Corona-Folgen

Wegen Lockdown: Existenzsorgen plagen eine Zirkusfamilie

Familie Köllner hat Angst, ob ihr in fünfter Generation geführter kleiner „Circus Mulan“ die Corona-Pandemie übersteht. Vor ein paar Tagen sagte Jacqueline Köllner den Kindern, dass es dieses Weihnachten das erste Mal keine Geschenke gebe. Die Zirkusfamilie – sechs Erwachsene, sechs Kinder – lebt in sechs Wohnwagen.

Familie Köllner hat Angst, ob ihr in fünfter Generation geführter kleiner „Circus Mulan“ die Corona-Pandemie übersteht. Vor ein paar Tagen sagte Jacqueline Köllner den Kindern, dass es dieses Weihnachten das erste Mal keine Geschenke gebe. Die Zirkusfamilie – sechs Erwachsene, sechs Kinder – lebt in sechs Wohnwagen.

Bild: Matthias Becker

Familie Köllner hat Angst, ob ihr in fünfter Generation geführter kleiner „Circus Mulan“ die Corona-Pandemie übersteht. Vor ein paar Tagen sagte Jacqueline Köllner den Kindern, dass es dieses Weihnachten das erste Mal keine Geschenke gebe. Die Zirkusfamilie – sechs Erwachsene, sechs Kinder – lebt in sechs Wohnwagen.

Bild: Matthias Becker

Die Pandemie versaut dem „Circus Mulan“ das Jahr. Zwölf Erwachsene und Kinder sowie 30 Tiere hoffen in Durach auf Hilfe – zum Beispiel auf Heu und hartes Brot
04.12.2020 | Stand: 18:32 Uhr

„Kriegen wir keine Hilfe, überleben wir finanziell nicht“, sagt Jacqueline Köllner vom „Circus Mulan“. Die Pandemie hat der Zirkusfamilie einen dicken Strich durchs Jahr 2020 gemacht. Schon im Frühjahr gab’s monatelang Zwangspause und kein Geld vom Staat. Jetzt wiederholt sich alles. Der Zirkus hat gerade seine Zelte in Durach aufgeschlagen. Statt Weihnachtsvorstellungen ist nun ein verlängerter Lockdown geboten. Und die Gruppe weiß nicht, wo das Geld für Tierfutter und Essen herkommen soll.

Zirkusfamilie hat Existenzsorgen: Futter kostet bis zu 250 Euro pro Woche

Auch wenn Vorstellungen ausfallen – für Kinder und Zirkusfreunde gibt es zumindest täglich die Möglichkeit, die knapp 30 Tiere wie im Streichelzoo anzuschauen und zu füttern. Der Familienzirkus hat Pferde, Ponys, Lamas, Kamele, Esel und Ziegen. Allein deren Futter kostet laut Köllner um die 200 bis 250 Euro pro Woche. Dazu kommen die Kosten für sechs Erwachsene und sechs Kinder. Doch Heu und Geld sind knapp. Im Sommer waren Vorstellungen mit Hygienekonzepten möglich, aber nur mit reduzierten Besucherplätzen. Keine Möglichkeit, Rücklagen zu bilden, sagt Köllner.

Landwirt in Durach erlaubt Zirkus das Überwintern

Sie ist dankbar, dass ihnen ein Landwirt in Durach erlaubt hat, auf seinem Grund an der Miesenbacher Straße zu überwintern. Die zwei schulpflichtigen Kinder der Zirkusfamilie besuchen derweil die Grundschule. Dennoch sei es insgesamt ohne staatliche Unterstützung sehr schwierig. Bei der ersten Welle habe man Soforthilfe beantragt, doch die sei abgelehnt worden, sagt Köllner. Das ist aber nicht grundsätzlich so. Man habe mehreren Zirkussen Soforthilfe bewilligt, sagt beispielsweise Karl-Heinz Meyer von der Regierung von Schwaben.

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Rettung kurz vor dem Aus: Bescherung für "Circus Mulan" in Durach

Möglich wäre laut Landratsamt Oberallgäu ein Antrag auf „Arbeitslosengeld II“, wenn der Familienzirkus seinen vorübergehenden Wohnsitz im Oberallgäu hat. Doch da gäbe es – wenn die Voraussetzungen erfüllt sind – ohnehin nur Geld für die Menschen, nicht aber für die Tiere. Und ob ein Antrag mit entsprechender Bearbeitungszeit überhaupt Sinn hat, wenn der Zirkus vielleicht doch Ende Dezember weiterzieht, ist eine ganz andere Frage.

Zirkus freut sich über Futterspenden für die Tiere

Dem Zirkus kommen Futterspenden gelegen, altes (also hartes) Brot, Heu, Karotten und Kraftfutter. Davon darf aber nichts verschimmelt oder schlecht sein, damit die Tiere nicht krank werden. Auch Geld hilft. Das können Menschen beispielsweise in eine Box stecken, wenn sie zum (kostenlosen) Tiere-Anschauen nach Durach kommen. Die Tiere könne man den ganzen Tag besuchen, sagt Köllner. Man müsse aber den üblichen Mund-Nasen-Schutz tragen und Abstand halten. Der Zirkus hat auch Spendendosen vor Geschäfte gestellt. Köllner findet es schade, dass das manche Ladenbetreiber nicht tolerieren. „In so einer Situation müssen wir uns alle gegenseitig helfen“, sagt sie.

Kontakt zum Zirkus: 0163/4507086

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