Kempten

Musikunterricht trotz Reisebeschränkung

KE Pendler

Günther Burger gibt virtuell Gitarrenunterricht.

Bild: Harald Holstein

Günther Burger gibt virtuell Gitarrenunterricht.

Bild: Harald Holstein

Lehrer und Schüler der Musikschulen in Kempten finden trotz Schwierigkeiten zueinander. Warum Online-Unterricht Chancen bietet, aber auch Grenzen hat.

05.06.2020 | Stand: 12:01 Uhr

Ein Instrument lernen in Zeiten von Corona? Das war während der vergangenen Wochen nicht ganz einfach. Die Krise setzte dem Unterricht zunächst ein jähes Ende, die Musikschulen waren geschlossen. Seit Kurzem ist der Betrieb wieder angelaufen. Doch manche Lehrer und Schüler in Kempten trennen wegen der Reisebeschränkungen nach wie vor Ländergrenzen oder gar Ozeane. Warum Online-Unterricht eine gute Lösung ist, aber auch Probleme mit sich bringt.

Schüler in Deutschland, Lehrer in Österreich

Der Allgäuer Günther Burger konnte zwei Monate lang nicht mehr zum Unterricht an die private Musikschule Hingerl kommen. Er lebt in Feldkirch (Vorarlberg) und ist Musiklehrer und Berufspendler. Er gibt sowohl in Österreich in der Gemeinde Rankweil als auch in Kempten Musikunterricht. Wöchentlich fuhr der gebürtige Sonthofener herüber und unterrichtete Konzertgitarre, E-Gitarre und Schlagzeug. Damit war seit dem 16. März erst einmal Schluss. Die Grenze war geschlossen und die Verunsicherung groß, wie es weitergehen würde.

Der 15-jährige Jakob Schupp ist seit Januar in Südafrika auf Schüleraustausch. Wegen der Corona-Pandemie durfte ihn seine Familie in Kapstadt nicht besuchen, worüber er sehr unglücklich war. Doch da kamen die Eltern auf die Idee, den Kontakt zu Schupps Cellolehrer herzustellen, der ihn seit vielen Jahren an der Sing- und Musikschule unterrichtet. Christian Brunner machte aus der Not eine Tugend und trifft sich seither jedes Wochenende online mit seinem Schüler.

Technisch aufgerüstet

Auch Günther Burger trat die Flucht nach vorne an: Innerhalb von zwei Wochen baute der 55-Jährige einen Online-Unterricht auf. „Ich war bis dahin überhaupt nicht vernetzt. Ich hatte weder WLAN und bis vor zwei Monaten noch kein Smartphone“, erzählt Burger. Inzwischen hat er technisch nachgerüstet und seinen Computer mit Stereoanlage, Fernseher, Monitoren und Mikrofon verbunden. Mit einem Programm kann er Noten auf den Bildschirm übertragen und dem Schüler zeigen, wo beim Spiel etwas verändert werden soll.

Trotz der Distanz hätten seine Schüler bis auf wenige Ausnahmen den medialen Musikunterricht sehr gut angenommen. „Manche Schüler sind richtig aufgeblüht und haben viel mehr Einsatz gezeigt als vorher. Man muss allerdings ganz anders unterrichten. Es geht viel mehr über das Verbale“, berichtet Burger. „Auch miteinander zu spielen, fällt weg. Der Schüler ist mehr auf sich alleine gestellt.“ Im Vergleich zum konventionellen Unterricht findet Burger das anstrengender. Die Vor- und Nachbereitung kostet viel Zeit.

Bescheinigung für die Grenze

Die strikten Bestimmungen zum Grenzübertritt zwischen Österreich und Deutschland sind inzwischen gelockert. Es reicht eine Bescheinigung, um ohne Probleme die Grenze passieren zu können. Dennoch müssen beim Unterricht Regeln eingehalten werden: Sowohl in Österreich als auch in Deutschland gibt es eine Maskenpflicht für Schüler und Lehrer. Beim Unterricht muss Mindestabstand eingehalten werden.

Burger und Brunner haben sich in etwas hineingearbeitet, was vorher nie angedacht worden war und wofür es keine Konzepte oder Hilfestellungen gab. Trotz seiner anfänglichen Skepsis ist Burger sehr zufrieden. Auch wenn er jetzt wieder regelmäßig zum Unterricht nach Kempten fahren kann, ist digitaler Unterricht für ihn inzwischen eine zusätzliche Option, die er sich auch für die Zukunft vorstellen kann.