Kaufbeuren/Ostallgäu

Mit dem Corona-Virus im Gepäck zurück ins Ostallgäu - Westendofer Familie unter Quarantäne

Ein ungeliebtes Reisesouvenier: Immer wieder bringen Urlauber das Sars-Cov-2-Virus aus dem Ausland mit. Dies führt auch in Kaufbeuren und im Ostallgäu zu steigenden Infizierten-Zahlen.

Ein ungeliebtes Reisesouvenier: Immer wieder bringen Urlauber das Sars-Cov-2-Virus aus dem Ausland mit. Dies führt auch in Kaufbeuren und im Ostallgäu zu steigenden Infizierten-Zahlen.

Bild: Ralf Lienert/Symbolfoto

Ein ungeliebtes Reisesouvenier: Immer wieder bringen Urlauber das Sars-Cov-2-Virus aus dem Ausland mit. Dies führt auch in Kaufbeuren und im Ostallgäu zu steigenden Infizierten-Zahlen.

Bild: Ralf Lienert/Symbolfoto

Im Ostallgäu sind wieder mehr Menschen mit Covid-19 infiziert. In Westendorf steht eine achtköpfige Familie unter Quarantäne. Wie die Behörden reagieren.

28.08.2020 | Stand: 16:57 Uhr

Die Corona-Lage in Kaufbeuren haben die regional Verantwortlichen in Politik und Gesundheitsbehörden momentan ganz besonders im Blick: Aktuell sind 15 Personen in der kreisfreien Stadt mit Covid-19 infiziert. In den vergangenen sieben Tagen kamen auf 100 000 Einwohner gerechnet 25,1 neue Fälle hinzu (Angaben des Landesgesundheitsamtes LGL). Im Bundesvergleich liegt die Stadt damit auf dem 22. Platz. 14 der aktuell infizierten Kaufbeurer brachten die Krankheit von einer Reise in sogenannte Risikogebiete mit, erklärt Ralf Kinkel als Leiter des staatlichen Gesundheitsamtes in Marktoberdorf, das für das Ostallgäu und Kaufbeuren zuständig ist.

Etwas entspannter ist die Situation noch im Landkreis. Dort errechnete das LGL am Donnerstag eine sogenannte 7-Tage-Inzidenz von 15,0 – also deutlich weniger als in Kaufbeuren. Von Mittwoch auf Donnerstag kamen allerdings acht neue Fälle hinzu. Konkret bedeutet dies laut Landratsamt aktuell 30 Erkrankte im Ostallgäu. „Insgesamt sind in der Region mehr als 80 Prozent der Infizierten Reiserückkehrer“ berichtet Kinkel. Er verweist darauf, dass die Corona-Regeln vor Ort gut eingehalten werden: Partys oder Familienfeiern seien noch nicht als Infektionsherde aufgefallen.

Acht Familienmitglieder in Quarantäne

Wie schnell ein Urlaub zum Covid-19-Risiko wird, hat sich in Westendorf gezeigt. Dort haben sich gleich acht Mitglieder einer Familie infiziert und stehen unter Quarantäne. Kinkel appelliert daher dringend an die Bürger, „mit Reisen vorsichtig zu sein“. Risikogebiete solle man auf jeden Fall meiden. Statt einer Empfehlung, andere Urlaubsziele zu wählen wäre, hätte Kinkel mit Blick aus der Praxis ein Verbot für Reisen in Risikogebiete gewünscht. Zu den Ländern, in denen die Covid-Patienten Urlaub gemacht haben, liegen beim Gesundheitsamt keine näheren Erkenntnisse vor. Daten fehlen auch, ob es sich beispielsweise um Rückkehrer nach einem Familienbesuch auf dem Balkan handelt.

Aktuell werde die Situation intensiv beobachtet und man arbeite daran, unter dem bayerischen Signalwert von 35 bei der 7-Tage-Inzidenz zu bleiben. Je nach Ursachen wären ab 50 Neuinfizierten auf 100 000 Einwohner innerhalb einer Woche weitere Maßnahmen nötig. Bisher könne man aber die Infektionsketten noch kontrollieren und die Quarantäne werde eingehalten: „Es gibt kein diffuses Bild mit wilden Ansteckungen“, sagt Kinkel. Er und sein Team stehen mit der Stadt Kaufbeuren in permanentem Kontakt. Immer wieder treffe man sich zu Koordinierungsgesprächen.

Teststationen starten am Montag 

Eine wichtige Maßnahme ist die Einrichtung von Teststationen in Kaufbeuren und Marktoberdorf. Diese werden am Montag in Betrieb gehen, verspricht Kinkel. Zunächst werden sie nach einer Terminvereinbarung nicht der breiten Öffentlichkeit offen stehen, sondern bestimmten Gruppen wie Lehrern oder Verdachtsfällen. Wer sich freiwillig testen lassen will, kann sich an seinen Hausarzt wenden. Es führen jedoch nicht alle Ärzte die Tests durch. Auskunft zu Praxen mit Testangebot gibt es beim ärztlichen Bereitschaftsdienst unter der Telefonnummer 116 117.

Wie hoch die Zahlen im Raum Ostallgäu-Kaufbeuren sind, zeigt ein Vergleich mit den Nachbarn. In Kempten liegt die 7-Tage-Inzidenz bei 16,0 Fällen, im Oberallgäu bei 7,1. Die Werte im Unterallgäu (9,7) und im Kreis Landsberg (11,7) sind etwas niedriger als im Ostallgäu. Memmingen weist aktuell 11,4 Neuinfizierte je 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen auf.