Allgäuer Tierskandal

Prozess-Auftakt: Landwirt und sein Sohn aus Bad Grönenbach stehen ab September vor Gericht

Im Juli 2019 kontrollierte die Polizei einen Hof in Bad Grönenbach (Unterallgäu).

Im Juli 2019 kontrollierte die Polizei einen Hof in Bad Grönenbach (Unterallgäu).

Bild: Matthias Becker (Archivbild)

Im Juli 2019 kontrollierte die Polizei einen Hof in Bad Grönenbach (Unterallgäu).

Bild: Matthias Becker (Archivbild)

Prozess-Auftakt im Allgäuer Tierskandal: Ab September stehen ein Landwirt und sein Sohn aus Bad Grönenbach in Memmingen vor Gericht. Das wird ihnen vorgeworfen.
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Von Redaktion Allgäuer Zeitung
29.04.2022 | Stand: 16:06 Uhr

Ein Landwirt aus Bad Grönenbach (Landkreis Unterallgäu) und sein Sohn stehen ab Dienstag, 20. September, vor dem Landgericht Memmingen. Den beiden werden Verstöße gegen das Tierschutzgesetz vorgeworfen, 54 Rinder sollen betroffen gewesen sein. Insbesondere wird den Männern zur Last gelegt, nicht dafür gesorgt zu haben, dass erkrankten Tieren die erforderliche tierärztliche Behandlung zukam.

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Die Memminger Staatsanwaltschaft hatte im August 2020 Anklage gegen den damals 66-jährigen Landwirt aus Bad Grönenbach und seinen 23 Jahre alten Sohn erhoben. Das Memminger Landgericht entschied daraufhin, dass der Fall gerichtlich aufgearbeitet wird.

Allgäuer Tierskandal: Drei Höfe aus Bad Grönenbach im Fokus

Im Zuge des Allgäuer Tierskandals waren drei Höfe aus Bad Grönenbach ins Visier der Behörden geraten. Die Ermittlungen richteten sich gegen insgesamt 15 Menschen. Beim Prozess gegen den Landwirt und seinen Sohn geht es laut Staatsanwaltschaft um den Zeitraum zwischen Juli und November 2019. Die Angeschuldigten betrieben Hofstellen in den Landkreisen Unter- und Oberallgäu sowie im Kemptener Stadtgebiet. Ihnen wird vor allem zur Last gelegt, nicht dafür gesorgt zu haben, dass kranke Tiere die erforderliche medizinische Behandlung bekamen. Dem 66-jährigen Landwirt werden zudem "aktive Handlungen zum Nachteil der Tiere" vorgeworfen.

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Razzia und Pressekonferenz zum Tierskandal

Umfangreiche Ermittlungen waren der Anklage vorausgegangen. Laut Staatsanwaltschaft fanden zwei Durchsuchungen statt, zudem haben das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) sowie die Landratsämter Ober- und Unterallgäu Sachverständigen-Gutachten erstellt. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft haben die beiden Landwirte aus Bad Grönenbach gegen Paragraph 17 des Tierschutzgesetzes verstoßen. Demnach "macht sich strafbar, wer einem Wirbeltier länger anhaltende oder sich wiederholende erhebliche Schmerzen oder Leiden zufügt". Das Gesetz sehe dabei für jeden einzelnen Verstoß eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren vor. (Lesen Sie auch: Abgemagerte Rinder, eiternde Wunden: Gericht verurteilt Oberallgäuer Landwirte)

Ministerium: Milchkühe standen in einem Kot-Urin-Gemisch

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Mit Video aus dem Gerichtssaal

Allgäuer Tierskandal vor Memminger Landgericht: Die Angeklagten schweigen

Nachdem die mutmaßlichen Missstände auf dem Hof bekannt geworden waren, richtete die Landes-SPD im vergangenen Herbst eine Anfrage an das bayerische Verbraucherschutz-Ministerium. In der Antwort hieß es, dass die Milchkühe in einem Teil des Stalls in einem Kot-Urin-Gemisch gestanden hätten. Zudem hätten Kontrolleure festgestellt, dass zahlreiche Kälber in ihren Abteilen zeitweise keinen Zugang zu Wasser hatten und krank waren. Einige Tiere seien wegen ihres schlechten Gesundheitszustandes eingeschläfert worden. Die Memminger Staatsanwaltschaft berichtete damals, dass der Landwirt bereits zweimal zu Geldstrafen verurteilt worden sei - wegen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz und Beihilfe dazu.

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Allgäuer Tierskandal: 200 Menschen bei Mahnwache in Bad Grönenbach im Juli 2020

Heimlich aufgenommene Videos hatten den Tierskandal aufgedeckt. Die Bilder stammten aus einem der größten deutschen Milchviehbetriebe mit damals etwa 1800 Kühen.

Landgericht setzt 16 Verhandlungstage an

Folgende Termine sind für den Prozess vor der ersten Strafkammer des Landgerichts Memmingen geplant:

  • Dienstag, 20. September 2022
  • Freitag, 23. September 2022
  • Dienstag, 27. September 2022
  • Freitag, 30. September 2022
  • Dienstag, 4. Oktober 2022
  • Mittwoch, 05. Oktober 2022
  • Freitag, 7. Oktober 2022
  • Dienstag, 11. Oktober 2022
  • Mittwoch, 12. Oktober 2022
  • Freitag, 14. Oktober 2022
  • Dienstag, 18. Oktober 2022
  • Mittwoch, 19. Oktober 2022
  • Freitag, 21. Oktober 2022
  • Dienstag, 25. Oktober 2022
  • Mittwoch, 26. Oktober 2022
  • Freitag, 28. Oktober 2022

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