Pforzen/Mindelheim

Mit einem Bein noch auf der Matte

Ringen - Christian Halbig aus Mindelheim betreut die Ringer Österreichs -

Ringen - Christian Halbig aus Mindelheim betreut die Ringer Österreichs -

Bild: Archiv Halbig

Ringen - Christian Halbig aus Mindelheim betreut die Ringer Österreichs -

Bild: Archiv Halbig

Ringen Christian Halbig betreut Österreichs Nationalteam. Im Sommer lockt die Teilnahme am größten Sportevent der Welt
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Von Willi Unfried
22.01.2020 | Stand: 17:25 Uhr

Auf diesen Brief hat Christian Halbig wirklich gewartet. Als er ihn dann endlich erhielt und öffnete, war klar, dass dem 40-Jährigen ein Sport-Abenteuer ins Haus steht: Er durfte mit Athleten des österreichischen Ringsportverbandes im Sommer zu den Europaspielen ins weißrussische Minsk fahren.

Sechs österreichische Ringer hatten sich nämlich zuvor bei der Europameisterschaft in Bukarest (Rumänien) für die European Games im Juni in Minsk sowie die Weltmeisterschaft im September in Astana (Kasachstan) qualifiziert. Für Halbig ein Traum, schließlich ist er ein begeisterter Ringer. Der Inhaber einer Praxis für Physiotherapie, in der schon viele Fuß- und Handballer wieder auf die Beine gekommen sind, hat in seiner aktiven Karriere schon in der Ersten Bundesliga so manchen Gegner auf die Matte gelegt.

Nun ist Halbig nicht mehr als Ringer aktiv, aber dem Sport dennoch treu geblieben. Seit 2017 gehört er dem Betreuer- und Physioteam des österreichischen Ringsportverbandes an – und begleitet als solcher die Athleten bei ihren Wettkämpfen. Sein Aufgabenspektrum ist dabei weit gefächert. Neben den üblichen Massagen und Tapes kleben, geht es um das „Warmmachen“ der Athleten, damit sie fit in den Ring steigen, erklärt Halbig.

Doch bevor es im Juni nach Minsk ging, stand die Organisation an. Vier Wochen vor der Reise nach Weißrussland kamen die Teilnehmer in Wien zusammen und wurden eingekleidet. Am Ankleidetag stand auch ein sogenanntes „Medical Meeting“ auf dem Programm. Hier trafen sich alle Physiotherapeuten und Ärzte zu einer Lagebesprechung.

In Minsk selbst war Halbig beeindruckt von der großzügigen Unterbringung. Und zusammen mit den vielen Sportlern habe sich ein besonderes Flair entwickelt. Hinzu sei eine perfekte Organisation gekommen. Obwohl es mit „seinen Österreichern“ nicht so toll lief – eine Medaille blieb aus – erlebten die Teilnehmer unvergessliche Momente. Und die Abschlussfeier in Minsk hinterließ Gänsehaut-Feeling: „In ein so voll besetztes Stadion zu marschieren, das erlebt man nicht alle Tage“, erinnert er sich. „Davon zehrt man ein Leben lang.“ Auch in Kasachstan sei die Stimmung bei der WM großartig gewesen. Tausende Fans strömten täglich in die Arena. „Dort ist Ringen Volkssport“, so Halbig.

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Vizemeister ist dritter

Derzeit kann es der Pforzener etwas ruhiger angehen lassen und sich mehr der Familie widmen. Seine Frau Martina hat übrigens volles Verständnis für das Hobby des Ehegatten und hält ihm bei seinen Reisen den Rücken frei. „Sie ist ebenfalls vom Ringsport begeistert“, sagt er über sie.

In diesem Jahr wird Halbig bei beiden Qualifikationsturnieren für die Olympischen Sommerspiele in Tokio, zunächst in Budapest (März), dann in Bukarest (April), die ÖRSV-Athleten betreuen. Und wer weiß: Vielleicht erreicht ihn danach wieder ein Brief, der ihm im Sommer einen längeren Aufenthalt in Japan verspricht.