Kempten

Sebastian Watzek ist der neue Pfarrer der Alt-Katholiken

Pfarrer Sebastian Watzek würde normalerweise in der Kirche in der Lindauer Straße Gottesdienst feiern. Wegen der Corona-Auflagen weicht die Gemeinde derzeit auf die Hauskapelle des Margaretha- und Josephinenstifts aus.

Pfarrer Sebastian Watzek würde normalerweise in der Kirche in der Lindauer Straße Gottesdienst feiern. Wegen der Corona-Auflagen weicht die Gemeinde derzeit auf die Hauskapelle des Margaretha- und Josephinenstifts aus.

Bild: Martina Diemand

Pfarrer Sebastian Watzek würde normalerweise in der Kirche in der Lindauer Straße Gottesdienst feiern. Wegen der Corona-Auflagen weicht die Gemeinde derzeit auf die Hauskapelle des Margaretha- und Josephinenstifts aus.

Bild: Martina Diemand

Der 41-Jährige betreut 275 Gläubige. Er möchte ihnen neue Perspektiven eröffnen und dazu motivieren, Fragen zu stellen. Wie sein Weg von den Anden zu den Alpen führte.

03.09.2020 | Stand: 11:30 Uhr

„Das Schöne ist, jetzt endlich einmal Pfarrer zu sein“, sagt Sebastian Watzek nach seiner Ankunft in Kempten. Es ist die erste Stelle für den 41-jährigen Alt-Katholiken, der bisher als Pfarrvikar in Berlin gearbeitet hat. 275 Gläubige gehören zur Gemeinde, die meisten sind Kemptener. Mit seiner seelsorgerischen Arbeit möchte er sie zu einer Auseinandersetzung mit sich selbst motivieren – nach dem Motto: „Sein-tun-haben – nicht nur an der Oberfläche schwimmen, sondern in die Tiefe gehen.“

Watzek fühlt sich wohl in Kempten. „Vom Rummel der Großstadt zu Ruhe und Natur kommen“, sagt er. Einerseits sei ihm Bayern vertraut, da er in Coburg aufgewachsen ist und in mehreren bayerischen Städten schon zuhause war. Andererseits sei das Allgäu für ihn etwas Neues. „Das finde ich spannend.“

Wurzeln in Chile

2009 wurde der 41-Jährige zum römisch-katholischen Priester geweiht – als Ordensmitglied der Gesellschaft Jesu, der Jesuiten. 14 Jahre lebte und arbeitete er im Orden, zwei davon in Chile, dem Land seiner Herkunft. Watzek ist als kleines Kind von einem deutschen Ehepaar adoptiert worden, hat beide Staatsbürgerschaften. „Das hat mich natürlich geprägt, aber ich definiere mich nicht ausschließlich dadurch.“ Er sei kein Freund von Kategorien und habe großes Einfühlungsvermögen Minderheiten gegenüber.

Bei der Frage zu den Gründen für seinen Wechsel von römisch-katholisch zu alt-katholisch möchte er deshalb nicht auf das Für und Wider der Konfessionen eingehen. „Ich hatte das Gefühl, am Ende des Tunnels kein Licht mehr zu sehen. Das war eine Intuition und der bin ich gefolgt.“ Zudem habe er Erfahrungen gemacht, die ihn auf seinem Weg bestärkt hätten. „Religion und Spiritualität haben etwas mit Erfahrung zu tun.“

Mit sich selbst in Kontakt kommen

Watzek ist der Nachfolger von Pfarrer Michael Edenhofer, der Anfang Februar verabschiedet wurde. Im Unterschied zur römisch-katholischen Kirche werden Pfarrer und Pfarrerinnen von den Gemeindemitgliedern gewählt. Neben Kaufbeuren ist Kempten die einzige alt-katholische Gemeinde im Allgäu.

Watzek will keine vorgefertigten, frommen Antworten liefern, sondern beschreibt sich als ein „Suchender unter den Suchenden“. Er möchte vermitteln, wie wichtig es ist, Fragen zu stellen und neue Perspektiven einzunehmen – auch auf sich selbst. Oft richteten Menschen ihr Leben danach aus, wie sie von anderen gesehen werden wollen. Der Pfarrer will stattdessen dazu ermutigen, mit sich selbst in Kontakt zu kommen, auch wenn das nicht immer schön ist. „Aber es ist ehrlich und aus einer solchen Begegnung kann Kraft und eine Sicht auf sich selbst und das Leben entstehen.“

Die Einführung von Pfarrer Sebastian Watzek findet am Samstag, 10. Oktober, um 14 Uhr in der Kirche St. Franzikus in Kempten statt.