Kaufbeuren

Investor will Spittelmühle wieder beleben

Spittelmühle Gebäude Ansicht

Spittelmühle Gebäude Ansicht

Bild: Mathias Wild

Spittelmühle Gebäude Ansicht

Bild: Mathias Wild

Stadtbild Mehrheit des Stadtrates stimmt für Verkauf. Wie das Konzept aussieht und was der Gestaltungsbeirat dazu sagt
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Von Renate Meier
20.11.2019 | Stand: 16:52 Uhr

Die Spittelmühle ist eines der markantesten Gebäude in der Kaufbeurer Innenstadt. Die wichtigste Kreuzung Kaufbeurens ist nach ihr benannt. Doch seit Jahren steht das Gebäude überwiegend leer und kümmert vor sich hin. Lediglich das Feuerwehrmuseum und das Kunsthaus nutzen Flächen darin noch als Lager. Nun hat ein Kaufbeurer Investor Interesse daran und möchte es mit Gewerbe, Gastronomie und Wohnungen wieder beleben. Mit seinem Konzept beschäftigten sich bereits der Gestaltungsbeirat und der Stadtrat. Die Mehrheit des Gremiums stimmte am Dienstag in nichtöffentlicher Sitzung für einen Verkauf. Dagegen waren unter anderem die Grünen und die Freien Wähler.

Oberbürgermeister Stefan Bosse (CSU) hingegen freut sich, wenn es tatsächlich gelingt, das Gebäude endlich zu sanieren. Die Stadt habe über Jahre hinweg erfolglos versucht, einen Interessenten dafür zu finden. Deshalb glaubt Bosse auch nicht, dass eine überregionale Ausschreibung zu mehr Erfolg geführt hätte. Diese hätte obendrein noch rund 30 000 Euro gekostet. Nun verkaufe die Stadt das Gebäude für einen „mittleren sechsstelligen Betrag“. Das entspreche dem Verkehrswert. Im Eigentum der Stadt bleibe die dortige Turbine im Mühlbach, die verpachtet ist.

Der Investor möchte zusammen mit einem Partner – „einem sehr erfahrenen Architekten“ – im unteren Drittel Büros und Gewerbe, im mittleren kleinere Wohneinheiten in einer Größe zwischen 45 und 55 Quadratmetern und im oberen Drittel große Penthouse-Wohnungen mit gemeinsamer Dachterrasse schaffen. Einen Interessenten für das Erdgeschoss gibt es schon: einen seit 30 Jahren in Kaufbeuren ansässigen Friseursalon. Alle geschaffenen Einheiten sollen wieder als Eigentumswohnungen oder Gewerbeflächen verkauft werden. Die Interessen der Käufer sollen bereits mit in die Detailplanung einfließen.

Als nächstes möchten die Investoren die Baugenehmigung beantragen. Erst wenn diese vorliegt, könne der Kauf des Gebäudes mit der Stadt endgültig abgewickelt werden. Der Kaufbeurer Projektentwickler weiß, worauf er sich mit der Neugestaltung des Gebäudes einlässt. Es steht zwar nicht unter Denkmalschutz, die Außenmauern müssen aber stehen bleiben. Denn nach einem Abbruch würden ganz andere Abstandsflächen gelten. Bosse zufolge möchte der Denkmalschutz zudem, dass sich die Ansicht der Fassade möglichst nicht verändert. Um die Wohnungen allerdings nicht zu dunkel werden zu lassen, will der Investor die Fenster bis zum jeweiligen Boden verlängern.

Diskussionsbedarf gibt es also in jedem Fall noch. Das weiß auch der Investor. Er möchte das Projekt innerhalb der nächsten fünf Jahre fertigstellen.

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Im Vorfeld hat sich bereits der Gestaltungsbeirat mit der Spittelmühle befasst(siehe Infokasten). Sein Fazit: Es ist eine „erhebliche Herausforderung, die Immobilie in den gegebenen Rahmenbedingungen marktgängig zu entwickeln und langfristig stabile Nutzungsstrukturen zu etablieren“.

Dennoch hätten es etwa die Freien Wähler lieber gesehen, die Stadt hätte das Gebäude behalten und dort selbst „bezahlbaren Wohnraum“ geschaffen, wie Fraktionssprecher Bernhard Pohl sagt. Es handle sich schließlich um „ein Filetgrundstück mitten in der Stadt“.

Auch die Grünen meinen laut Fraktionssprecher Oliver Schill: „Der systematische Ausverkauf unseres städtischen Vermögens muss gestoppt werden.“ Er hätte sich noch eher eine Basis auf Erbpacht vorstellen können. Aufgrund der Bedenken des Gestaltungsbeirats glaubt er allerdings nicht, dass die Stadt mit dem Verkauf eine dauerhaft positive Wirkung für sich erzielt.