Memminger Heimatfest

Corona: Wallenstein 2020 und Fischertag fallen aus

Wallenstein 2020 in Memmingen muss wegen der Corona-Krise auf das Jahr 2021 verschoben werden. Ab 25. Juli 2021 sollen dann Pikeniere (im Bild) und andere Gruppen die historische Woche nachspielen.

Wallenstein 2020 in Memmingen muss wegen der Corona-Krise auf das Jahr 2021 verschoben werden. Ab 25. Juli 2021 sollen dann Pikeniere (im Bild) und andere Gruppen die historische Woche nachspielen.

Bild: Roland Schraut (Archiv)

Wallenstein 2020 in Memmingen muss wegen der Corona-Krise auf das Jahr 2021 verschoben werden. Ab 25. Juli 2021 sollen dann Pikeniere (im Bild) und andere Gruppen die historische Woche nachspielen.

Bild: Roland Schraut (Archiv)

Die Festspiele Wallenstein in Memmingen werden auf 2021 verschoben. Auch Fischertag und Kinderfest fallen aus. Warum Rathauschef Schilder "das Herz blutet".
15.04.2020 | Stand: 11:56 Uhr

Abgezeichnet hat es sich schon länger, nun ist es amtlich: Die im Juli geplanten Wallenstein-Festspiele in Memmingen werden aufs Jahr 2021 verschoben (25. Juli bis 1. August). „Dieser Schritt fällt uns extrem schwer – aber alles andere wäre für Mitwirkende und Zuschauer in der aktuellen Lage unverantwortlich“, sagt Michael Ruppert, Vorsitzender des veranstaltenden Fischertagsvereins. Beim alle vier Jahre stattfindenden Historienspektakel, das Memmingen in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges versetzen soll, wurden 2016 etwa 200 000 Besucher gezählt.

Wallenstein 2020: Karten können beim Fischertagsverein zurückgegeben werden

Die 4.000 im Vorverkauf abgesetzten Tickets können ab 5. Mai zurückgegeben werden, der Kaufpreis werde dann erstattet, erläutert Ruppert. „Es ist aber nicht verboten, die Karten aus Solidarität bis 2021 zu behalten“, sagt Oberbürgermeister Manfred Schilder.

Aufgrund der unklaren Lage durch das Corona-Virus werden auch der Fischertag (17./18. Juli) und das Kinderfest (16. Juli) komplett ausfallen, teilen Verein und Stadt mit. Den beiden Absagen des Fischertagsvereins ging eine intensive Diskussion der Vereinsführung voraus. „Letztendlich war die Entscheidung aber alternativlos“, sagen Vorsitzender Ruppert und OB Schilder. Die Verschiebung des Wallenstein-Sommers erfolgt laut Fischertagsverein so frühzeitig, dass mit gebuchten Historiengruppen sowie Sponsoren tragfähige Absprachen getroffen werden konnten: „Die meisten haben Verständnis und wollen 2021 voll mitziehen.“

Die Historienspiele um den legendären Feldherrn Albrecht von Wallenstein, der sich 1630 mit seiner Armee in den Mauern der Freien Reichsstadt einquartiert hatte, sollten vom 19. bis 26. Juli 2020 stattfinden. Über 4.500 Mitwirkende wollten dann in der Altstadt Gefechtsszenen, Lagerleben und historisches Handwerk nachstellen.

Gruppen des Fischertagsvereins: Proben für Wallenstein nicht möglich

Die Proben konnten aufgrund der Corona-Krise nur ansatzweise stattfinden, erläutert Ruppert. Dies sei aber nur ein Grund für die Absage. Entscheidend sei, dass es nicht vertretbar gewesen wäre, Darsteller und Zuschauer auf engem Raum agieren zu lassen. So sitzen auf der Tribüne täglich Hunderte Zuschauer dichtgedrängt beieinander, entlang der Straßen säumen Tausende Schaulustige das Spektakel.

Schaden noch nicht bezifferbar

Der finanzielle Schaden sei bislang nicht exakt zu beziffern, sagt Ruppert. Er werde den Verein zwar schmerzen, sei aber mit dem nötigen Zusammenhalt zu stemmen, wenn die Spiele 2021 in vollem Umfang stattfinden. Die Stadt hat angekündigt, den Verein nicht im Regen stehen zu lassen: „Wir werden uns hier einbringen und gemeinsam eine Lösung finden“, verspricht Schilder.

Als passioniertem Stadtbachjucker blutet mir da das Herz. Ich bin gefühlt schon 100 Mal in den Bach gejuckt und habe nur einen Fischertag verpasst.
Oberbürgermeister Manfred Schilder

Die Absage des Fischertages – die erste seit dem Zweiten Weltkrieg – treffe ihn tief, sagt Schilder: „Als passioniertem Stadtbachjucker blutet mir da das Herz. Ich bin gefühlt schon 100 Mal in den Bach gejuckt und habe nur einen Fischertag verpasst.“ Das Heimatfest geht bis ins 16. Jahrhundert zurück und wird seit 1900 vom Fischertagsverein veranstaltet. 1.200 männliche Bürger jucken dann zum Ausfischen in den Stadtbach. Wer die größte Forelle erwischt, wird zum Fischerkönig gekürt. An diesem Tag strömen Tausende in die Altstadt. „Solche Menschenansammmlungen wären derzeit selbst unter freiem Himmel unverantwortlich“, sagt der OB.