Corona-Regeln

Cocktails schlürfen statt abtanzen: Wie das Nachtleben in Kempten derzeit läuft

Kempten Parktheater

Strandatmosphäre statt Diskotrubel – so begegnet das Parktheater den Corona-Einschränkungen auf einer seiner Außenflächen. Auf den regulären Betrieb mit vollen Tanzflächen müssen Betreiber und Gäste bis auf Weiteres verzichten.

Bild: Matthias Becker

Strandatmosphäre statt Diskotrubel – so begegnet das Parktheater den Corona-Einschränkungen auf einer seiner Außenflächen. Auf den regulären Betrieb mit vollen Tanzflächen müssen Betreiber und Gäste bis auf Weiteres verzichten.

Bild: Matthias Becker

Wann die Diskotheken wieder öffnen, ist weiterhin unklar. Währenddessen setzen Kemptener Betreiber auf Lounges für ihre Gäste. Partys gibt’s vorerst nicht.

Von René Buchka
29.06.2020 | Stand: 06:00 Uhr

Ungewohnt ist der Anblick der Tanzfläche im Parktheater in Kempten: Aufgeklebte Pfeile auf dem Boden weisen den einspurigen Weg zu den Toiletten, alte Kinostühle aus dem Parktheater und Tische laden zum gemütlichen Hock ein. „Für mich ist das nicht mehr ungewohnt, so sieht das jetzt seit drei Monaten aus“, sagt Geschäftsführer Johannes Palmer. Sowohl ihm als auch Papillon-Geschäftsführer Christian Raffler ist wichtig klarzustellen, dass es bei ihnen keine Partys gibt – auch wenn DJs auflegen. Stattdessen fallen Begriffe wie „Lounge“ oder „Beachcafé“.

Ein junger Kemptener wundert sich indes über sich selbst: „Schon komisch – früher hat man jede Woche ins Programm vom Parktheater geschaut und jetzt denkt man gar nicht mehr dran“, sagt Lukas Würth (24). Etwa dreimal im Monat hat er die Diskothek vor der Corona-Pandemie besucht. „Am Anfang der Beschränkungen habe ich es viel mehr vermisst, jetzt machen wir halt andere Sachen und feiern zum Beispiel in der WG.“ Das Alternativprogramm des Parktheaters möchte er sich aber auf jeden Fall auch mal anschauen.

 

15 Tonnen Sand aufgeschüttet

Die Diskothek bietet inzwischen zwei Außenbereiche an: Den „Park Beach“ und den „Park-Platz“. „Für den Park Beach haben wir 15 Tonnen Sand in den Hinterhof gekippt, so dass eine Art Strand entstanden ist“, erklärt Palmer. Dort gebe es Cocktails und etwas zu essen. Auf der anderen Seite zum Künstlerhaus hin hat Palmer zusätzlich den „Park-Platz“ eingerichtet – und spielt damit darauf an, wie er die Fläche davor genutzt hatte. Nun stehen dort bunt bemalte Tische, Bänke und Stühle. „Wie ein Biergarten mit DJs, die sonst im Park auflegen.“ Alles sei aber an den Lounge- beziehungsweise Beachcafébetrieb angepasst – „hier gibt es keine Disko“.

Momentan sei Mittwoch bis Samstag mindestens einer der Bereiche von 15 bis 23 Uhr geöffnet. „Wir müssen schauen, wie die Leute sich verhalten. Je länger es abends geht, desto geselliger wird es – es darf aber nicht eskalieren.“ Bis jetzt hielten sich die Gäste an die Vorgaben. Das Alternativprogramm komme gut an: „Die Gäste fragen, ob wir das nicht auf Dauer anbieten, weil es ihnen so gut gefällt.“

Zurzeit richte sich der Betrieb auch nach dem Wetter: Bei Sonnenschein bauen Palmer und seine Mitarbeiter die Bänke und Tische nachmittags auf und abends wieder ab. Wie es mit dem Innenbereich weitergeht, steht noch nicht fest.

 

Lieferservice lohnt sich nicht mehr

Sowohl den Bringservice als auch den DJ-Livestream hat Palmer eingestellt. „Den Lieferservice bekommen wir zeitmäßig nicht mehr gestemmt.“ Der sei zwar gut angenommen worden. Aber: „Je mehr Lockerungen es gab, desto weniger Menschen haben bestellt.“ Auch den Livestream haben Palmer zufolge immer weniger verfolgt. Weiterhin gibt es Getränke zum Mitnehmen.

Nicht so lang wie das Parktheater, sondern erst seit zehn Tagen hat das Papillon in der Bahnhofstraße die Shisha-Lounge mit Außenbereich im Erdgeschoss geöffnet. Die Diskothek im Obergeschoss bleibt Geschäftsführer Christian Raffler zufolge aber vorerst geschlossen. Der eingeschränkte Betrieb sei eher „ein Tropfen auf dem heißen Stein“ – er wolle nun mal wieder aktiv sein und die Stammkunden begrüßen. „Inzwischen gibt es aber sehr viele andere Angebote in der Gastronomie und die Leute reagieren noch sehr verhalten.“ Viele Menschen wissen laut Raffler auch noch gar nicht, wann die Lounge schließt. Er stellt klar: „Es gelten die gleichen Zeiten, wie vor der Corona-Pandemie.“ Sieben Tage die Woche ist von 19 bis 0 Uhr geöffnet, Freitag und Samstag bis 1 Uhr.

 

Einwegschläuche zur Shisha

Bei den Shishas gelten hohe Sicherheitsauflagen. Beispielsweise dürfen die Gäste ihre Wasserpfeifen nicht tauschen, es gibt ausschließlich Einwegschläuche und nach jeder Benutzung reinigt und desinfiziert ein Mitarbeiter die Shishas. Am Samstag legt außerdem ein DJ Lounge-Musik auf. „Aber nur für den Lounge-, nicht für den Clubbetrieb“, betont Raffler.

Eine andere Adresse für Nachtschwärmer ist aktuell dicht: „Derzeit geschlossen“, heißt es auf der Facebook-Seite der Diskothek „Drop In“.

 

Lesen Sie auch:

Bilderstrecke

Corona im Allgäu: Die Entwicklung der Krise in Bildern