Corona

Behinderten-Einrichtungen brauchen dringend eine Perspektive

MM Behinderte

Susanne Unfried (Mitte) und die stellvertretende Hausleiterin Andrea Anger zeigen Staatssekretär Klaus Holetschek die Wohngruppe.

Bild: Werner Mutzel

Susanne Unfried (Mitte) und die stellvertretende Hausleiterin Andrea Anger zeigen Staatssekretär Klaus Holetschek die Wohngruppe.

Bild: Werner Mutzel

Menschen mit Handycap wollen in Memmingen wieder an ihren Arbeitsplatz. Wie Staatssekretär Holetschek ihnen Hoffnung macht.

Von Werner Mutzel
09.06.2020 | Stand: 06:00 Uhr

Susanne Unfried (36) lebt seit zwei Jahren in einer Wohngemeinschaft in der Buxheimer Straße, die vom Verein „Körperbehinderte Allgäu“ betreut wird. Bis zur Corona-Krise konnte sie mit ihren sieben Mitbewohnern regelmäßig in den Unterallgäuer Werkstätten arbeiten, damit berufliche Zufriedenheit erhalten und soziale Kontakte knüpfen.

Ende Mai hat sie einen Brief an Bau-Staatssekretär Klaus Holetschek geschrieben, der auch im Memminger Stadtrat sitzt. Grund ist die gültige Allgemeinverfügung der Bayerischen Staatsregierung mit einem Beschäftigungs- und Betreuungsverbot für die Werkstätten und Förderstätten, die aktuell bis zum 12.Juni gilt. „Leider habe ich immer mehr den Eindruck, wir behinderte Menschen wurden weggesperrt und sind gar nicht mehr vorhanden“ schrieb Susanne Unfried. Klaus Holetschek zögerte nicht lange und besuchte die Briefeschreiberin jetzt in ihrer Wohngemeinschaft, um sich ein Bild vor Ort zu machen.

Wochenlang kein Besuch mehr und keine Ausflüge – dies sei eine schwierige Zeit für die Bewohner, sagte Susanne Unfried. Diesbezüglich normalisiere sich das Leben zwar wieder, aber die Arbeit in den Werkstätten sei noch immer nicht möglich.

Betreuerin Andrea Anger weist darauf hin, dass soziale Kontakte und körperliche Nähe für ihre Bewohner extrem wichtig seien und Personal wie Bewohner dringend eine Perspektive bräuchten. Der CSU-Landtagsabgeordnete Klaus Holetschek zeigte großes Verständnis für weitere Lockerungen, wies aber auch auf die Notwendigkeit des Infektionsschutzes hin.

Es gibt Hoffnung

Seit Mitte Mai dürfen die zuhause oder ambulant betreut wohnenden Menschen mit Behinderung wieder in den Werkstätten arbeiten. Dies gilt auch für die fünf Appartement-Bewohner im Haus der „Körperbehinderten Allgäu“ in der Buxheimer Straße, die jedoch keinen Kontakt zu den acht stationären Bewohnern haben. Holetschek versprach, dass er sich dafür einsetzen werde, dass so bald als möglich der Werkstattbesuch auch für Wohngruppenangehörige wieder möglich sein wird. Diesbezüglich habe er sich bereits mit der zuständigen Ministerin Carolina Trautner vom Sozialministerium in Verbindung gesetzt.

Wolfgang Beuchel, Geschäftsführer der Unterallgäuer Werkstätten, kann Mitarbeitern wie Susanne Unfried Hoffnung auf eine baldige Rückkehr machen. Durch organisatorische Maßnahmen sei es gelungen, zwei große zusätzliche Arbeitsräume einzurichten. In einem Schichtbetrieb sei es möglich, die Angehörigen der gleichen Wohngruppe in einem der beiden Räume zu beschäftigen. Allerdings entfalle zunächst die Spezialisierung auf bestimmte Arbeitsbereiche, wie sie bisher praktiziert wurde.

Das Stammpersonal der Einrichtung trage Schutzmasken und für die Mitarbeiter seien besondere Hygienevorkehrungen getroffen worden. Auch Beuchel kann nicht sagen, wann ein modifizierter Normalbetrieb wieder möglich sein wird. Jedenfalls hat Susanne Unfried mit ihrem Brief einiges in Bewegung gebracht.