Dorfentwicklung im Oberallgäu

Modern, aber ohne Komplett-Abriss: Für das Hirsch-Areal in Probstried gibt es eine Vision mit Auszeichnung

Probstried Hirsch

Das Gelände des alten Gasthofs Hirsch könnte künftig aussehen wie hier im Bild skizziert – mit Dorfplatz und Biergarten.

Bild: Ralf Lienert

Das Gelände des alten Gasthofs Hirsch könnte künftig aussehen wie hier im Bild skizziert – mit Dorfplatz und Biergarten.

Bild: Ralf Lienert

Mit einem Wettbewerb zur Dorf-Entwicklung: Was die Sieger-Architekten für das Hirsch-Gelände in Probstried planen.
20.09.2021 | Stand: 18:12 Uhr

Es sind 5500 Quadratmeter, die die Zukunft von Probstried prägen sollen: das Areal des alten Gasthofs Hirsch. Elf Architekturbüros aus dem Allgäu, der Münchner Region, Bregenz und sogar aus Paris haben in einem Planungswettbewerb Pläne und Visionen für das Gebiet eingereicht. Ein Preisgericht hat nun das Architekturbüro Deffner-Voitländer aus Dachau zum Gewinner gekürt.

Nach Ansicht des Gremiums möchte der Sieger eine „originäre Dorfmitte“ schaffen und erkenne dabei das Potenzial des Gasthofs. Die Pläne seien zudem komplett förderfähig, wodurch der Entwurf realistisch auf die Gemeinde zugeschnitten sei. Die Ideen des Büros und der weiteren Teilnehmenden stellt die Gemeinde in einer Ausstellung vor. Die Pläne hängen bis einschließlich Samstag in der Sport- und Festhalle Probstried aus.

Planungswettbewerb: "Das war enorm viel Arbeit"

Das Preisgericht hatte den Wettbewerbern Kernfragen vorgegeben, nach denen sie ihre Planung mitausrichten sollten. Gremiumsmitglied und Architekt Rainer Hofmann erklärte bei der Ausstellungseröffnung am Sonntag: „Es ging nicht nur darum, zu überlegen, ob der alte Gasthof oder das Nebengebäude abgerissen werden.“ Ebenso waren Freiflächen für den Dorfplatz Thema sowie der Wohnungsbau – „und das alles zusammen in einem sehr engen Baufeld“, sagte Hofmann und lobte die Architektinnen und Architekten. „Das war enorm viel Arbeit.“

(Lesen Sie hier: Baugebiet und Bauplätze in Dietmannsried: Neue Grundstücke in Gemeinderied)

Einige Arbeiten hätten das Preisgericht laut Hofmann „etwas verblüfft“, andere blieben weniger außergewöhnlich, sahen zum Teil aber den Abriss des Hirschen vor. Dazu zählt der Drittplatzierte: Das Münchner Architektenbüro Glaser plante mit einem kompletten Abbruch der bestehenden Gebäude.

Das Architektenbüro um Konrad Deffner (Mitte) und Dorothea Voitländer (rechts) und hat für seinen Entwurf zum Areal einen Planungswettbewerb gewonnen, in dessen Preisgericht auch Dietmannsrieds Bürgermeister Werner Endres (links) saß.
Das Architektenbüro um Konrad Deffner (Mitte) und Dorothea Voitländer (rechts) und hat für seinen Entwurf zum Areal einen Planungswettbewerb gewonnen, in dessen Preisgericht auch Dietmannsrieds Bürgermeister Werner Endres (links) saß.
Bild: Ralf Lienert

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Nach den Vorstellungen des Büros Deffner-Voitländer bleibt der Gasthof-Kopfbau bestehen, dagegen ersetzt ein Neubau mit Hotelzimmern und einem zweiten Treppenhaus den früheren Wirtschaftsteil. Der alte Festsaal soll um ein Stockwerk nach oben wandern unter den Dachstuhl, dessen Konstruktion die Architekten damit „erlebbar“ in Szene setzen wollen.

Probstried: Künftig Maibaum, Bank und Brunnen am Dorfplatz

Geplant ist zudem, den Gasthof zu einem ruhigen Hof mit Maibaum, Bank und Brunnen hin auszurichten, abseits des Verkehrs. Die Architekten wollen den Platz zu einem „Treffpunkt und zur neuen Mitte“ gestalten, den ein Biergarten, ein Dorfladen und ein Wohngebäude umgeben. „Wir haben aber so geplant, dass der Hof nicht völlig geschlossen ist“, sagte Architekt Konrad Deffner. Demnach soll der Platz zur St. Cornelius-Kirche hin geöffnet sein. Nicht zuletzt, da Deffner zufolge Kirchen neben Gasthäusern zu den wichtigsten Gebäuden eines Orts wie Probstried gehören.

Das Preisgericht sieht aber auch beim Gewinner noch Mängel bei der Planung: Zum Beispiel fehlten Wege zum östlichen Wohngebäude, zudem gebe es Bedenken beim Schallschutz. Hofmann zufolge stört das aber nicht den guten Gesamteindruck des Entwurfs. Und: Bürgerinnen und Bürger seien herzlich eingeladen mitzudiskutieren.

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