Hallenbetreiber vor harten Winter

Lockdown in Tennishallen: Eine Unternehmerin in Germaringen klagt an

Die Corona-Krise trifft auch Betreiber von Tennishallen – ausgerechnet zum Beginn der Wintersaison.

Die Corona-Krise trifft auch Betreiber von Tennishallen – ausgerechnet zum Beginn der Wintersaison.

Bild: Julian Leitensdorfer (Symbolfoto)

Die Corona-Krise trifft auch Betreiber von Tennishallen – ausgerechnet zum Beginn der Wintersaison.

Bild: Julian Leitensdorfer (Symbolfoto)

Tennishallen-Betreiber üben Kritik an den Lockdown-Regeln. Warum Irene Wolf vom Sporttreff in Germaringen eine Grundsatzdebatte anstoßen möchte.
03.12.2020 | Stand: 20:49 Uhr

Seit Wochen rollt kein Tennisball mehr über den Granulatboden im Sporttreff Wolf. Der von der Staatsregierung verfügte Lockdown hat auch die Germaringer Einrichtung in den Stillstand gezwungen. Während Ministerpräsident Markus Söder ein zu hohes Covid-19-Infektionsrisiko in Tennishallen fürchtet, hat Inhaberin Irene Wolf Angst vor dem wirtschaftlichen Aus.

Die Geschäftsfrau und ihr Sohn Uwe betreiben die Anlage seit fast 30 Jahren. Mit Tennis fing es an, es folgten Angebote wie Badminton, eine Kletterhalle und ein Hochseilgarten. Irene Wolf (78) hat Höhen und Tiefen erlebt, doch nun geht es ans Eingemachte. Sie spricht von einem Schock für alle Betreiber von kommerziellen Sportanlagen, die Tennis, Badminton und Squash anbieten, und nennt die Verordnung der Staatsregierung „nicht zu Ende gedacht, falsch, rücksichtslos und übereilt“. Zudem sei der Vergleich mit Fitnessstudios nicht zulässig.

Appell an den Verband

Das hat sie auch in einem Schreiben an den Präsidenten des Bayerischen Tennisverbandes (BTV), Helmut Schmidbauer, formuliert. Der Sporttreff Wolf und die Wintertenniskunden seien durchaus in der Lage, heißt es darin, alle Hygiene- und Abstandsauflagen zu erfüllen. Wichtig sei ihnen, dass sie überhaupt noch Tennis spielen können, zitiert Wolf ihre Tennis-Senioren.

Als „sportliche Ohrfeige“ und „Nachtaktion“ bezeichnet Wolf die Verfügung der Staatsregierung Mitte November. Trügerisch war seinerzeit die Hoffnung der Unternehmer, dass Fitnessstudios inmitten des bundesweiten Lockdowns wieder öffnen dürfen. Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof hatte an einem Donnerstag unter Verweis auf das Gleichheitsprinzip deren bisherige Schließung aufgehoben, weil auf der anderen Seite sonstige Sportstätten für Individualsport geöffnet seien. Die Staatsregierung verschärfte daraufhin die Corona-Beschränkungen quasi über Nacht und verbot ab Freitag den Indoor-Sport komplett. Waren Tennis und Badminton im Einzel bis dahin noch erlaubt, galt nun, dass nur noch Schul- und Profisport in Innenräumen möglich ist. Die Regel gilt vorerst bis 20. Dezember, geht aber möglicherweise in die Verlängerung. „Die sozialen Kontakte und die körperliche Betätigung zur Erhaltung der Gesundheit, gerade bei älteren Menschen, werden hier grundlos und strikt unterbunden“, sagt Wolf.

Ein harter Winter steht bevor

Die Geschäftsfrau fordert vom BTV, den noch „übrig gebliebenen“ privaten Tennishallenbesitzern beizustehen. So gebe es bereits jetzt einen Engpass an Tennishallenplätze für die Winterrunde 2020/2021, da etliche Anbieter aufgehört hätten. Dies liege nicht allein daran, dass die Jugend immer seltener für den Sport zu begeistern sei. Hauptgrund der Schwierigkeiten aus ihrer Sicht: der Arbeitsaufwand mit laufenden Kosten für sieben Wintermonate.

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Wolf kann eine lange Liste zu Vorgaben für das Hygienekonzept im eigenen Haus und den erforderlichen Abstandsregelungen für die Tennisspieler vorlegen. Doch ihr Einsatz sei bisher schon weit über die Vorschriften hinausgegangen. Die jeweilige Spielstunde habe beispielsweise mit einem Gongzeichen geendet, bei dem die Spieler den gebuchten Platz verlassen müssen. „Durch unseren persönlichen Einsatz und unsere Kontrolle an der Eingangstür werden die neuen Spieler erst auf Anweisung von uns zum Platzwechsel eingelassen, nachdem die ersten sechs Spieler mit Abstand den Tennisgang verlassen haben“, sagt sie. So habe man der bayerischen Verordnung vom 1. November für den seinerzeit noch erlaubten Individualsport mehr als gerecht werden wollen. Vergeblich.

Wolf betont, dass sie ihre Tennisanlage seinerzeit „unter schwersten Bedingungen“ gegründet habe. „Es war mein Traum“, sagt sie. Nur mit Herzblut und Leidenschaft bringe sie trotz ihres Alters nun noch die Kraft auf, für ihre Kunden dem „Sport-Eintopf-Verbot“ der Staatsregierung zu widersprechen.