Marktoberdorf

Martinsschule: Der Bürgermeister warnt vor „Rolle rückwärts“

Die bestehende Grundschule St. Martin in Marktoberdorf ist laut Bürgermeister den Kindern und Lehrern nicht mehr zumutbar.

Die bestehende Grundschule St. Martin in Marktoberdorf ist laut Bürgermeister den Kindern und Lehrern nicht mehr zumutbar.

Bild: Heiko Wolf

Die bestehende Grundschule St. Martin in Marktoberdorf ist laut Bürgermeister den Kindern und Lehrern nicht mehr zumutbar.

Bild: Heiko Wolf

„Wir können nicht mehr zuwarten!" Der Marktoberdorfer Bürgermeister Hell warnt, den Bau von Ausweichquartier und neuer Schule zu verzögern. Was Hell noch sagt.

27.07.2020 | Stand: 07:36 Uhr

„Wir können nicht mehr zuwarten! Die Realisierung des Neubaus der Schule St. Martin ist ohne weiteren Zeitverzug nötig!“ Diesen Appell richtet Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell an seine Stadtratskollegen. Wie Hell am Wochenende sagte, stehe man bei dem Projekt bei Kindern und Eltern absolut in der Pflicht. „Ewige politische Diskussionen“ über ein Jahrzehnt führten nach Ansicht Hells dazu, dass die alte Schule jetzt in einem baulichen Zustand sei, „an dem ein Unterricht für Schüler und Lehrkräfte nicht mehr zumutbar ist“.

Der Bürgermeister ist noch immer „erschüttert“ über den Ausgang der Abstimmung vor einer Woche, bei der es für das aktuell anstehende Errichten der geplanten Ausweichschule am Modeongelände – während der Zeit des Schulneubaus – überraschend keine Stadtratsmehrheit gab. Wie berichtet, ging die Abstimmung unentschieden aus.

"Gegen jede Vernunft"

Bliebe es dabei, würde sich der Start des Schulbaus – laut Hell „gegen jede Vernunft“ – nochmals drastisch verzögern samt zu erwartender Kostensteigerung „infolge der Teuerungsrate auf dem Bausektor“. In der Hoffnung, dass diese Entscheidung revidiert wird, hat Hell für diesen Donnerstag, 30. Juli, 18.30 Uhr, im Modeon eine Stadtratssondersitzung anberaumt. Dabei soll auch nochmals – vor allem für die Neu-Stadträte – die komplette Entwurfsplanung für die Schule vorgestellt werden.

Damit die baulich marode Grundschule St. Martin in Marktoberdorf (siehe Foto) neugebaut werden kann, muss eine Ausweichschule her. Dafür machte der Stadtrat nun den Weg frei.
Die jetzige Grundschule St. Martin soll einem Neubau weichen, geschätzte Kosten 28 Millionen Euro.
Bild: Andreas Filke

CSU- wie SPD-Fraktion sowie Martinsschulleiter Jörg Schneider (Grüne) hatten vor einer Woche mit dem Bürgermeister gestimmt und damit eine rund 5,9 Millionen Euro teure Ausweichschule gebilligt. Alle anderen Räte waren aus Kostengründen dagegen – da noch im Frühjahr für den Modulbau nur 2,8 Millionen Euro prognostiziert worden waren.

Standortfrage nicht mehr stellen

Der Bürgermeister und seine Mitstreiter befürchten, dass die Standortfrage erneut aufgerollt wird. Dabei reibt sich der Stadtrat laut Hell seit zwölf Jahren immer wieder in politischen Diskussionen über den Standort der Schule auf und mache „Rückwärtsrollen“. Trotz Beschlüssen zugunsten des bestehenden Standorts in der Stadtmitte – erstmals 2011 mit Zweidrittelmehrheit.

„Dabei sollte die neue Schule ursprünglich bis 2015 bezogen werden“, sagt der Bürgermeister. Er sagt auch, dass die Stadt seit seinem Amtsantritt 2014 dennoch gemeinsam mit Schulfamilie und Behörden das Projekt Schritt für Schritt vorangetrieben habe und man nun „kurz vor dem Ziel“ stehe.

Schulamt: Verzögerung nicht mehr vertretbar

Laut Hell liegen die Gesamtkosten für den Neubau der Grundschule St. Martin unter 28 Millionen Euro (samt Abbrucharbeiten, Hangsicherung, Grundwasserrückhaltung oder Möblierung). Damit sei man günstiger als die Stadt Landshut mit ihrem 32,5 Millionen teuren Neubau einer vergleichbaren Grundschule. „Wir dürften daher im Rahmen liegen.“

Bestätigt fühlt sich Hell durchs Schulamt. Dieses sagt, wie berichtet, eindeutig, dass eine weitere Verzögerung wegen des baulichen Zustands der Martinsschule nicht vertretbar sei und dass die Ausweichschule nur den Anforderungen entspreche und „keine Luxusplanung sei“.

Auch Elternbeirat und Förderverein der Schule lehnen weitere Verzögerungen ab.