Geschichtsträchtiger Fund

Wie aus einem Stadl in Görisried eine historische Leichenkutsche gerettet wurde

Die historische Leichenkutsche wurde vom Verein „Pferdefreunde Lengenwang und Umgebung“ liebevoll restauriert.

Die historische Leichenkutsche wurde vom Verein „Pferdefreunde Lengenwang und Umgebung“ liebevoll restauriert.

Bild: Franz Arnegger

Die historische Leichenkutsche wurde vom Verein „Pferdefreunde Lengenwang und Umgebung“ liebevoll restauriert.

Bild: Franz Arnegger

Die Pferdefreunde Lengenwang restaurierten die Kutsche mit viel Aufwand. Wie das Kleinod jetzt genutzt wird.
Die historische Leichenkutsche wurde vom Verein „Pferdefreunde Lengenwang und Umgebung“ liebevoll restauriert.
Von Günther C. Kraft
28.12.2020 | Stand: 11:37 Uhr

Eine historische Bestattungskutsche stand, so die Annahme, schon seit vielen Jahren etwas achtlos und verlassen in einem alten Stadl neben der Gemeindewaage in Görisried. Er wurde im Herbst vorigen Jahres aus seinem Verlies herausgeholt und mit Fotos in dem lokalen Mitteilungsblatt „s’Dorfblättle“ in Erinnerung gebracht. Nun stellte sich heraus, es gibt da eine sehr interessante Vorgeschichte.

Als 1992 der Großvater des heutigen Betreibers der Alpe Beilstein, Georg Schöllhorn, in Wald-Kippach verstarb, wurde in der Familie der Wunsch geäußert, den „letzten Weg“ in einem historischen Bestattungswagen, gezogen von zwei Pferden, zu gehen. Der im Jahr 1986 gegründete Verein „Pferdefreunde Lengenwang und Umgebung“ nahm diesen Wunsch auf. Auf der Suche nach einem geeigneten Objekt wurde der Verein zunächst in der Gemeinde Seeg fündig. Doch war es nicht möglich, den dort vorhandenen Leichenwagen auszuleihen, da er Teil des Museums war. Die Vereinsmitglieder erfuhren jedoch, in Görisried gebe es ein solches historisches Kleinod. Kontakte nach Görisried wurden sofort aufgenommen. Mit dem damaligen Bürgermeister Georg Kugler folgten Gespräche über die sinnvolle Nutzung und den Erhalt der Kutsche, gegen eine Verwendung für die Beerdigung war nichts einzuwenden. So erzählen es der Vereinsvorsitzende Franz Arnegger aus Lengenwang und der Görisrieder Erwin Steiner aus Hasenmahd, der seit vielen Jahren Mitglied bei den Pferdefreunden ist.
Ein zweiter Einsatz erfolgte dann noch einmal im Jahr 1999. Abgesehen davon, dass die Leichenkutsche zu den Einsätzen gesäubert wurde, erschien die Frage einer notwendigen Erhaltung der Substanz immer wichtiger.

Das historische Kleinod erstrahlt jetzt im alten Feuerwehrhaus in Görisried in neuem Glanz. Aufwendig haben Franz Arnegger, mit Unterstützung von Vereinsmitgliedern, darunter auch Erwin Steiner, das Fahrzeug peinlichst genau gesäubert und aufwendig restauriert. Vor allem der tatkräftige Einsatz der Polsterin Ingrid Reichart aus Lengenwang und deren Unterstützung haben aus dem Bestattungswagen für ein Pferdegespann wieder „ein wahres Schmuckstück“ gemacht. Karosserie, Räder und Verzierung der aufwendig verarbeiteten Aufbauten, aber auch der Kutschbock lassen die „gute alte Zeit“ wieder aufleben.

Vertraglich wurde zwischen dem Verein und der Gemeinde Görisried der weitere Umgang mit diesem Kleinod geregelt. Demnach hat der Wagen im alten Feuerwehrhaus einen sicheren und schützenden Standplatz gefunden und die Erhaltung obliegt dem Verein „Pferdefreunde Lengenwang und Umgebung“. Eine schöne Geschichte, die nach Jahren von „Tristesse im Stadl“ und jetzt im „Logenplatz im alten Feuerwehrhaus“ ihr Ende gefunden hat. Der Leichenkutsche wurde damit ein angemessenes Dasein gegeben, einsatzbereit, sofern wieder einmal ein letzter Weg würdig wie in der guten alten Zeit begangen werden soll.