Abschied

Was Weitnaus Bürgermeister Alexander Streicher nun vorhat

Weitnaus Bürgermeister Alexander Streicher übergibt demnächst seinen Posten an seinen Nachfolger Florian Schmid. Im Interview verrät er, was er nun vorhat.

Weitnaus Bürgermeister Alexander Streicher übergibt demnächst seinen Posten an seinen Nachfolger Florian Schmid. Im Interview verrät er, was er nun vorhat.

Bild: Martina Diemand

Weitnaus Bürgermeister Alexander Streicher übergibt demnächst seinen Posten an seinen Nachfolger Florian Schmid. Im Interview verrät er, was er nun vorhat.

Bild: Martina Diemand

Alexander Streicher übergibt demnächst an seinen Nachfolger. Im Interview verrät er, was er nun vorhat – und warum er nicht mehr antreten wollte.
21.09.2020 | Stand: 16:16 Uhr

Nach zwölf Jahren im Amt endet demnächst für Weitnaus Bürgermeister Alexander Streicher (61) die Zeit als Rathauschef. Bastian Hörmann hat mit ihm über seine Amtszeit gesprochen und ihn gefragt, welches Projekt er noch gerne umgesetzt hätte.

 

Demnächst endet nach zwölf Jahren Ihre Zeit als Weitnauer Bürgermeister. Wie fühlt sich das an?

Alexander Streicher: Dem sehe ich natürlich mit einem lachenden und einem weinenden Auge entgegen. Eigentlich wollte ich einem Nachfolger immer ein geordnetes Haus übergeben. Doch dann kam Corona. Das macht die Übergabe natürlich schwieriger.

 

Sind Sie auch ein bisschen froh, dass es nun so weit ist?

Streicher: Ich habe die Aufgabe nie ungern gemacht, mich aber bewusst entschieden, aufzuhören, um mehr Zeit für mich und meine Familie zu haben. Wäre es möglich, hätte ich noch ein paar wenige Jahre weitergemacht. Aber ich möchte nicht nochmal sechs Jahre jeden Abend auf Vereinssitzungen verbringen. Irgendwann wiederholen sich die Themen und Fragen. Das Bürgermeisteramt ist ein Amt auf Zeit – das habe ich schon immer so gesehen. Ich bleibe allerdings Vorsitzender der Energiegenossenschaft und des Landschaftspflegeverbandes.

 

Weitnau hat seit Jahren mit klammen Kassen zu kämpfen. Das schmälert den Gestaltungsspielraum deutlich. Wie bleibt man trotzdem motiviert?

Streicher: Wir hatten in den vergangenen zehn Jahren das Glück, eine Hochkonjunktur zu erleben. 50 Prozent der Schulden konnten wir dadurch abbauen. Da hat uns auch die hohe Nachfrage nach Bauland geholfen. Vieles ist da gut gelaufen. Wie die Situation nun nach Corona sein wird, weiß allerdings keiner.

Eines hätte Alexander Streicher in Weitnau gern noch umgesetzt

 

Was hätten Sie besonders gerne umgesetzt, wenn es finanzierbar wäre?

Streicher: Ich hätte gerne noch die Schulturnhalle neu gebaut. Die alte ist sehr marode und kostet uns jedes Jahr viel im Unterhalt. Energetisch ist sie eine Katastrophe. Es bräuchte dringend einen Neubau, doch mit der Förderung hat es nicht geklappt. Und ohne Zuschüsse ist dieses Projekt finanziell völlig ausgeschlossen.

 

Auf welches Projekt oder welche Entscheidung sind Sie besonders stolz?

Streicher: Dass Weitnau einen Kunstrasenplatz bekommen hat. Damit hatte sicherlich keiner gerechnet. Normalerweise kostet so etwas mindestens eine halbe Million Euro. Doch als klamme Gemeinde muss man kreativ sein: Die Vereine hatten die Idee, einen gebrauchten Kunstrasen zu kaufen. Die Kosten von 150 000 Euro haben Gemeinde und Vereine gemeinsam gestemmt.

 

Jetzt blickt Weitnaus scheidender Bürgermeister in die Zukunft

 

Sie sind vor etwa einem Jahr Vater geworden. Steht damit fest, was Sie ab Mai tun werden?

Streicher: Die Familie wird da sicherlich eine große Rolle spielen: Ich möchte beruflich zwar etwas Neues anpacken – aber als Halbtagesjob. Was genau das sein wird, verrate ich nicht, weil der Vertrag noch nicht unterschrieben ist. Im Moment sieht es aber nach Projektmanagement im Bausektor aus. Meine Frau würde die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, wenn ich ab sofort nur noch zuhause sitze.

 

Was muss ihr Nachfolger Florian Schmid über die Weitnauer wissen?

Streicher: Er ist sicherlich besser vorbereitet, als ich es damals war: Er stammt aus Kempten und ist mit einer Wengenerin verheiratet. Ich bin seinerzeit aus München ins Allgäu gezogen. Meine Frau kam aus Sonthofen und ich brauchte eine neue Stelle. Da fiel mir in den Stellenanzeigen auf, dass Weitnau einen Bürgermeister sucht. Bei der Wahl heuer war das ja ähnlich. Das finde ich gar nicht so verkehrt – früher wurde derjenige Rathauschef, der am längsten in der Partei war. Nun ist es ein überregionaler Wettbewerb. Und die Bürger entscheiden, wer die besten Argumente hat.