Zwei selten zu sehende und noch seltener zu hörende Instrumente gibt es in diesem Jahr beim Füssener Festival „Vielsaitig“ zu entdecken, das am kommenden Mittwoch startet: eine Barockgitarre und eine Hardangerfiedel. Letztere bringt Ragnhild Hemsing mit nach Füssen. Nicht nur in der norwegischen Volksmusik hat sie einen Platz. Edvard Grieg, Komponist der Romantik, verfasste Stücke für das geigenähnliche Instrument, dessen vier Saiten durch vier darunter liegende Resonanzsaiten ergänzt werden. Der flache Steg erlaubt es, bis zu drei Saiten gleichzeitig zu spielen. Als „archaisch“ stuft der Füssener Geigenbaumeister Pierre Chaubert auf Nachfrage unserer Redaktion die Hardangerfiedel ein und vergleicht sie mit anderen Instrumenten, die speziell in der Volksmusik bestimmter Regionen zum Einsatz kommen, wie die Scherrzither im Alpenraum. Bei ihm selbst hat sich bislang noch kein Kunde eine Hardangerfiedel fertigen lassen. Dabei sei er für originelle Aufträge immer zu haben. So habe er schon für ein Kunstprojekt eine Axtgeige gefertigt, allerdings als Ausstellungsstück, nicht als Musikinstrument.

Die Barockgitarre, ein neu erworbenes Prunkstück der Sammlung des Museums der Stadt Füssen zum Instrumentenbau, stammt höchstwahrscheinlich von Jacob Stadler, der um 1585 in Füssen geboren wurde und sich 1613 mit einer Werkstatt in Neapel niederließ. Komplett restauriert und mit neuer Decke nach historischer Vorlage versehen, wird das Instrument im Rahmen eines Vortrags des Füssener Zupfinstrumentenbauers Urs Langenbacher von Joachim Klingenfuß gespielt. Er hat dafür Stücke aus der Entstehungszeit des Instruments ausgewählt.
Festival-Motto „Resonanzen“ war überfällig
Bei den Konzerten des Festivals „Vielsaitig“ im Füssener Barockkloster St. Mang erwarten erneut hochkarätige Kammermusikformationen das Publikum. Das diesjährige Motto „Resonanzen“ war laut der Leiterin des städtischen Kulturamts, Karina Hager, überfällig. Schließlich wären Musik und Leben ohne Resonanz und Reflexion sehr schwierig. Große Resonanz hat im Allgäu bereits das junge, mehrfach ausgezeichnete Leonkoro Quartet gefunden, mit einem fulminanten Auftritt vor kurzem beim Oberstdorfer Musiksommer. In Füssen präsentiert es Werke von Haydn, Schostakowitsch und Schubert.
Streicher-Sextett spielt Mozart
In einer selten zu hörenden Formation bereichert es bereits das Eröffnungskonzert: Der künstlerische Festivalleiter Julian Steckel am Cello sowie Takehiro Konoa, der an der Bratsche seine Schwester Mayu unterstützt, ergänzen das Quartett zum Sextett, um ein Stück von Mozart für je zwei Violinen, Bratschen und Celli vorzutragen. Ein anonymer Bearbeiter in Wien hatte Mozarts Sinfonia concertante in Es-Dur (KV 364) für diese Besetzung arrangiert. Die weiteren Konzertabende bestreiten das Cuarteto SolTango, das Frank Dupree Trio sowie ein Quartett aus internationalen Solisten.
Alle Informationen gibt es hier
Festival „Vielsaitig“ 2025
Konzerte
- Mittwoch, 3. September: Eröffnungskonzert mit dem Leonkoro Quartet, Takehiro Konoe (Viola) und Julian Steckel (Cello). Bereits ausverkauft.
- Donnerstag, 4. September: Leonkoro Quartet mit Stücken von Joseph Haydn, Dimitrij Schostakowitsch und Franz Schubert.
- Freitag, 5. September: Cuarteto SolTango. Das Ensemble huldigt der goldenen Ära des argentinischen Tangos mit kunstvollen Arrangements für Violine, Cello, Bandoneon und Klavier. Bereits ausverkauft.
- Samstag, 6. September: Meisterschüler des künstlerischen Festivalleiters und Cellisten Julian Steckel zeigen ihr Können, begleitet von Chifuyu Yada am Klavier.
- Montag, 8. September: Das Frank-Dupree-Trio bringt mit dem Namensgeber am Klavier, Jakob Krupp am Bass und Obi Jenne am Schlagzeug Musik im Grenzbereich von Klassik und Jazz.
- Dienstag, 9. September: Ragnhild Hemsing (Violine und Hardangerfiedel) und Julian Steckel (Cello) präsentieren Kompositionen von Edvard Grieg, Georg Friedrich Händel, Johan Halvorsen, Jean Sibelius und Maurice Ravel. Eine Einführung dazu beginnt um 18 Uhr im Colloquium des Museums.
- Mittwoch, 10. September: Beim Abschlusskonzert formieren die Solisten Feng Ning (Violine), Wen Xiao Zheng (Viola), Julian Steckel (Violoncello) und Frank Dupree (Klavier) ein Quartett besonderer Art. Auf ihrem Programm stehen Werke von Mahler, Mozart und Schumann.
- Alle Konzerte beginnen um 19 Uhr im Kaisersaal des Füssener Barockklosters St. Mang. Karten gibt es in der Tourist-Information Füssen, unter Telefon (0831) 206 55 55 sowie online auf www.allgaeuticket.de.
Forum Geigenbau
- Nach der Eröffnung am Mittwoch, 3. September, 14 Uhr stehen bis Samstag, 6. September, jeweils zu den Museumsöffnungszeiten von 10 bis 17 Uhr immer mehrere Instrumentenbauer aus Füssen und dem Allgäu sowie Cremona im Refektorium des Museums der Stadt Füssen als Ansprechpartner bereit.
- Vorträge gibt es am Sonntag, 7. September, im Colloquium des Museums. Die Themen: 13.30 Uhr der Stimmstock mit Geigenbauer Tobias Krutz und Johannes Gramsch vom Stimmstock-Hersteller „Voiceup“ aus Monheim am Rhein; ab 15 Uhr die Restaurierung von Streichinstrumenten mit modernen Techniken mit Restaurator Jean-Jacques Fasnacht von der Schweizer Geigenbauschule Brienz sowie ab 17 Uhr eine Füssener Barockgitarre, die Zupfinstrumentenbauer Urs Langenbacher vorstellt. Joachim Lingenfuß spielt darauf Musik aus der Entstehungszeit des Instruments.
Teestunde
- Zur musikalischen Teestunde laden die Teilnehmer des Meisterkurses Violoncello bei Julian Steckel am Freitag, 5. September, ab 17 Uhr in die Orangerie der Stadtbibliothek. Der Eintritt ist frei. Es ist allerdings eine Anmeldung erforderlich, die ab Montag, 1. September, unter Telefon (08362) 903-146 möglich ist.
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