"Brandgefährliche Sache"

Breite Front gegen Lager für Explosivstoffe bei Wald

Das ist der Plan: In das Wäldchen hinten am Horizont, rund 370 Meter vom letzten Haus im Ort Kaufmanns entfernt, (Standpunkt der Fotografin), will ein Unterthingauer Unternehmen ein Lager für explosive Stoffe bauen. Bürger, Wasserbeschaffungsverband und Gemeinde wollen geschlossen gegen diesen Plan vorgehen.

Das ist der Plan: In das Wäldchen hinten am Horizont, rund 370 Meter vom letzten Haus im Ort Kaufmanns entfernt, (Standpunkt der Fotografin), will ein Unterthingauer Unternehmen ein Lager für explosive Stoffe bauen. Bürger, Wasserbeschaffungsverband und Gemeinde wollen geschlossen gegen diesen Plan vorgehen.

Bild: Gerlinde Schubert

Das ist der Plan: In das Wäldchen hinten am Horizont, rund 370 Meter vom letzten Haus im Ort Kaufmanns entfernt, (Standpunkt der Fotografin), will ein Unterthingauer Unternehmen ein Lager für explosive Stoffe bauen. Bürger, Wasserbeschaffungsverband und Gemeinde wollen geschlossen gegen diesen Plan vorgehen.

Bild: Gerlinde Schubert

Welche Argumente Gemeinderat und Bürger von Wald gegen den Bau des Lagers mitten in der Natur ins Feld führen. Legt jetzt ein Bürgerinitiative los?
11.11.2020 | Stand: 15:33 Uhr

Das gleich nebenan liegende Wasserschutzgebiet spreche dagegen. Die eingeschränkte Zufahrt ebenfalls. Auch dass der Schwarzstorch in diesem Revier brütet, könne nicht dafür sprechen, dass die Firma Allgäuer Feuerwerke in einem kleinem Waldstück beim Walder Ortsteil Kaufmanns ein Lager für explosive Stoffe errichtet: Lang und länger wurde die Liste der Argumente, die Bürger bei der Gemeinderatssitzung in der Waldhalla gegen diesen Neubau im Außenbereich ins Feld führten. Mehr als 30 besorgte Frauen und Männer waren gekommen und rannten bei Bürgermeisterin Johanna Purschke und Gemeinderäten offene Türen ein. Sie verweigerten dem Vorhaben einstimmig das Einvernehmen. Alle gemeinsam wollen sich jetzt vehement gegen das Bauvorhaben stemmen. Eine Bürgerinitiative ist am Start.

Das Kopfschütteln über diesen Bauantrag wollte bei dieser Sitzung kein Ende nehmen. Die Bürgermeisterin war enttäuscht, dass der Bauplan bislang „an der Gemeinde vorbei“ bereits so weit erstellt wurde. Erst im September war die Aufforderung zu einer Stellungnahme der Gemeinde bei ihr eingegangen. Sie meldete bei der Sitzung Bedenken um das Wohl der Allgemeinheit an. „Wenn solch ein Lager so sicher ist wie es im Gutachten heißt, warum muss es dann im Außenbereich errichtet werden?“, fragte sie.

Ein Bürger erinnerte daran, dass die schmale Zufahrtsstraße auf Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen (außer landwirtschaftlichem Verkehr) beschränkt sei. Ein anderer wusste, dass dort gar kein Winterdienst vorgesehen ist. Selbst ein Vorschlag über eine völlig andere Bauweise – wenn denn gebaut werden dürfte – wurde eingebracht. Immer wieder wurde darauf hingewiesen, dass das Wasserschutzgebiet keine 100 Meter weiter beginne und das Einzugsgebiet sich auch auf die Fläche erstrecke, die jetzt auf 25 mal neun Metern bebaut werden soll.

"Trinkwasser gefährdet?"

Aus dem Quellgebiet, das ebenfalls ganz in der Nähe liege, versorge der Wasserbeschaffungsverband Wald rund 450 Haushalte in ganz Wald: „Was ist, wenn es in dem Lager einmal brennen sollte? Ist dann nicht auch das Trinkwasser gefährdet?“ Auch aus Sicht der Feuerwehr wurde diese Frage gestellt und ob die Feuerwehr zusätzliche Ausrüstung und Schulungen benötigen würde, wenn dort in einem Waldstück auf einmal explosive Stoffe gelagert würden. Laut Bürgermeisterin liege der nächste Hydrant ohnehin zu weit entfernt. Gemeinderat Michael Eltrich wies darauf hin, dass es sein könnte, dass die Wasserschutzzone einmal erweitert werden müsste, dann stünde der Lagerbau im Wege. Überhaupt: Zu keinem Zeitpunkt sei in diesem Verfahren bislang der Wasserbeschaffungsverband Wald gefragt worden. Gemeinderat Rudolf Vogler schlug vor, das Gutachten anzufechten.

Vielfach wurde auch der Schutz der Natur und der Artenvielfalt, die in diesem Gebiet zu finden sei, als Argument gegen das Bauvorhaben vorgebracht. Der Vorsitzende der Jägervereinigung Marktoberdorf, Dr. Stephan Bea, sprach von diesem Stück Land bei Kaufmanns als „das wertvollste Stück meines Reviers“ und empfahl – wie andere Redner und Rednerinnen auch – dringend, nach einem geeigneteren Standort – oder besser noch – nach einem leer stehenden Bunker für die Lagerung dieser Explosivstoffe zu suchen. Landwirte meldeten sich zu Wort, die sich wunderten, dass privilegiertes Bauen im Außenbereich ohne jegliche Erschließung – wie in dem Bauantrag vorgesehen – überhaupt möglich sein soll. Alle Argumente sollen nun zusammengefasst zeitnah von der Bürgerinitiative an die Genehmigungsbehörde bei der Regierung von Schwaben weitergeleitet werden.

Als Koordinator hat sich Dr. Peter Heigl bereit erklärt. „Wir werden ganz deutlich machen, dass wir diese brandgefährliche Sache hier nicht haben wollen“, sagte Heigl und fügte zu alledem die Befürchtung einer erhöhten Verkehrsbelastung im Ort an. „Dieser Bau wäre ein Schaden ohne Ende in dieser wunderschönen Gegend.“ Um ihn zu verhindern, müssten alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, sagte Heigl fest entschlossen.