Sonthofer rastete aus

Von Body-Cam gefilmt: 18-Jähriger muss im Gerichtsaal ansehen, wie er betrunken Polizisten beleidigt

Polizisten in Kempten und im Oberallgäu tragen mittlerweile Body-Cams.

Polizisten in Kempten und im Oberallgäu tragen mittlerweile Body-Cams.

Bild: Franziska Kraufmann

Polizisten in Kempten und im Oberallgäu tragen mittlerweile Body-Cams.

Bild: Franziska Kraufmann

Ein 18-Jähriger rastet immer wieder aus. Einen der Vorfälle filmten Polizisten mit einer Body-Cam. Die Aufnahme landet schließlich vor Gericht.
18.07.2020 | Stand: 12:36 Uhr

Die Zahl der verletzten Polizisten im Bereich des Kemptener Präsidiums hat im vergangenen Jahr einen neuen Höchststand erreicht. 205 Beamte wurden bei Angriffen verwundet. Insgesamt ist die Zahl der Angriffe auf Beamte laut Polizei zwar leicht rückläufig, die Schwere der Taten nehme aber deutlich zu. Um Polizisten vor Angriffen zu schützen, setzen die Beamten seit etwa einem halben Jahr immer wieder Body-Cams ein. Jetzt landete einer der ersten Fälle, in denen Aufnahmen einer Kamera eine Rolle spielten, vor dem Amtsgericht Sonthofen: Ein 18-jähriger Oberallgäuer musste sich dabei noch einmal ansehen, wie er sich betrunken danebenbenommen und Beamte beleidigt hatte.

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Seit Oktober vergangenen Jahres gab es drei Vorfälle, in denen der Jugendliche schwer betrunken Polizisten beleidigte und Widerstand leistete. In dem neuesten Fall beging er zudem Hausfriedensbruch – und biss seiner eigenen Mutter in den Arm. Im Oktober 2019 hatte der Oberallgäuer einen Platzverweis auf einer Oberstdorfer Party erhalten. „Als wir ankamen, lag er im Gras. Daraufhin wollten wir ihn mitnehmen“, sagte ein Beamter, der Dienst hatte. Der 18-Jährige habe jedoch Widerstand geleistet und die Polizisten schwer beleidigt.

Für eine Nacht in der Zelle

Nachdem sie ihn in den Streifenwagen gehievt hatten, versuchte er, mit einem Kopfstoß einen der Beamten zu verletzen – die Polizisten brachten ihn für eine Nacht in eine Zelle.

Einen Monat später fiel der Jugendliche wieder negativ auf: Die Inhaber eines Oberstdorfer Restaurants berichteten einer Streife, dass ein stark betrunkener junger Mann gegangen sei, ohne seine Rechnung zu bezahlen. Die Polizisten fanden ihn kurz darauf in der Fußgängerzone. „Dort sagte er uns, er sei gerade auf dem Nachhauseweg“, erzählte ein Zeuge. Als sie ihn nach seinem Ausweis fragten, schrie der 18-Jährige: „A Fotz’n kannsch haben!“ Daraufhin nahmen die Beamten ihn fest und brachten ihn auf die Wache.

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Dort beleidigte der Oberallgäuer die Polizisten schwer und leistete Widerstand. Große Teile des Vorfalls hatte einer der Beamten dieses Mal mit einer Body-Cam aufgezeichnet. Diese Aufnahmen wurden vor Gericht verwendet. Wie oft Filmmaterial bereits während der Beweisaufnahme zum Einsatz kam, könne zurzeit nicht gesagt werden, sagt Pressesprecher Dominic Geißler – dafür fehlten Statistiken.

Er beißt sich in den Arm seiner Mutter

Im Juni leistete sich der Oberallgäuer erneut einen Aussetzer. Seine Freundin habe mit ihm Schluss gemacht, sagte sein Verteidiger. Daraufhin habe er sich gemeinsam mit Freunden betrunken. Alkoholisiert klingelte er bei einem Ferienhaus in Oberstdorf. Als die Bewohner die Tür öffneten, stürmte er in die Wohnung. Nach Angaben eines Zeugen sei er sich sicher gewesen, dass er dort zuhause ist. Beamte holten ihn ab und brachten ihn zu seiner Mutter. Die wollte ihn in seinem Zustand aber nicht aufnehmen. „Seine Mutter und sein kleiner Bruder hatten riesige Angst vor ihm“, berichtete ein Zeuge. Der Oberallgäuer sei wütend geworden, biss seiner Mutter in den Unterarm – und musste wieder mit auf die Wache.

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Der Jugendliche war schon in der Vergangenheit vor Gericht. Damals bekam er die Auflage, für sechs Monate nur so viel Alkohol zu konsumieren, dass er nicht über 0,5 Promille kommt. Kurz nach Ablauf der Frist fand sein erneuter Aussetzer statt. „Du musst lernen, Alkohol in Maßen zu trinken statt in Massen“, sagte die Vorsitzende Richterin zu ihm. Ihr Urteil: Eine Jugendstrafe von acht Monaten, die zu zwei Jahren Bewährung ausgesetzt wurde. Die Bewährungsauflagen sind eine Erneuerung der Promille-Grenze und der Besuch einer Sucht-Beratung. Das Urteil ist rechtskräftig.