Oberstdorf

Kraftalp kann Andrang kaum stemmen

Florian Kuiper

Florian Kuiper

Bild: Ralf Lienert

Florian Kuiper

Bild: Ralf Lienert

Wintersport Im Fitnessraum des Bundesstützpunkts in Oberstdorf trainieren immer mehr Athleten. Wie Leiter Florian Kuiper versucht, die Platzprobleme zu lösen
Von Franziska Müller
17.09.2019 | Stand: 15:49 Uhr

Seit dem Ende der Sommerferien läuft der Betrieb im Oberstdorfer Skiinternat wieder auf Hochtouren. 17 neue Athleten zogen mit dem Schulbeginn vergangene Woche in die Räumlichkeiten am Fuße des Nebelhorns. Damit verbunden ist auch der Bundesstützpunkt Allgäu mit seinen elf Trainingsstätten, die nicht nur von Internatsschülern, sondern auch von zahlreichen Leistungssportlern genutzt werden. Geschäftsführer des Internates und gleichzeitig Bundesstützpunktleiter ist der 33-jährige Florian Kuiper. Er freut sich einerseits über den Andrang der Sportler, andererseits sieht er die Kapazitäten des Standorts langsam aber sicher überschritten. Das größte Problem durch die stetig wachsende Anzahl an Athleten sieht Kuiper bei der „Kraftalp“, einem der wichtigsten Trainingsräume.

Seit 2007 gibt es das Skiinternat für Athleten aller olympischen Wintersportarten. Kuiper erläutert: „Mit insgesamt 44 Athleten im Internat, sind wir in diesem Jahr voll ausgelastet.“ Die sogenannte Kraftalp, eine rustikale Holzhütte direkt vor dem Internat, existiert in ihrer jetzigen Form seit neun Jahren. Sie zählt wie zum Beispiel das Skisprungstadion am Schattenberg oder das Alpine Trainingszentrum Allgäu (ATA) am Oberjoch zu den insgesamt elf Trainingsstätten des Stützpunkts. Kuiper: „Der Kraftraum ist nicht extra für das Internat gebaut worden, sondern für den Bundesstützpunkt Allgäu. Er wird praktisch täglich rund um die Uhr genutzt.“

Ursprünglich war die Kraftalp nur ein kleines Häuschen. Mittlerweile ist sie erweitert worden: Ein Slackline-Parcours und eine Tartanbahn zählen dazu. „Trotzdem sind wir mit dem Kraftraum an der Kapazitätsgrenze angelangt“, sagt Kuiper. Laut einer Statistik steigt die Zahl der Sportler am Stützpunkt in Oberstdorf jährlich. Vom Bau der Kraftalp bis heute hat sich die Anzahl der Athleten vervierfacht. Derzeit sind es knapp 160, die den Kraftraum in Anspruch nehmen könnten, dabei ist dem Stützpunktleiter Kuiper besonders wichtig: „Die Sicherheit geht immer vor. Wenn die Skifahrer mit der kompletten A-Mannschaft da sind und mit schweren Gewichten trainieren, dann brauchen sie viel Platz. Das ist für andere Sportler einfach gefährlich, wenn sie sich in diesem Bereich aufhalten.“

Doch wie regelt der Stützpunkt das Problem? Kuiper: „Es funktioniert nur, wenn sich die Gruppen untereinander absprechen, wer, wann, mit wie vielen in der Alp ist. Aber mittlerweile hat sich das gut eingependelt.“ Einen Plan mit festen Trainingszeiten gibt es nicht. Einige Teams sind an Schulzeiten gebunden und trainieren eher am Nachmittag in der Kraftalp – Profisportler mehr am Vormittag. „Am wichtigsten ist momentan die Absprache. Aber natürlich haben wir auch Ausweichmöglichkeiten“, sagt der 33-Jährige.

Die Skispringer haben zum Beispiel einen Trainingsraum in der Mittelschule in Oberstdorf. Katharina Althaus etwa hält sich dort häufig auf. Des Weiteren steht den Athleten auch der Kraftraum der Bundeswehr in Sonthofen zur Verfügung. „Christian Dotzler trainiert dort oft mit seinen Nachwuchs-Langläufern“, erzählt Kuiper. Die Trainingsstätten des Bundesstützpunkts dürfen offiziell alle Kaderathleten aus olympischen Disziplinen nutzen – seien es Sommer- oder Wintersportler. Weltcupathleten wie Kombinierer Vinzenz Geiger, Snowboardcrosser Martin Nörl oder Mountainbikerin Nadine Rieder stemmen regelmäßig Gewichte in der Kraftalp.

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Auch Sebastian Holzmann (26), Slalom- und Riesenslalomspezialist, ist während der Saisonvorbereitung praktisch täglich hier. In seinen Augen funktioniert die Absprache zwischen den Trainingsgruppen nicht immer. Holzmann: „Wenn nur wir mit dem Team drin sind, dann ist der Platz ok – das ist aber eher selten. Die Trainer reden manchmal vielleicht zu wenig miteinander. Dann kommt es schon vor, dass die Kraftalp überfüllt ist.“ Der 26-Jährige wohnt in Oberstdorf und hat die Trainingsstätte direkt vor der Nase: „Ich mag die Kraftalp. Es ist wie ein Kultplatz und der einzige kostenlose Kraftraum in der Umgebung. Außerdem sind die Fitnessgeräte echt super.“ Diese gibt es in großer Bandbreite. Kuiper: „Unser Fitnessraum deckt den kompletten Bereich ab. Den größten Platz nehmen Hantel- und Langhantelgeräte ein.“ Des Weiteren gibt es einen Aufwärmbereich mit Spinningrädern, eine große Beinpresse, Seiltürme und sogar ein kleines Diagnosezentrum mit Kraftmessanlagen speziell für Skifahrer.

Um der Überlastung der Kraftalp entgegenzuwirken, sind laut Kuiper selbst die besten Absprachen auf Dauer keine Lösung: „Momentan planen wir sowohl eine Erweiterung des Internats als auch eine Sporthalle mit Kraftraum.“ Dabei ist der Stützpunkt aber auf die Unterstützung der Gemeinde Oberstdorf als Bauherr angewiesen. Einen konkreten Zeitplan gibt es noch nicht.