Kempten

Wickelwesen wecken Schaulust

Kunstarkaden

Kunstarkaden

Bild: Michael Dumler

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Bild: Michael Dumler

Kunstarkaden Die Objekte von Carolin Liebl und Nikolas Schmid-Pfähler stecken voller Technik, Ästhetik und Witz
Von Markus Noichl
24.02.2020 | Stand: 15:46 Uhr

Auf eine witzige, leise, aber sensationelle Art verbinden sich Kunst und Technik in den Kemptener Kunstarkaden. Carolin Liebl und Nikolas Schmid-Pfähler kombinieren Ingenieurskunst und Spieltrieb, Elektronik und Ästhetik zu überraschenden und erhellenden Robotern und Konstruktionen. High-Tech mit Unterhaltungswert.

Da gibt es einerseits offensichtliche Performer wie Vincent und Emily, zwei schlanke Statuen aus Metall, Drähten und anderen technischen Zutaten, die dastehen, aber alle paar Sekunden ihre Techno-Qigong-Übungen emsig und pflichtbewusst absolvieren. Da gibt es andererseits Spulen verschiedenster Art. Schillernde, oszillierende Erscheinungen. Fasziniert betrachtet man diese Wickel-Wesen – und stutzt. War da grad was? Da hat sich doch was bewegt? Leben die?

Um nicht gleich alles zu verraten, sei nur der Hinweis gegeben, dass überall dort, wo Strom durch Metall-Windungen fließt, elektromagnetische Kräfte entstehen, die sich in Anziehung und Abstoßung entladen. Spannende Spannungen. Aber keine Angst: Die Ströme sind so klein, da kann nix passieren, selbst bei Berührungen. In einem anderen Fall haben die Kunst-Tüftler High-Tech-Drähte aufgetrieben, die sich bei Erwärmung (durch Strom) zusammenziehen. Ein Fest der Beobachtungslust.

Man wird zum kindlich staunenden Voyeur angesichts dieser robotischen und elektromagnetischen Tänze. Von den Überraschungen, die auf den Besucher warten, ja lauern, sei noch diese verraten: Da stehen auf einem Regal drei schmucklos-schwarze Kunststoff-Deckel, die nicht so recht zum Ambiente passen. Was ist das? Vergessene Aufbau-Reste? Wer den Mut hat, die Hauben zu heben, findet winzige Roboterchen vor, die trippelnd zu leben beginnen, wenn sie befreit werden und ans Licht dürfen ...

Ein ganzes Buch füllen würden die Erlebnisse, die die jungen Künstler schon hatten auf der Suche nach interessantem Material. Denn die Hersteller sind auf künstlerisch-ästhetische Anfragen nicht eingerichtet. Über die Eigenschaften des lackierten Drahtes, der sich da irgendwo in einem Hochlager befindet, kann man alles wissen. Aber welche Farbe der hat? Und natürlich wird normalerweise in Mindestmengen geliefert, die den Künstlern bis ans Lebensende ausreichen würde. Und so entstehen meist witzige, amüsante, manchmal auch genervte Kontakte, wenn Welten aufeinanderprallen.

Ganz am Anfang wickelten Liebl und Schmid-Pfähler ihre Spulen noch von Hand. Doch inzwischen haben die beiden „Superhirne“ aus Offenbach schon ihre vierte Generation von Wickelmaschinen am Start. Das Thema „Wicklung“ wird ironisch auch in Namen verarbeitet. Eine Kreation etwa heißt schlicht „CCCCCCCCCCO“.

Hochaktuelle, ernste Themen wie künstliche Intelligenz und Technisierung unserer Welt wird hier einmal aus einer spielerischen, vergnüglichen Perspektive angegangen. Das tut gut und hat es so im Allgäu noch nie gegeben. Denn Kreativität entsteht ja bekanntlich dadurch, dass man die Perspektive wechselt ...

Übrigens: Carolin Liebl und Nikolas Schmid-Pfähler werden als „Artists in Residence“ der Kunstarkaden in Kempten weitere kinetische Objekte und robotische Skulpturen entwerfen (bis 13. März).