Opfer gefesselt, geknebelt, ausgeraubt

Pflegebedürftigen getötet: 29-Jähriger in Kempten zu lebenslanger Haft verurteilt

Wegen Mordes an einem Pflegebedürftigen ist ein Mann am Kemptener Landgericht zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden.

Wegen Mordes an einem Pflegebedürftigen ist ein Mann am Kemptener Landgericht zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden.

Bild: Martina Diemand

Wegen Mordes an einem Pflegebedürftigen ist ein Mann am Kemptener Landgericht zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden.

Bild: Martina Diemand

Das Landgericht Kempten hat einen 29-Jährigen wegen Mordes an einem pflegebedürftigen Mann zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.
28.12.2020 | Stand: 14:14 Uhr

Weil er einen schwer herzkranken, fast blinden und auf einen Rollstuhl angewiesenen Mann gefesselt, geknebelt, ausgeraubt und hilflos zurück gelassen hatte, hat das Kemptener Landgericht einen 29-Jährigen Syrer zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Das Opfer ist nach dem Vorfall im März in seiner Wohnung in Kaufbeuren qualvoll erstickt. Die Verurteilung erfolgte wegen Mordes und schweren Raubes mit Todesfolge.

Gericht: Opfer wurde fast Tennisball-großer Knebel in den Mund gestopft

Das Gericht geht von einem Tötungsvorsatz aus. Der Angeklagte habe den 50-Jährigen schließlich nicht nur gefesselt, sondern ihn regelrecht zusammengeschnürt, ihm einen fast Tennisball-großen Knebel in den Mund gestopft und ihm noch dazu eine Hose um den Kopf geknotet, argumentierte der Vorsitzende Richter Christoph Schwiebacher in seinem Urteilsspruch. Für die Kammer steht fest, dass der Angeklagte die Tat ausgeführt hat. Geplant worden sei sie aber von einem Freund des Angeklagten, der das Opfer über die Nachbarschaftshilfe kannte. Dieser konnte sich vor Gericht allerdings nicht mehr äußern, weil er sich im Sommer in Untersuchungshaft das Leben genommen hatte.

Angeklagter beteuert Unschuld

Der 29-Jährige beteuerte bis zum Schluss seine Unschuld und bestritt, am Tattag in der Wohnung des Opfers gewesen zu sein. Er sei von seinem Freund zum mitmachen gezwungen worden. Dieser habe auch den Raub ausgeführt und dabei seine Handschuhe getragen, wodurch die DNA des Angeklagten an den Tatort gelangt sei. Diese Erklärung bezeichnete der Vorsitzende jedoch als „Märchen aus 1001 Nacht“.

Der Bruder des Angeklagten, der gestanden hatte einen Teil der Beute bei sich versteckt zu haben, wurde wegen Begünstigung in Tateinheit mit Hehlerei zu einer Freiheitsstrafe von acht Monaten auf Bewährung verurteilt. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.