Dorfleben im Oberallgäu

Mit einem Kraftakt entsteht ein Eschacher Vereinshaus - und trotzdem gibt es Ärger

Heimstatt Eschach

Christian Zinth (rechts) von der Feuerwehr Eschach und Andreas Maidel vom Schützenverein stehen vor ihrem neuen Gebäude.

Bild: Irmgard Rampp

Christian Zinth (rechts) von der Feuerwehr Eschach und Andreas Maidel vom Schützenverein stehen vor ihrem neuen Gebäude.

Bild: Irmgard Rampp

Eschacher Vereine haben ein ehemaliges Bauernhaus zum neuen Treffpunkt umgebaut. Es heißt „S’Provisorium“. Die Organisatoren sind trotzdem etwas verärgert.
16.09.2021 | Stand: 15:03 Uhr

„S‘Provisorium“ steht auf dem Holzschild über dem Eingang der geschindelten Fassade des ehemaligen Bauernhauses im Herzen von Eschach. Davor plätschert ein Brunnen ruhig vor sich hin, ein riesiger Lindenbaum spendet Schatten.

„Die Bezeichnung auf dem Schild soll daran erinnern, dass dies hier nur eine Übergangslösung ist“, sagt Christian Zinth, Vorsitzender der Freiwilligen Feuerwehr Eschach, und Buchenberger Marktgemeinderat. „S’Provisorium“ ist vorübergehend Treffpunkt für Eschacher Vereine, die das Gebäude in Eigenarbeit auf Vordermann gebracht haben.

Vereine in Eschach werkeln 1100 Stunden

Die Garage für das Löschfahrzeug, ohne Sanitäranlagen und Heizung, hat der Eschacher Feuerwehr lange Zeit ausgereicht. Denn das Vereinsleben selbst spielte sich im Gasthaus Krone ab. Schon seit vergangenem Sommer steht allerdings fest: die „Krone“ schließt. Eine Alternative musste her. Mitglieder der Feuerwehr und des Schützenvereins, der bisher ebenfalls in der Krone unterkam, haben deshalb etwa 1100 Stunden gewerkelt, um das „Provisorium“ aus der Taufe zu heben.

„Wir haben alles selber gestemmt“, sagt Zinth. Ob Maurer-, Maler- oder Schreinerarbeiten – viele Vereinsmitglieder packten bei dem Umbau tatkräftig an. Zudem arbeitete ein Planzeichner honorarfrei; örtliche Firmen haben das Projekt zusätzlich unterstützt.

Laut Maidel und Zinth entspricht die neue Küche den generellen Gastrovorschriften. Auch die Trinkwasserversorgung funktioniert einwandfrei, wie Proben ergeben haben. Tische, Bänke und Stühle für das Stüble hat Johannes Mayr, zweiter Vorsitzender der Feuerwehr, in der örtlichen Schreinerei in Eigenleistung gebaut. Die Materialkosten für das Projekt betragen etwa 18 000 Euro. Davon trägt die Gemeinde die Hälfte als Zuschuss.

Renovierung in Absprache mit Buchenberg - doch es gibt Probleme

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Die Renovierung lief in Absprache mit Buchenbergs Bürgermeister Toni Barth und der Verwaltung, da das Gebäude der Gemeinde gehört. Sie hatte es vor einigen Jahren gekauft. Für den Umbau war zudem eine Genehmigung des Landratsamtes Oberallgäu nötig, um das ehemalige Wohnhaus zu einem Vereinsheim umzumelden. Das lief nahezu problemlos, berichten Maidel und Zinth. Man sei zufrieden mit dem Endergebnis.

Allerdings sind die Vereinsvertreter trotzdem etwas verärgert: „Seit sieben Monaten warten wir auf die Schankerlaubnis, um nicht nur Vereinsmitglieder bewirten zu können“, sagt Zinth. Deswegen habe er das Landratsamt kontaktiert. Eine eindeutige Antwort habe er nicht erhalten. „Mit diesem Bürokratenakt lässt man uns an ausgestreckter Hand verhungern“, sagt der Vereinsvorsitzende. „Wir sind gut durch Corona gekommen. Jetzt soll Leben einkehren. Sonst gehen Mitglieder verloren“, sorgt sich Maidel. Zu einem intakten Dorf gehört für ihn ein Ort, in dem sich die Gesellschaft der Gemeinde treffen kann.