungsrede ins Mikrofon genuschelt hatte, ahmte Garmatsch näselnd die typischen Kommentatoren-Sprüche beim Tänzelfestzug nach.

„Der alte Dreckbär“

Dann ging es aber in sechs Episoden erst einmal tief hinein in die Kaufbeurer Stadtgeschichte, wobei immer wieder Gestalten auftauchten, die auch vom Festzug und vom Lagerleben bestens bekannt sind. Die Schweden etwa, die die Stadt belagerten, die Handwerkszünfte, die jeweils für den Unterhalt eines bestimmten Abschnitts der Stadtmauer zuständig waren, die sagenhafte Stadtgründerin Anna vom Hof und natürlich Kaiser Maximilian I. „Soviel Buron am Wertachstrand. Da kriegt man ja Kopfweh“, klagte Herr Wiedemann einmal.

Nichtsdestotrotz kleidete er sich Hermelinmantel und Prunkhut ein und setzte zur Begrüßungsrede an. Doch zunächst einmal musste sich der Kaiser, „der alte Dreckbär“, – ganz der historischen Überlieferung folgend – ins Franziskanerinnenkloster zum Baden begeben. Schwuppdiwupp übernahm seine Gegenspielerin Frau Maierhof das kaiserliche Ornat, nutzte ihren Status für allerlei krude Schwurformeln der Kaufbeurer Bürgerschaft und schließlich holte der stets von Geldnöten geplagte Maximilian noch die letzte Münze aus einer Büste seiner Frau Maria Bianca Sforza.

Und wieder erklingt das Kaufbeurer Heimatlied

Augenzwinkernd schmetterten am Ende auch Frau Maierhof und Herr Wiedemann das Kaufbeurer Heimatlied. Nach tosendem Applaus entließen sie ihr Publikum in ein sonderbares Wochenende, an dem das große Festprogramm in den Straßen zwar fehlte, das Tänzelfest aber trotzdem fast an jeder Ecke zu spüren war.