Kaufbeuren

Nach Provokationen ausgerastet

Gericht Drei junge Männer verprügeln 37-Jährigen und werden zu Bewährungsstrafen verurteilt
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Von bbm
16.01.2020 | Stand: 14:52 Uhr

Es war offenbar ein schon seit längerem schwelender Konflikt, der im Juli 2018 am Rande des Tänzelfest-Lagerlebens die Emotionen hochkochen ließ. Als damals drei junge Männer im Alter zwischen 23 und 24 Jahren in einem Kaufbeurer Lokal zufällig auf einen heute 37-Jährigen aus Kempten trafen, kam es zu wechselseitigen Beleidigungen und Provokationen. Danach verprügelte das Trio den Mann und fügte ihm Prellungen und Abschürfungen an Kopf und Körper zu. Das Schöffengericht sprach die Angeklagten jetzt der gemeinschaftlichen, gefährlichen Körperverletzung schuldig und verurteilte sie zu Bewährungsstrafen von sechs beziehungsweise neun Monaten. Die unterschiedliche Strafhöhe resultierte aus der jeweiligen Tatbeteiligung und strafrechtlichen Vorgeschichte.

So wurde beim mutmaßlichen Rädelsführer ein bislang straffreies Vorleben in Rechnung gestellt. Er kam deshalb ebenso wie der mit einer Geldstrafe vorgeahndete, zweite Angeklagte mit sechs Monaten auf Bewährung davon. Der dritte im Bunde, der zur Tatzeit noch mit einer Jugendstrafe wegen eines anderen Aggressionsdelikts unter offener Bewährung stand, erhielt eine neunmonatige Bewährungsstrafe. Allen drei Angeklagten wurde im Urteil zur Auflage gemacht, an den Geschädigten ein Schmerzensgeld von jeweils 700 Euro zu bezahlen. Die verhängte Strafe bewegte sich jeweils im Bereich dessen, was bei einer Verfahrensabsprache für den Fall eines Geständnisses in Aussicht gestellt worden war.

Die Angeklagten räumten daraufhin ein, gemeinsam auf den 37-Jährigen eingeschlagen zu haben. Dieser habe sie zuvor provoziert. Aus den Angaben aller Beteiligten ließ sich schließen, dass es zwischen den Konfliktparteien offenbar schon früher Spannungen gegeben hatte. Die genauen Hintergründe blieben allerdings unklar. Der Geschädigte hatte vage von Ärger bei einer Hochzeit gesprochen, bei der er Trauzeuge war.

Zum aktuellen Vorfall gab er sinngemäß an, dass er zunächst von einem der Angeklagten obszön beleidigt worden sei und sich mit ähnlichen Beschimpfungen revanchiert habe. Kurz darauf hätten ihn alle drei jungen Männer verprügelt. Für die Vermutung des Zeugen, dass eine leicht blutende Beule an seinem Hinterkopf damals von einem Schlagring verursacht worden sein könnte, gab es keine Beweise – zumal seine eigene Einschätzung nur auf einem angeblichen Hinweis vom Hörensagen beruhte.

Gegen den Einsatz einer solchen Waffe sprach auch das medizinische Gutachten. Darin verwies der Sachverständige darauf, dass bei einem schmalen Gegenstand wie einem Schlagring eher eine Platzwunde zu erwarten sei, als eine Schwellung und eine Abschürfung. Allerdings sah der Gutachter auch schon in den von den Angeklagten eingeräumten Schlägen gegen Kopf und Körper eine „abstrakt lebensgefährliche Behandlung“. Bei derartigen Attacken könne es zu inneren Blutungen und Organschäden bis hin zum Lungenkollaps kommen.

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