Memmingen

Landebahn wird zur Großbaustelle

Allgäu Airport Memmingen

Allgäu Airport Memmingen

Bild: Matthias Becker

Allgäu Airport Memmingen

Bild: Matthias Becker

Sanierung Allgäu-Airport ist für zwei Wochen komplett geschlossen. Warum auch Eidechsen eine Rolle spielen
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Von von thomas schwarz
17.09.2019 | Stand: 16:42 Uhr

Ruhe herrscht am Himmel im Unterallgäu – am Boden gibt es dafür umso mehr lautstarke Aktivitäten. Seit am Montag um 22 Uhr der vorerst letzte Flieger am Allgäu-Airport landete, sind dort Bagger, Fräsen, Lkw und hunderte Bauarbeiter im Dauereinsatz. Sie erneuern die Beleuchtungsanlage und verbreitern die Start- und Landebahn von 30 auf 45 Meter. Zwei Wochen ist der Flughafen deshalb komplett gesperrt. Ryanair als Hauptnutzer hat alle Flüge gestrichen, andere Fluggesellschaften weichen auf umliegende Flughäfen aus.

Es ist eine logistische Meisterleistung, die die Memminger Firma Kutter verbringen muss. Während bis zu acht riesige Fräsen die Oberfläche der bisherigen, noch aus Bundeswehrzeiten stammenden Landebahn beseitigen, sind bis zu 100 Lkw im Einsatz, um das Material abzutransportieren oder den Asphalt anzuliefern, der insgesamt 30 Zentimeter hoch aufgebracht wird.

„Wir arbeiten Tag und Nacht nach einem genau festgelegten Plan“, erläutert Kutter-Geschäftsführer Peter Groll. So werde in Nachtschichten Asphalt und Beton abgefräst. Bei Tag heißt es dann, die neuen verbreiterten Teilstücke der Start- und Landebahn zu asphaltieren. Zudem werden in der ersten Arbeitswoche die Vorarbeiten für eine neue Fernwärmeleitung erledigt. Sie wird später von Nord nach Süd verlaufen, um das südliche Flughafengelände mit Fernwärme zu versorgen. „In der zweiten Woche“, so Peter Groll, „steht die Deckschicht der Start- und Landebahn im Mittelpunkt.“ Sechs Fertiger und zwölf Walzen bringen dann den Feinbelag auf.

Hintergrund der rund 20 Millionen Euro teuren Aktion ist die Sicherheit am Flughafen und die Erfüllung internationaler Standards. Von „mehr Luft für die Piloten“ spricht Airport-Geschäftsführer Ralf Schmid. Durch eine neue Beleuchtung nicht nur im Abflugbereich, sondern auch neben der Piste und dann auch alle 15 Meter auf dem Mittelstreifen der Bahn können sie auch bei schlechter Sicht besser landen. Dazu kommen 120 Kilometer Kabel und 630 Lampen zum Einsatz. Damit das System auch bei einem Stromausfall funktioniert, wird eine eigene Notstromversorgung installiert. Eine Vollsperrung erschien den Planern am effizientesten. „Da können wir 14 Tage Vollgas auf der Baustelle geben“, so Schmid.

Seit über einem Jahr laufen die Detailplanungen für das Großprojekt, seit gut einem halben Jahr wurden immer nachts die Vorbereitungsarbeiten gemacht – immer wenn der Flugverkehr ruhte. „Bisher liegen wir gut im Zeitplan“, freut sich Peter Groll. Schon in der Nacht zum Dienstag hätten seine Leute mehr geschafft als vorgesehen. Zum Glück spiele auch das Wetter bisher mit. „Sicherheitshalber haben wir aber mehrere Tage als Puffer eingeplant, falls das Wetter nicht mitmacht oder etwas Unvorhergesehenes passiert“, erklärt der Firmenchef.

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Eine Nebenbaustelle dagegen ist tierischer Natur: Bereits vor Jahren wurden auf dem Flughafengelände schützenswerte Eidechsen entdeckt. Ihr bisheriges Umfeld, eine alte Flugzeughalle, muss abgebrochen werden. Dafür entsteht auf einem nahen Areal ein rund 5800 Quadratmeter großes Eidechsenhabitat. Dazu werden unter anderem elf Bodenvertiefungen ausgehoben, die locker mit Sand und Steinen aufgefüllt werden. Auch Totholzhaufen und Wurzelstöcke als Unterschlupf kommen hinzu.

Die aktuelle Großbaustelle ist noch nicht die letzte am Allgäu-Airport. In den kommenden drei Jahren werden laut der Betreibergesellschaft bei weiteren Projekten noch einmal rund 5,5 Millionen Euro investiert. Die Erweiterung der Gepäckhalle samt neuer Passkontrolle mit einer Grundfläche von rund 2100 Quadratmetern beginnt östlich des Terminals in einigen Wochen und soll im Sommer 2020 beendet werden.

Lande-Premiere auf der neuen Piste hat übrigens ein Ryanair-Pilot. Er kommt am 30. September um 21.45 Uhr am Allgäu-Airport mit einer leeren Maschine an – damit diese am nächsten morgen um kurz nach sechs mit Passagieren wieder starten kann. Ab dem 1. Oktober läuft alles wieder nach Flugplan.