Gerichtsprozess in Kaufbeuren

Ostallgäuer hat 283 kinderpornografische Videos und Bilder auf dem Handy

Ein 20-Jähriger musste sich vor dem Amtsgericht Kaufbeuren wegen des Besitzes von Kinderpornografie verantworten.

Ein 20-Jähriger musste sich vor dem Amtsgericht Kaufbeuren wegen des Besitzes von Kinderpornografie verantworten.

Bild: Sebastian Gollnow, dpa (Symbolbild)

Ein 20-Jähriger musste sich vor dem Amtsgericht Kaufbeuren wegen des Besitzes von Kinderpornografie verantworten.

Bild: Sebastian Gollnow, dpa (Symbolbild)

Der 20-Jährige will von Existenz der Dateien nichts gewusst haben. Die Richterin kauft ihm das nicht ab - so fällt die Strafe aus.
28.12.2021 | Stand: 10:38 Uhr

Wegen des Besitzes von 283 Videos und Bildern mit kinder- und jugendpornografischen Inhalten musste sich jetzt ein 20-Jähriger aus dem Landkreis vor dem Kaufbeurer Amtsgericht verantworten. Dort bestritt er ein absichtliches Herunterladen der Dateien und wollte von deren Existenz auf seinem Handy nichts geahnt haben. Dies nahmen ihm allerdings weder der Staatsanwalt noch die Richterin ab. Das Urteil lautete auf einen zweiwöchigen Dauerarrest und ist noch nicht rechtskräftig.

Ostallgäuer gerät ins Visier der Ermittler

Wegen einer schwierigen Biografie kam auf den Angeklagten Jugendstrafrecht zur Anwendung. Er war im Frühjahr nach einer Mitteilung amerikanischer Behörden ins Visier der Ermittler geraten, weil von seinem Handy aus eine kinderpornografische Bilddatei an eine Kommunikationsplattform verschickt worden war. Daraufhin hatte die Kripo das Mobiltelefon beschlagnahmt und dessen Daten auswerten lassen. Das fragliche Bild konnte dabei zwar nicht mehr festgestellt werden, dafür aber eine Vielzahl von Videos und Fotos, die teilweise härtesten sexuellen Missbrauch zeigten. Manche Opfer waren erst im Säuglings- und Kleinkindalter.

Datei soll ohne Wissen des Angeklagten auf dem Handy gelandet sein

Der Verteidiger hatte auf Freispruch plädiert und dies damit begründet, dass die Dateien ohne Wissen und Wollen seines Mandanten auf dessen Handy geraten sein könnten – beispielsweise durch eine Schadsoftware, ein unbemerktes Herunterladen oder durch einen Wechsel der Speicherkarte bei einer Reparatur. Der Staatsanwalt hatte diese theoretischen Möglichkeiten für nicht plausibel gehalten und im Plädoyer von „Nebelkerzen“ gesprochen: Hätte irgendein Unbekannter die Speicherkarte ausgetauscht, dann hätte der Angeklagte auch seine sonstigen Dateien nicht mehr gehabt. Zudem seien die kinder- und jugendpornografischen Inhalte an unterschiedlichen Stellen des Speichers abgelegt gewesen. (Lesen Sie auch: Ein „Witz“ mit Folgen: Ostallgäuer erhält Bewährungsstrafe)

Auch die Richterin hatte im Urteil „keine vernünftigen Zweifel“ an der Schuld des jungen Mannes. Sie machte ihm deutlich, dass ihn nach Erwachsenenstrafrecht eine Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr erwartet hätte. Der Gesetzgeber wertet derartige Taten seit Juli dieses Jahres als Verbrechen und hat den Strafrahmen verschärft.

Die Vorsitzende verwies darauf, dass am Amtsgericht erst vor Kurzem ein erwachsener Täter wegen kinderpornografischer Inhalte zu über zwei Jahren Haft verurteilt wurde. Im Fall des nach Jugendstrafrecht zu verurteilenden Angeklagten komme nichts anderes in Frage als der zweiwöchige Dauerarrest. (Lesen Sie auch: Ostallgäuer teilt Kinderpornos im Netz und hat dafür eine absurde Begründung)

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