Diskussion entbrannt

Ist ein Schützenumzug bei der Allgäuer Festwoche angesichts des Ukraine-Kriegs vertretbar?

Ob Böllerschützen beim geplanten Umzug zum Abschluss der Allgäuer Festwoche 2022 auftreten, darüber könne man diskutieren, sagt Oberbürgermeister Thomas Kiechle.

Ob Böllerschützen beim geplanten Umzug zum Abschluss der Allgäuer Festwoche 2022 auftreten, darüber könne man diskutieren, sagt Oberbürgermeister Thomas Kiechle.

Bild: Ralf Lienert (Archiv)

Ob Böllerschützen beim geplanten Umzug zum Abschluss der Allgäuer Festwoche 2022 auftreten, darüber könne man diskutieren, sagt Oberbürgermeister Thomas Kiechle.

Bild: Ralf Lienert (Archiv)

Zum Abschluss der Allgäuer Festwoche sollen Kemptener Traditionsvereine durch die Stadt ziehen. Das sorgt bei Politikern wegen des Ukraine-Kriegs für Skepsis.
28.05.2022 | Stand: 07:19 Uhr

Das Organisationsteam plant zum Ausklang der diesjährigen Allgäuer Festwoche in Kempten einen Schützenumzug. Eine Idee, die im Werkausschuss nicht nur für Zustimmung sorgte. Im Gegenteil. Ullrich Kremser (FDP) und dritte Bürgermeisterin Erna-Kathrein Groll (Grüne) hinterfragten, ob ein solcher Umzug angesichts des Ukraine-Kriegs passend ist. Angedacht ist ein Schützenumzug wie es ihn im Jubiläumsjahr 2019 gab, als Kempten die 70. Festwoche feierte. Zum Start auf dem August-Fischer-Platz soll ein Gesamtchor aus über 1000 Musikerinnen und Musikern auftreten. Dann ziehen die Vereine durch die Stadt.

„Macht das angesichts des Ukraine-Kriegs Sinn?“, hinterfragte Kremser die Idee. „Warum nicht?“, entgegnete Oberbürgermeister Thomas Kiechle. Nach zwei Jahren Pandemie sei es umso wichtiger, dass sich Traditionsvereine wieder präsentieren können. „Aber natürlich werden wir uns mit Detailfragen auseinandersetzen müssen“ Etwa, ob auf Böllerschüsse verzichtet werden kann. „Ein Schützenumzug – da sperrt sich etwas in mir“, schloss sich Groll dem Einwand von Kremser an. „Mir geht es nicht gut damit.“ Ihr Vorschlag: „Können die Schützen nicht Blumen statt Waffen tragen?“

Lesen Sie hier unsere Kommentare Pro und Contra.

Vorsitzender: Schützen ziehen mit Blumenranken und Tafeln durch die Stadt

Während Kiechle das als „undenkbar“ bezeichnete und das Thema erst einmal zurückstellte, gibt Florian Hasler, Vorsitzender der „Königlich privilegierten Schützengesellschaft 1466 Kempten“ (FSG) auf AZ-Anfrage nach der Sitzung Entwarnung: Ihm zufolge sei es ohnehin nicht üblich, dass die Schützinnen und Schützen während eines solchen Umzugs „Gerät“ bei sich tragen. Stattdessen ziehen sie in Vereinstracht mit Blumenranken und Tafeln durch die Stadt.

Es sei schön, dass sich die Vereine wieder präsentieren könnten. Zumal Schützen immer wieder mit Vorbehalten zu kämpfen hätten. „Für uns ist das ein Sport, es handelt sich um eine der ältesten Traditionen“, sagt Hasler. „Das, was wir machen, hat gar nichts mit dem Krieg in der Ukraine zu tun.“ Diesen verurteilten die Schützen; auch sie helfen den Menschen in Not.

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Ob beim geplanten Umzug am 21. August überhaupt Böller geplant sind, könne er nicht sagen. Bei der FSG gebe es keine Böllerschützen. Florian Hasler jedenfalls freut sich, dass sich die Stadt dazu entschieden hat, heuer wieder eine Festwoche zu veranstalten. „Die Menschen wollen wieder raus, sie suchen die Gemeinschaft und die Heiterkeit.“

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