Welttag der Suizidprävention

Seelsorgerin aus Kempten fordert: „Wir sollten offen über Suizid sprechen“

Am 10. September ist Welttag der Suizidprävention. Eine Seelsorgerin aus Kempten will, dass die Menschen über das Thema sprechen.

Am 10. September ist Welttag der Suizidprävention. Eine Seelsorgerin aus Kempten will, dass die Menschen über das Thema sprechen.

Bild: Roberto Pfeil, dpa

Am 10. September ist Welttag der Suizidprävention. Eine Seelsorgerin aus Kempten will, dass die Menschen über das Thema sprechen.

Bild: Roberto Pfeil, dpa

Suizid geht jeden an, sagt Seelsorgerin Jutta Schröppel. Warum sie es für wichtig hält, das Thema aus der Tabu-Zone herauszuholen.
10.09.2020 | Stand: 05:30 Uhr

Der „Welttag der Suizidprävention“ soll an diesem Donnerstag auf ein Thema aufmerksam machen, das in der Gesellschaft bislang als Tabu gilt. Pfarrerin Jutta Schröppel betreut Menschen in Kempten sowie im Ober- und im Westallgäu, die in einer schweren Krise stecken. Sie ist überzeugt: Wenn die Gesellschaft über Suizid spricht, dann fällt es Betroffenen leichter, sich Hilfe zu holen. Aimée Jajes sprach mit Jutta Schröppel auch über die Rolle von Angehörigen.

Wie kann Suizidprävention gelingen?

Jutta Schröppel: Das erfolgt auf unterschiedlichen Ebenen. Absolut wichtig ist, dass das Thema jeden angeht und kein Tabuthema bleibt. Mein Wunsch wäre, dass die Menschen offen über Suizid sprechen können. Viele haben Scham. Doch jeder kann in seinem Leben in eine Krise geraten, dafür muss man sich nicht schämen. Wichtig ist, zu wissen: Es gibt Unterstützung, wieder aus der Krise herauszukommen.

 

Wenn ein Angehöriger erste Anzeichen erkennt, wie verhält sich dieser richtig?

Schröppel: Es ist wichtig, sein Gegenüber ernst zu nehmen und präsent zu sein. Reden hilft. Dabei darf man aber nicht wertend auf das reagieren, was der Betroffene sagt. Wenn die Gefahr eines Suizids allerdings akut ist, dann muss unbedingt ein Psychiater aufgesucht werden. Wenn jemand an dem Punkt ist, dass er sagt: Ich will nicht mehr, ich kann nicht mehr. Wenn einer keine Zukunft mehr für sein Leben sieht. Angehörige können Betroffene dabei begleiten und überlegen, welche Schritte als nächstes nötig sind. Vielleicht ist zum Beispiel der Hausarzt als Vertrauensperson die erste Stelle, die weiterhelfen kann.

 

Was für niederschwellige Beratungsangebote gibt es in der Region?

Schröppel: Es gibt verschiedene Beratungsstellen sowie die Telefonseelsorge. Zusätzlich ist da mein Gesprächsangebot. Bei diesen Stellen gibt es zeitnah Termine und der Betroffene kann anonym bleiben. Das ist manchem Ratsuchenden wichtig.

 

Gibt es für Angehörige Anlaufstellen?

Schröppel: Die Angehörigen können diese Beratungsangebote ebenfalls in Anspruch nehmen. Dort erhalten sie Unterstützung und Antworten auf ihre Fragen, wie sie mit Menschen in Krisensituationen umgehen sollen.

 

Hier gibt es Hilfen

Ansprechpartner sind grundsätzlich alle niedergelassenen Psychotherapeuten, Psychologen und Beratungsstellen. Wer Hilfe braucht, kann aber auch eine der folgenden Telefonnummern wählen: Pfarrerin Jutta Schröppel, montags und donnerstags 8 bis 12 Uhr, 0151/62 76 98 46. Telefon-Seelsorge, 24 Stunden, 0800/111 0 111 oder 0800/111 0 222. Sozialpsychiatrischer Dienst der Diakonie, Kempten: 0831/54 059-201,-202; Immenstadt: 08323/999 650. Beratungsstelle für Ehe-, Familien- und Lebensfragen: 0831/23 636.

 

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