Stimmen zur Wahl

Ostallgäuer SPD-Chefin fassungslos über Laschet: „Das Kanzleramt ist kein Austragshof für Wahlverlierer“

Noch ist nicht klar wer der nächste Bundeskanzler in Deutschland wird. Die SPD liegt nach der Wahl knapp vor der CDU.

Noch ist nicht klar wer der nächste Bundeskanzler in Deutschland wird. Die SPD liegt nach der Wahl knapp vor der CDU.

Bild: Arne Dedert, picture alliance/dpa

Noch ist nicht klar wer der nächste Bundeskanzler in Deutschland wird. Die SPD liegt nach der Wahl knapp vor der CDU.

Bild: Arne Dedert, picture alliance/dpa

So bewerten die Parteispitzen im Stimmkreis Ostallgäu das Ergebnis der Bundestagswahl. Wer mit wem eine Regierung bilden soll.
28.09.2021 | Stand: 08:15 Uhr

Am Tag nach der Bundestagswahl ist es im Ostallgäu Zeit für Analysen. Die Parteien sortieren die Ergebnisse. Und über allem schwebt die Frage: Wie geht es weiter auf Bundesebene?

  • Das Wahlergebnis im Ostallgäu: Stärkste Kraft in der Region bleibt mit 31,7 Prozent die CSU, die allerdings starke Verluste hinnehmen musste. Auf Platz zwei liegt mit deutlichem Gewinn die SPD mit 15,6 Prozent. Es folgen Grüne (12), FDP (10,9), AfD (10) und FW (9,1). Die Wahlbeteiligung lag bei 79,3 Prozent. Die Region ist weiter mit zwei Abgeordneten in Berlin vertreten: Sowohl Stephan Stracke (CSU) als auch Susanne Ferschl (Linke) ziehen in den neuen Bundestag ein. Stracke holte mit 38,8 Prozent der Erststimmen das Direktmandat für die CSU im Wahlkreis. Ferschl profitiert davon, dass ihre Partei drei Direktmandate in Deutschland gewann. Den Einzug in den Bundestag verpasst hat Daniel Pflügl (Grüne). (Lesen Sie dazu auch: Alle Stimmen ausgezählt: Die Ergebnisse der Bundestagswahl im Wahlkreis Ostallgäu im Überblick)

Bundestagswahl 2021 im Ostallgäu: CSU vom Wahlergebnis "enttäuscht"

  • CSU: Nach den deutliche Verlusten der CSU bei der Bundestagswahl fordert die CSU-Kreisvorsitzende Angelika Schorer eine „klare Wahlanalyse“. Das Abschneiden der CSU im Wahlkreis Ostallgäu nannte Schorer „enttäuschend“. Das Ergebnis müsse nun auf Landesebene, aber besonders auch in den Gemeinden besprochen werden.
    Welchen Beitrag die Kandidatur Armin Laschets (CDU) zu den Verlusten in Bayern beigetragen hat, ließ Schorer offen. Laschet hatte trotz der herben Verluste noch am Wahlabend angekündigt, Verhandlungen über eine Regierungsbildung führen zu wollen. Schorer hält das für nachvollziehbar. „Es ist doch legitim, alle Positionen auszuloten.“ Entscheidend sei bei Koalitionsverhandlungen der Union eines: „Unser Wahlprogramm muss sich am Ende wiederfinden. Denn das haben wir den Wählern versprochen.“
    Nachdenklich stimmt Schorer das Abschneiden der AfD in der Region. „Die AfD ist für mich keine demokratische Partei.“ Man müsse sich die Frage stellen, wie man die verlorenen Wähler zurückgewinnen könne.

SPD im Ostallgäu kritisiert Armin Laschet nach Bundestagswahl deutlich

  • SPD: „Wir sind die stärkste Partei. Daher hat die SPD ganz klar den Regierungsauftrag. Wir wollen Olaf Scholz als Kanzler“, sagte Ilona Deckwert, Unterbezirksvorsitzende der SPD. Deutliche Worte richtete sie in Richtung Armin Laschet. „Sein Verhalten macht mich fassungslos.“ Es gebiete der Anstand, eine Niederlage anzuerkennen und dem Sieger zu gratulieren. Stattdessen wolle Laschet Verhandlungen über eine Regierungsbildung führen. „Das Bundeskanzleramt ist doch kein Austragshof für Wahlverlierer“, sagte sie. Es brauche eine starke Bundesregierung, um die anstehenden Aufgaben zu lösen. Allerdings gebe es für die SPD keine echte andere Verhandlungsoption als eine Ampelkoalition mit Grünen und FDP. Als „tolles Ergebnis“ wertete Deckwerth das Abschneiden im Wahlkreis, wo die SPD nun zweitstärkste Kraft ist.

Grüne im Ostallgäu sprechen sich für Ampelkoalition aus: "Nur im Doppelpack mit der FDP"

  • Grüne: „Die SPD ist der Gewinner der Wahl und sollte mit den Koalitionsgesprächen loslegen“, sagte der Kreisvorsitzende der Grünen, Günter Räder. Er spricht sich für eine Ampelkoalition aus. „Leider gibt es uns Grüne nur im Doppelpack mit der FDP“, sagte Räder. Sollte die FDP allerdings wie 2017 wieder hinschmeißen, gebe es für die Grünen keine Alternative. Das Ansinnen von Armin Laschet, eine Regierung bilden zu wollen, hält Räder nicht für gerechtfertigt. „Laschet hat dazu nicht den Wählerauftrag.“ Im Wahlkreis haben die Grünen nach Einschätzung von Räder „eigentlich ein schlechtes Ergebnis erzielt“. Mit 12 Prozent blieben sie unter dem Landesschnitt. Gut schnitt die Partei lediglich im Bereich Buchloe/Jengen ab. Für Räder ein Ansporn, die Themen B12 und Bundesverkehrswegeplan weiter im Auge zu behalten.

FDP favorisiert Jamaika

  • FDP: Im Stimmkreis blieb die FDP unter dem Ergebnis im Bund. Für die neue Bundesregierung würde Kreisvorsitzender Marcus Prost eine Jamaika-Koalition favorisieren. Er sieht durchaus Chancen für ein Bündnis mit den Grünen. „Wenn man eine Koalition will, muss es auch Schnittmengen geben.“

Lesen Sie auch: