Energie

Wie Corona zu mehr Stromverbrauch in Kempten führt

Die Stromkosten der städtischen Liegenschaften sanken im Corona-Jahr 2020 im Vergleich zu 2019 um 590 000 Euro.

Die Stromkosten der städtischen Liegenschaften sanken im Corona-Jahr 2020 im Vergleich zu 2019 um 590 000 Euro.

Bild: Federico Gambarini/dpa (Archiv)

Die Stromkosten der städtischen Liegenschaften sanken im Corona-Jahr 2020 im Vergleich zu 2019 um 590 000 Euro.

Bild: Federico Gambarini/dpa (Archiv)

2020 war von der Pandemie geprägt. Nun zieht das Energiemanagement der Stadt Kempten Bilanz: 1,5 Millionen Euro wurden gespart. Aber es gibt neue Kostentreiber.
05.08.2021 | Stand: 15:00 Uhr

Die Stadt Kempten hat bisher 21 Energieberichte über ihre Liegenschaften angefertigt. Einer, der bei allen dabei war, ist Hans Räth. Er ist zuständig für das Energiemanagement und präsentierte auch heuer wieder dem Umweltausschuss des Stadtrats, wie sich der Energieverbrauch im vergangenen Jahr entwickelt hat. Aufgrund der Corona-Pandemie konnte erwartungsgemäß viel eingespart werden. An bestimmten Stellen wurde aber auch mehr verbraucht.

Wärme, Strom, Wasser – bei allen Drei verzeichnet Räth einen gesunkenen Verbrauch und damit auch Kosteneinsparungen (siehe Infokasten). Vergleichswert ist nicht nur das Vorjahr, sondern auch die Jahre 1999/2000 – der Zeitpunkt, bevor mit dem Energiemanagement begonnen wurde. Damals betrugen die jährlichen Energiekosten im Schnitt 3,9 Millionen Euro. 2020 habe Kempten Kosten in Höhe von 2,4 Millionen Euro abgerechnet. Entsprechend hoch sei der Einsparerfolg.

Die Schulen in Kempten verbrauchen am meisten Energie

Ein Drittel der Kosten entfielen dabei auf die Schulen, sagt Räth. Die Straßenbeleuchtung liege mit etwa 20 Prozent auf Platz 2. Die Stiftungseinrichtungen der Stadt, wie etwa die Seniorenbetreuung Altstadt, landeten mit neun Prozent auf dem dritten Rang.

Auf Nachfrage von Dominik Tartler (Future for Kempten) erklärte Räth, dass sich nicht unterscheiden lasse, welche Einsparungen corona-bedingt seien und welche die Stadt tatsächlich geleistet habe. Baureferent Tim Koemstedt ergänzte, dass sich durch die Pandemie in Sachen Verbrauch Vieles verschoben habe. Weil etwa die Sportanlagen geschlossen waren, sei der Wärmeverbrauch zurückgegangen. „Aber in den Einrichtungen hat der Verbrauch durch Lüften auch deutlich zugenommen.“ Denn die Heizungsanlagen seien nicht darauf ausgelegt, „dass alle paar Minuten die Fenster aufgerissen werden“.

Einsparungen an Energie an anderer Stelle wieder aufgefressen

Auch in Sachen Stromverbrauch mutmaßt Koemstedt, dass sich die Umrüstung auf LED-Beleuchtung in den Schulen hätte bemerkbar machen müssen. Die Reduzierung sei aber vermutlich durch die Aufrüstung mit digitalen Geräten wie Beamer aufgefressen worden.

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Neben den reinen Zahlen ging Räth im Energiebericht auch auf seine Tätigkeiten im Rahmen des Energiemanagements ein. Dazu zähle etwa die energiewirtschaftliche Beratung, wenn Gebäude modernisiert oder neu gebaut werden. Der Arbeitsaufwand für ihn und seine drei Kollegen im Team sei aber mittlerweile so groß geworden, dass ein „Weiter so“ kaum möglich sei.

Baureferent Koemstedt: Müssen uns anstrengen, um Klimaziele zu erreichen

„Wenn wir bei den Klimazielen vorankommen wollen, müssen wir uns in den nächsten zehn bis 15 Jahren anstrengen, finanziell und personell“, betonte Koemstedt. Bei jeder Sanierung eines städtischen Gebäudes sei das kommunale Energiemanagement gefordert, eine finanzierbare Lösung zu finden – ganz zu schweigen von den Neubauten. Dritte Bürgermeisterin Erna-Kathrein Groll (Grüne), die die Sitzung leitete, konstatierte dennoch: „Wir sind auf einem guten Weg.“

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Die Einsparungen

  • Heizung: Um gut 600 000 Euro geringere Kosten seien im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet worden. Mit den eingesparten 8,5 Millionen Kilowattstunden könne man 572 Einfamilienhäuser ein Jahr lang beheizen, erklärt Hans Räth. Bezogen auf 1999/2000 entspreche das 33 Prozent. 68 Prozent des Heizenergieverbrauchs könne aus regenerativen Quellen gedeckt werden. Der Großteil davon sei Fernwärme vom Müll- und Holzheizkraftwerk des Zweckverbands für Abfallwirtschaft Kempten (ZAK).
  • Strom: Im Vergleich zu 2019 blieben etwa 590 000 Euro übrig – Straßen- und Weihnachtsbeleuchtung sowie Ampeln eingerechnet. Die Einsparung beträgt hier 31 Prozent im Vergleich zu 1999/2000.
  • Wasser: Hier habe die Stadt knapp 14 000 Kubikmeter und damit fast 50 000 Euro eingespart. Das entspreche 13,2 Prozent im Vergleich zu 1999/2000. Auch die Energiekosten fürs Cambomare seien mit knapp 360 000 Euro deutlich gesunken, da das Bad lange Zeit geschlossen bleiben musste.