Sensationsfund im Allgäu

Wo Menschenaffe Udo mit seiner Ausstellung die nächste Station im Ostallgäu einlegt

Udo Ausstellung Pforzen

In Pforzen hat Menschenaffe Udo viel Besuch von wissbegierigen Schülern bekommen. Jetzt zieht die Ausstellung „Sensation Udo und die Evolution“ weiter durchs Ostallgäu.

Bild: Mathias Wild

In Pforzen hat Menschenaffe Udo viel Besuch von wissbegierigen Schülern bekommen. Jetzt zieht die Ausstellung „Sensation Udo und die Evolution“ weiter durchs Ostallgäu.

Bild: Mathias Wild

Während am Fundort des Menschenaffen bald wieder Forscher nach Fossilien graben, wandert die Ausstellung weiter. Wo die Schau noch zu sehen sein wird.
05.07.2021 | Stand: 09:15 Uhr

Ursprünglich sollte Udos Wanderschaft früher beginnen. Doch wegen der Corona-Pandemie blieb die zweiteilige Ausstellung „Sensation Udo und die Evolution“ länger in Pforzen als geplant – allerdings über Monate hinweg ohne Besucher. Inmitten der Evolutionsgeschichte präsentierte die Gemeinde den fast zwölf Millionen Jahre alten Menschenaffen. Jener Teil, der als Wanderausstellung konzipiert ist, soll sich bald auf eine Reise durch die Region begeben, der nächste Standort steht schon fest: Marktoberdorf.

  • Hintergrund: Männlich, hobbitgroß, gefunden im Ostallgäu – aber was macht Menschenaffe Udo eigentlich so besonders? „Danuvius guggenmosi“, wie Udo offiziell heißt, sorgt seit über einem Jahr für Aufruhr in der Wissenschaft, löste sogar einen Gelehrtenstreit aus. Warum? Weil er vor 11,6 Millionen Jahren aufrecht im heutigen Allgäu herumgelaufen sein soll. Das sagt die Paläontologin Madelaine Böhme, die mit ihrem Team auf Udos Überreste in der Hammerschmiede gestoßen ist, einer Tongrube am Ortsrand von Pforzen. Udo stellt damit Teile der Evolutionstheorie infrage, gingen Wissenschaftler bisher doch davon aus, dass sich der aufrechte Gang erst viel später entwickelt hat – und zwar in Afrika.
  • Bilanz: Im Oktober 2020 eröffnete die Udo-Ausstellung in Pforzen. Wegen der Pandemie musste sie nach wenigen Tagen schließen, erst im Juni führte der Arbeitskreis (AK) Hammerschmiede wieder Besucher durch die Schau. Trotzdem kamen 1600 Menschen, um mehr über Udo und seine Geschichte zu erfahren, schildert AK-Mitglied Rudolf Stiening. „Die Ausstellung wurde wirklich gut aufgenommen. Es waren sogar einige Besucher aus Neu-Ulm, Oberammergau und Starnberg da.“ Ebenso wie zahlreiche Schulklassen und Kindergartengruppen.
  • Ausgrabungen: „Können wir bei den Ausgrabungen in der Hammerschmiede mitmachen?“ Eine der häufigsten Fragen, die Besucher gestellt haben, berichtet Stiening. „Freiwillige sind willkommen“, sagt Madelaine Böhme. Müssten sich aber im Voraus melden und auf eine Liste setzen lassen. „Der Andrang ist riesig und nicht jeder kann berücksichtigt werden.“ Schon in der Grabungssaison 2020 wollten über 200 Helfer nach Udos Verwandten suchen. Nach Fossilien graben durften letztlich nur wenige. Mitte Juli werden die Ausgrabungen dieses Jahr starten, sagt Böhme. Die Finanzierung durch den Freistaat Bayern sei bereits gesichert.
  • Nächste Station: Die Wanderausstellung soll bald im Landratsamt in Marktoberdorf einen Platz finden. „So wie es sich andeutet, wollen sie die Eröffnung nach den Sommerferien machen“, sagt Pforzens Bürgermeister Herbert Hofer. Pandemiebedingt gebe es noch keinen konkreten Termin, heißt es aus dem Landratsamt. Dagegen stehe schon fest: Die Schau soll zu den Öffnungszeiten im Foyer zu sehen sein. Kaufbeuren, Füssen und Bad Wörishofen hätten ebenfalls Interesse angemeldet, genauso wie der Heimatverein Unterthingau.
  • Museum: Ist eine dauerhafte Ausstellung zu Udo in Pforzen sinnvoll, und wenn ja in welcher Form? Mit dieser Frage hat sich das Planungsbüro Frankonzept beschäftigt. Im Laufe des Sommers sollen die Ergebnisse vorgestellt werden.