Halloween-Grusel in Kempten

Und plötzlich tritt der Tod aus dem Gebüsch

Der Strick der Gehängten soll Glück bringen ... Szene mit Kamilla Ganghofer und Führer Martin Schmiedl.

Bild: Harald Holstein

Der Strick der Gehängten soll Glück bringen ... Szene mit Kamilla Ganghofer und Führer Martin Schmiedl.

Bild: Harald Holstein

Die Theatergruppe „Bühnentaucher Kempten“ organisiert erneut eine ebenso gruselige wie informative Führung rund um die Burghalde. Die Teilnehmer müssen mit Mord und Totschlag rechnen
30.10.2020 | Stand: 13:23 Uhr

Zu Halloween bieten die „Bühnentaucher Kempten“ auch diesen Herbst wieder eine besonders schaurige Führung rund um die Burghalde an. Damit möchte die Theatergruppe nicht nur dem Wunsch nach Spannung und Grusel entgegenkommen, sondern auch mit einigen Vorurteilen und Missverständnissen über Halloween aufräumen. Dieser Brauch, wie wir ihn heute kennen, sei nämlich kein rein kommerzielles Fest, das aus Amerika zu uns herübergekommen ist. Schon die Kelten feierten ein Fest für die Verstorbenen, erläutert Führer Martin Scheidl in Mantel und Hut gehüllt und mit einer Laterne in der Hand am Fuß der Burghalde. Da aber nicht jeder an „All Hallows Eve“, am Abend vor Allerheiligen, einem Verstorbenen begegnen wollte, zogen sich manche Menschen besonders hässlich an, um sich zu tarnen und die Geister „mit besonders gruseligen Verkleidungen in die Flucht zu schlagen“, erzählt Scheidl bei der Generalprobe.

Zuschauer erfahren von grausamen und blutigen Schicksalen

An zwölf Stationen erfahren die Führungs-Teilnehmer von besonders grausamen und blutigen Schicksalen und Kriminalfällen aus der Geschichte der Stadt. Der Rundweg ist mit Kerzen gesäumt und leitet die Besucher vom Kassenhäuschen der Burghalde am Brunnen vorbei, an dem der geizige und trunksüchtige Jack Oldfield seine Geschichte erzählt, weiter die Treppe hoch zu Anne und Urban. Dargestellt von den Jugendlichen Marian Hauck und Luisa Kämmerer berichten sie von einem Mord im Jahr 1921. Der wurde zwar als Selbstmord getarnt, aber dennoch aufgedeckt. Die Täter wurden hingerichtet.

Folgt man dem Führer und seiner Laterne weiter um die Burghalde herum, erkennt man im Halbdunkel ein in schwarz gehülltes Wesen am Wegesrand kauern. Die Gestalt gibt sich als Anna Maria Schwägelin zu erkennen. Die Dienstmagd war zum lutherischen Glauben übergetreten, um heiraten zu können. Der Mann ließ sie jedoch fallen, Schwägelin wurde der Hexerei angeklagt. 1775 kam es in Kempten zum letzten Hexenprozess auf deutschem Boden.

Die Teilnehmer treffen den Tod persönlich

Neben weiteren wahren Begebenheiten, irischen und griechischen Sagen trifft man auch auf den Tod höchstpersönlich, der als Sensenmann plötzlich aus dem Gebüsch tritt. Die Frau des Henkers bietet den Strick der Gehenkten zum Verkauf an. Der soll Glück bringen. Das ausgelassene Fett der Gehenkten soll angeblich bei Gelenkschmerzen helfen.

Die zwölf überwiegend jungen Darsteller der Bühnentaucher bieten unter der Regie von Gabi Scheidl mit ihren gruseligen Szenen eine gute Mischung aus Schauer und Fakten. „Es war schön und glaubwürdig gespielt“, findet Gudrun Reichler, die bei der Generalprobe als Zuschauerin mitgelaufen ist. „Für meine Nerven ist es gut, dass es noch hell ist.“

Lesen Sie auch
##alternative##
Themenführung

Hexenverbrennung, Mord und Totschlag: Das ist bei der neuen Gruselführung in Marktoberdorf geboten

Am kommenden Wochenende, wenn es ernst wird, wird es sicherlich schon dunkler sein – und die Atmosphäre im Kerzenlicht noch gespenstischer, ganz so, wie sich Halloween-Fans das wünschen. Wegen der Beschränkung auf maximal zwölf Besucher sind die Führungen allerdings schon ausverkauft.