Ausbildung im Bildungszentrum Irsee

Junger Flüchtling sehnt sich nach dem Ende des Lockdowns

Die Vorfreude auf die ersten Gäste wächst: Abteilungsleiterinnen Barbara Jahreiß und Christiane Breidenbach mit Hotelfachmann Noorollah Shahabi und Werkleiter Dr. Stefan Raueiser (von links).

Die Vorfreude auf die ersten Gäste wächst: Abteilungsleiterinnen Barbara Jahreiß und Christiane Breidenbach mit Hotelfachmann Noorollah Shahabi und Werkleiter Dr. Stefan Raueiser (von links).

Bild: Harry Bittner

Die Vorfreude auf die ersten Gäste wächst: Abteilungsleiterinnen Barbara Jahreiß und Christiane Breidenbach mit Hotelfachmann Noorollah Shahabi und Werkleiter Dr. Stefan Raueiser (von links).

Bild: Harry Bittner

Das Bildungszentrum Kloster Irsee bildet Noorollah Shahabi aus Afghanistan aus. Warum sich der junge Flüchtling auf das Ende des Lockdowns freut.
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Von Allgäuer Zeitung Redaktion
23.01.2021 | Stand: 19:00 Uhr

Trotz des Corona-Lockdowns geht der Ausbildungsbetrieb im Schwäbischen Bildungszentrum Irsee weiter. Dort hat nun ein afghanischer Kriegsflüchtling nach dreieinhalb Jahren Lehrzeit seinen Abschluss zum Hotelfachmann geschafft. Bezirkstagspräsident Martin Sailer sieht das als Erfolg vieler Beteiligter: ein motivierter junger Mann, ehrenamtliche Unterstützung und professionelle Ausbilder. So sei die Integration eines Kriegsflüchtlings in die Berufswelt in Schwaben gelungen.

Elternlos auf der Flucht

Die junge Fachkraft Noorollah Shahabi wurde 1999 im afghanischen Masar-e-Sharif geboren, wo die Bundeswehr seit 2005 ein Feldlager betreibt. Er absolvierte im Oktober 2016 ein Praktikum im Schwäbischen Bildungszentrum Irsee und habe schnell gemerkt, dass das Hotelfach etwas für ihn sein könnte, berichtet Dr. Stefan Raueiser, Leiter des Schwäbischen Bildungszentrums. Und so begann der elternlose, Ende 2015 als minderjährig Flüchtling nach Deutschland gekommene Junge, sich um seine Schul- und Berufsausbildung zu kümmern. Betreut und ermutigt wurde er dabei zunächst von der „Biberburg“, einer heilpädagogisch-therapeutischen Einrichtung der Kinder- und Jugendhilfe in Pforzen.

Nach einem mehrmonatigen Sprachkurs in der Kolping-Akademie legte Shahabi den Schulabschluss in einer Berufsintegrationsklasse für junge Flüchtlinge an der Berufsschule Kaufbeuren ab. Im März 2017 klappte es dann mit dem Ausbildungsstart im Tagungs-, Bildungs- und Kulturzentrum des Bezirks Schwaben, zunächst als Quereinsteiger im bereits laufenden ersten Ausbildungsjahr an der Staatlichen Berufsschule Bad Wörishofen.

Viele Abteilungen kennengelernt

Nach der Volljährigkeit stand der Umzug in die unmittelbare Nähe zum Arbeitsplatz an, in ein Personalappartement des Schwäbischen Bildungszentrums in Irsee. Dort lernte Shahabi während seiner Lehrzeit alle fünf Abteilungen des Tagungs- und Bildungszentrums kennen. Schwerpunkte lagen im Housekeeping von Hausdame Barbara Jahreiß und im Restaurant unter Anleitung von Serviceleiterin Christiane Breidenbach.

Praxis-Bezug im ersten Lockdown

Im Juli 2020 bestand Shahabi den praktischen Teil seiner Berufsausbildung, nur die beiden Theoriebereiche Gästeempfang und Marketing machten noch Schwierigkeiten. Raueiser, bat daher die ehrenamtliche Flüchtlingshelferin Waltraud Schürmann aus Irsee darum, sich des jungen Mannes anzunehmen und mit ihm nochmals Deutsch zu pauken.

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Zusätzlich erklärte sich auf Vermittlung von Josefine Steiger, ehemalige Leiterin der Abteilung Ausbildung bei der IHK Schwaben, Mona Steininger, eine gelernte Hotelfachfrau aus Germaringen, bereit, das noch fehlende Fachwissen in der Gästebetreuung nachzuholen. Im Fach Marketing half in Corona-Zeiten nur das Selbststudium. Die Abteilungsleiterinnen in Kloster Irsee achteten aber darauf, dass der Praxis-Bezug im ersten Lockdown nicht verloren ging.

Zweijahres-Arbeitsvertrag nach abgeschlossener Ausbildung

Ende Dezember kam dann die gute Nachricht über eine erfolgreich abgeschlossene Nachprüfung, so dass das Bildungszentrum den frisch examinierten Hotelfachmann mit einem Zweijahres-Arbeitsvertrag in die Stammbelegschaft übernehmen konnte – nach Genehmigung der Bundesagentur für Arbeit zunächst einmal in Kurzarbeit.

Und was sind die Pläne für die Zukunft? „Erst einmal steht der Führerschein an – und dann schauen wir weiter“, meint ein überglücklicher und auch ein wenig stolzer Noorollah Shahabi. Er hofft, dass der zweite Lockdown des Hotelbetriebs in Kloster Irsee bald zu Ende geht, damit er sein Fachwissen endlich wieder im Berufsalltag anwenden kann. (Lesen Sie auch: FFP-Maskenpflicht: Bayerischer Flüchtlingsrat sieht Chaos)

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