Oberallgäu

Opa radelt für die Zukunft des Enkels

Charly Siegl Enkeltauglich-Tour Flensburg Ziel

Charly Siegl Enkeltauglich-Tour Flensburg Ziel

Bild: Frank Haferkorn

Charly Siegl Enkeltauglich-Tour Flensburg Ziel

Bild: Frank Haferkorn

Umwelt Charly Siegl besuchte auf seinem Weg von Sonthofen bis Flensburg Institute und Firmen, die nachhaltig wirken
##alternative##
Von Veronika Wetzel
24.09.2019 | Stand: 16:46 Uhr

Seit Anfang August ist es da: Rosalie, das erste Enkelkind von Charly (Karl-Heinz) Siegl aus Sonthofen. Das Baby war der Auslöser für sein Projekt Enkeltauglich-Tour. Von Sonthofen bis Flensburg radelte der 60-Jährige, um Eindrücke von ökologischen Unternehmen und Organisationen zu sammeln und im Internet weiterzugeben.

„Es geht nicht um meinen Ruhm oder um eine tolle Tour“, sagt der Mitgründer der Allgäuer Firma Faszinatour. „Es geht vielmehr darum, andere über nachhaltige Projekte zu informieren und Bewusstsein zu schaffen.“ Er möchte aber nicht schulmeisterlich herüberkommen.

Unterwegs war der 60-Jährige drei Wochen und legte 1993 Kilometer zurück. Seine Reise führte ihn von Sonthofen über Karlsruhe, Heilbronn, Nürnberg, Leipzig, Berlin, Lübeck und Kiel nach Flensburg. 19 Stationen klapperte er auf der Deutschlandtour ab.

Los ging es im Rathaus Sonthofen. Er sprach mit Bürgermeister Christian Wilhelm über „seine“ Fahrradstadt. „Ein tolles Gespräch und ein gutes Konzept“, sagt Siegl. Anlaufpunkte waren unter anderem auch die Outdoor-Bekleidungskette Vaude in Tettnang, die Blumeninsel Mainau oder das Geschäft „Räubersachen“, das in Halle Baby- und Kleinkinderkleidung vermietet. Siegl schaute zudem bei Universitäten, Schulen Bürgerinitiativen und Organisationen vorbei, beispielsweise beim Potsdam-Institut für Klimafolgen-Forschung. „Eine meiner beeindruckendsten Stationen.“ Er sprach dort über den Status Quo, die nächste Generation und den Klimaschutz speziell im Tourismus. Am Albert-Einstein-Turm in Potsdam, der zur Überprüfung der Relativitätstheorie gebaut wurde, „war ich quasi im Nachbarzimmer von Albert Einstein“.

Was Siegl durch seine Radtour intensiv bewusst wurde, sind die Probleme, die durch Überbevölkerung entstehen. Ein Festival, an dem er vorbei radelte, führte ihm das immense Konsumverhalten in unserer Gesellschaft vor Augen: Er erzählt von Menschenmassen und Müllbergen. Der gebürtige Karlsruher, der Betriebswirtschaftslehre studierte, ist fasziniert von Unternehmern, die bereits „zukunftsträchtig und hoch motiviert“ wirtschaften. In seinen Gesprächen habe er oft den „Ruf nach der Politik gehört“. Firmen wünschten sich mehr staatliche Unterstützung beim ökologischen Arbeiten.

Lesen Sie auch
##alternative##
Fahrrad-Netz im Allgäu

Fahrradfahrer äußern Kritik am Iller-Radweg zwischen Kempten und Sonthofen

Für seine Internet-Beiträge nahm der Sonthofer die Unterhaltungen mit seinen Gesprächspartnern am Handy auf. Dabei hatte er Hilfe: Schwiegersohn und Tochter luden beispielsweise die Tonaufnahmen auf die Webseite der Radreise (www.enkeltauglich-tour.org). Auf diese Weise konnten und können an dem Thema Interessierte die Unterhaltungen mitverfolgen.

Siegls ständiger Begleiter war natürlich das Fahrrad. Ein besonderes Rad, das er sich extra für die Tour gekauft hat. Es ist aus Bambus gefertigt, also aus nachwachsenden Rohstoffen. Die Firma aus Kiel importiere für ihre Räder die Rahmen aus Ghana und finanziere durch den Verkauf der Bambusräder sogar eine Schule in Afrika. „Zudem wurden so fair bezahlte Arbeitsplätze in Ghana geschaffen“, sagt Siegl. Die Nachhaltigkeit ist ihm nämlich ein besonderes Anliegen, damit nachfolgenden Generationen „die Welt, so wie sie jetzt ist, erhalten bleibt“, sagt er.

Geplant hat Siegl die Route übrigens nach den schönen Strecken – Natur- und Nationalparks – hin zu den Umwelt-Organisationen und nachhaltig wirtschaftenden Firmen. Viele der Gesprächspartner kannte er bereits durch seine Tätigkeit bei Faszinatour.

Der Umweltschutz hierzulande darf kein kurzfristiger Trend sein, sagt der Oberallgäuer: „Wir müssen uns alle informieren, wie wir das Umwelt-Dilemma, das wir uns geschaffen haben, lösen können. Es geht um eine globale Thematik, der wir uns nicht entziehen können.“