Corona-Not macht erfinderisch

Lange Schlange: Klosterbrauerei Irsee verschenkt 2.500 Liter Fassbier

Freibier gab es am Wochenende in Irsee. Die Klosterbrauerei verschenkte ihr Produkt, bevor das Mindeshaltbarkeitsdatum ablief.

Freibier gab es am Wochenende in Irsee. Die Klosterbrauerei verschenkte ihr Produkt, bevor das Mindeshaltbarkeitsdatum ablief.

Bild: David Frick

Freibier gab es am Wochenende in Irsee. Die Klosterbrauerei verschenkte ihr Produkt, bevor das Mindeshaltbarkeitsdatum ablief.

Bild: David Frick

Die Klosterbrauerei Irsee (Ostallgäu) verschenkte 2.500 Liter Fassbier. Die Abnehmer kamen bis aus München. Warum das Traditionsunternehmen diesen Weg ging.
22.02.2021 | Stand: 12:30 Uhr

So sieht es aus, wenn man aus der Not eine Tugend macht. Die Klosterbrauerei Irsee verschenkte am Sonntag 2.500 Liter Bier. Gerstensaft, der wegen des Lockdowns in der Gastronomie derzeit nicht verkauft werden kann. Dutzende Fans der kleinen Braustätte stellten sich brav in die Schlange, die teilweise bis zu den Parkplätzen reichte, um sich ihre Rationen abfüllen zu lassen. Stellvertretender Geschäftsführer David Frick ist sehr zufrieden mit der Aktion: „Die Menschen haben sich vorbildlich an die Hygieneregeln gehalten.“

2500 Liter Bier verschenkt

Auch das Traditionsunternehmen leidet derzeit massiv unter den coronabedingten Einschränkungen. Zum Irseer Klosterbräu gehören der Gasthof, das Hotel und die Brauerei mit Museum. Die eigene Gastronomie und Hotellerie ist geschlossen, Kunden aus der Branche können derzeit nicht beliefert werden. Viele andere Brauereien müssen sogar Fassbier vernichten, weil sie ihre Produkte nicht verkaufen können, aber das Mindesthaltbarkeitsdatum abläuft. „Soweit wollten wir es nicht kommen lassen“, sagt Frick. Das Fassbier kurzerhand in Flaschen abzufüllen, sei für eine kleine Brauerei kaum möglich. Über den Nachrichtendienst Whatsapp kündigte er die Freibieraktion Ende vergangener Woche unter den Freunden der Klosterbrauerei in der Region an. Wegen der aktuellen Situation sei es nicht möglich, das Fassbier an die Gastronomie-Kunden auszuliefern, hieß es darin. „Es wäre viel zu schade, unser handwerklich und ursprünglich gebrautes Bier wegzuschütten.“ Der Kreis der Fans aus Privathaushalten sollte aber überschaubar gehalten werden, denn es gab strenge Hygieneregeln. 2500 Liter Fassbier standen bereit, bevor dessen Mindesthaltbarkeitsdatum ablief. Der Wert: gut 5000 Euro.

Lange Schlange in Irsee

Am Sonntag zeigte sich, dass die Nachricht sich weiter als geplant verbreitet hatte. Ein übliches Internetphänomen, das Frick eigenen Angaben zufolge aber gut im Griff hatte. Bei schönstem Ausflugswetter kamen Dutzende Menschen ins Irseer Klosterviertel – bis aus Augsburg und München. Manche warteten zwei Stunden. Frick berichtet von einer Menschenschlange, die von der Ausgabe des Bieres bis zu den Parkplätzen reichte. Mit Flatterband hatten die Mitarbeiter die notwendigen Bewegungskorridore geschaffen. Was Frick besonders freute: „Alle Besucher waren sehr vernünftig, sie haben sich an unser Hygienekonzept mit FFP2-Masken gehalten oder die notwendigen Abstände gehalten.“ Eine weitere Vorgabe war, das Bier nicht an Ort und Stelle zu trinken, sich stattdessen eigene Gefäße mitzubringen.“ Es war so gut wie alles dabei, so Frick schmunzelnd – vom Kanister über Kannen bis zur Wasserflasche. Fünf Liter galten als Limit pro Person.

Ein Zeichen der Solidarität

Die Resonanz habe ihn schon überrascht, sagt der stellvertretende Geschäftsführer. „Aber das zeigt auch, dass die Kunden zur Klosterbrauerei stehen.“ Ein schönes Zeichen der Solidarität sei dies gewesen. Von der übrigens auch der Irseer Kindergarten profitieren soll. Denn etliche Besucher hätten für die Brauerei gespendet. „Wir sammeln weiter“, so Frick. „Alles wird den Kindern zugutekommen.“

Die Freibierausgabe soll indes eine einmalige Aktion in Irsee bleiben. „Wir hoffen natürlich, dass es in der Gastronomie bald wieder losgehen kann“, sagt Frick. Der Anteil des Flaschenbieres, der über den Handel verkauft wird, sei während des Lockdowns deutlich gestiegen. 20 Prozent des eigenen Gebrauten fließt zu normalen Zeiten in gastronomische Betriebe außerhalb des Klosterviertels. „Trotz der Einschnitte stehen wir aber noch solide da“, sagt Frick.

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Zum Biertrinken und Wassertreten ins Irseer Klosterviertel

Erst kurz vor Weihnachten hatte das Unternehmen im Klosterviertel mit einem zehneinhalb Meter hohen Christbaum aus 1050 gestapelten Bierkisten nebst Beleuchtung für Furore gesorgt. Wenn schon der weihnachtliche Schmuck in der Gaststätte corona-bedingt entfalle, so habe man ein wenig vorweihnachtliche Stimmung vermitteln wollen, so Frick damals. „Ein Baum ganz nach dem Geschmack der Brauer.“