Prozess in Kaufbeuren

Drogen im Darknet bestellt - Angeklagter fliegt bei Corona-Party auf

Der Angeklagte gesteht vor dem Schöffengericht, dass er Drogen im Darknet bestellt hatte.

Der Angeklagte gesteht vor dem Schöffengericht, dass er Drogen im Darknet bestellt hatte.

Bild: Nicolas Armer, dpa (Symbolbild)

Der Angeklagte gesteht vor dem Schöffengericht, dass er Drogen im Darknet bestellt hatte.

Bild: Nicolas Armer, dpa (Symbolbild)

Ein vorbestrafter 28-Jähriger aus dem südlichen Ostallgäu fliegt bei einer Corona-Party auf: Er hatte Drogen im Darknet bestellt. Nun ist er vor Gericht.
21.01.2022 | Stand: 13:24 Uhr

Seine Teilnahme an einer Corona-Party in Memmingen ließ im Januar 2021 einen Drogentäter aus dem Ostallgäu auffliegen: Als die Polizei damals durch nächtlichen Lärm auf das verbotene Treffen in einer Wohnung aufmerksam wurde und die Anwesenden kontrollieren wollte, fielen den Beamten herumliegende Drogenutensilien auf.

Angeklagter versteckte sich im Schrank vor der Polizei

Bei der anschließenden Durchsuchung der Räumlichkeiten wurden 184 Gramm Amphetamin und 19,5 Gramm Haschisch gefunden. Wie sich herausstellte gehörte das Rauschgift einem 28-Jährigen aus dem südlichen Landkreis Ostallgäu. Der junge Mann hatte sich vor der Polizei in einem Schrank versteckt, wurde dort aber prompt entdeckt.

Er musste sich jetzt wegen vorsätzlichen unerlaubten Besitzes und Handels von Betäubungsmitteln vor dem Kaufbeurer Schöffengericht verantworten. Dieses verurteilte den vielfach und auch einschlägig vorbestraften Angeklagten zu einer Haftstrafe von einem Jahr und neun Monaten. Die Entscheidung ist rechtskräftig.

Der Angeklagte hatte im Prozess offen zugegeben, dass er die Drogen im Darknet bestellt und vier Tage vor seiner Entdeckung zugeschickt bekommen hatte. Die Angaben deckten sich mit Erkenntnissen des Bundeskriminalamts, das von amerikanischen Behörden über eine entsprechende Transaktion im Darknet informiert worden war. Ein kleinerer Teil des Rauschgifts sollte offenbar dem Eigenkonsum des suchtkranken Angeklagten dienen, der Großteil war für den Weiterverkauf gedacht.

Während laufenden Ermittlungen in Füssen mit Drogen erwischt

Obwohl die Ermittlungen in dieser Sache bereits liefen, hatte der junge Mann weiterhin Kontakt zu Drogen und wurde im Juni bei einer Polizeikontrolle in Füssen mit knapp fünf Gramm Amphetamin und 1,7 Gramm Marihuana erwischt. Der Schuldspruch für diese Tat ist Teil des aktuellen Urteils. Derzeit verbüßt der Angeklagte bereits eine siebenmonatige Haftstrafe aus einer anderen Rauschgift-Sache. Diese Entscheidung wurde jetzt ins Urteil mit einbezogen. Zudem wird der 28-Jährige auch noch sechs Monate aus einem Urteil vom Dezember 2020 verbüßen müssen. Damals hatte er zunächst noch eine Bewährung erhalten. Diese wurde ihm zwischenzeitlich widerrufen.

Die hohe Rückfallgeschwindigkeit und die zahlreichen Vorstrafen schlugen jetzt im Urteil deutlich zu Lasten des Angeklagten zu Buche. Für ihn sprachen vor allem sein umfassendes Geständnis und der Umstand, dass die Drogen fast komplett aus dem Verkehr gezogen werden konnten. Von der Darknet-Bestellung hatte nur eine geringe Amphetamin-Menge gefehlt, die der Angeklagte offenbar selbst konsumiert hatte.

Der Staatsanwalt und der Vorsitzende des Schöffengerichts machten kein Hehl daraus, dass sie aufgrund der den Straftaten zugrunde liegenden Suchtproblematik eigentlich eine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt für sinnvoll gehalten hätten. Dass es dazu nicht kam, lag an der fehlenden Bereitschaft des Angeklagten. Der Staatsanwalt verwies im Plädoyer darauf, dass die Anzahl derartiger Therapieplätze begrenzt sei, und sagte: „Das soll dann jemand machen, der das auch will!“

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