Gesundheit

Diskussionen um erhöhten Schadstoffwert an Mittelschule Erkheim

In einem Klassenzimmer der Erkheimer Grund- und Mittelschule wurde bei einer Messung ein erhöhter Schadstoffwert festgestellt. Mittlerweile wurden die Klassenzimmer saniert. Das Ergebnis einer erneuten Messung wird derzeit vom Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit analysiert.

In einem Klassenzimmer der Erkheimer Grund- und Mittelschule wurde bei einer Messung ein erhöhter Schadstoffwert festgestellt. Mittlerweile wurden die Klassenzimmer saniert. Das Ergebnis einer erneuten Messung wird derzeit vom Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit analysiert.

Bild: Siegfried Rebhan

In einem Klassenzimmer der Erkheimer Grund- und Mittelschule wurde bei einer Messung ein erhöhter Schadstoffwert festgestellt. Mittlerweile wurden die Klassenzimmer saniert. Das Ergebnis einer erneuten Messung wird derzeit vom Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit analysiert.

Bild: Siegfried Rebhan

In einem Klassenzimmer wurde ein hoher Formaldehydwert festgestellt. Ein Vater beklagt sich über unterschiedliche Interpretationen von LGL und Prüfgesellschaft.
05.10.2020 | Stand: 15:40 Uhr

Bei einer Messung der Raumluft ist im vergangenen Schuljahr in einem Klassenzimmer in der Grund- und Mittelschule Erkheim ein erhöhter Formaldehydwert festgestellt worden. Formaldehyd wird häufig in der Kunststoffproduktion verwendet, ihm wird eine krebsauslösende Wirkung zugeschrieben. Die Messung vorangetrieben hatte Wilhelm Müller. Sein heute 13-jähriger Sohn besuchte bis vor Kurzem die Schule und hatte seit September vergangenen Jahres immer wieder mit Übelkeit und Schwindel zu kämpfen – vor allem, wenn er Unterricht im Werkraum hatte, der sich im Keller befindet.

Nach mehreren Besuchen bei verschiedenen Ärzten, die letztlich keinen abschließenden Befund zutage brachten, vermuteten seine Eltern, dass dies womöglich an einer schadstoffhaltigen Raumluft in der Schule liegen könnte, da diese Beschwerden zu Hause nicht auftraten. Doch auch wenn Schule und Schulverband letztlich die Messung durch die deutsche Prüfgesellschaft Dekra veranlasst hatten, bleibt für Wilhelm Müller ein fader Beigeschmack. Denn das Ergebnis der Prüfung wurde aus seiner Sicht von verschiedenen Stellen unterschiedlich wiedergegeben.

Die Formaldehyd-Konzentration in einem Klassenzimmer lag zum Messzeitpunkt laut Dekra bei 120 Mikrogramm pro Kubikmeter. Laut Bundesumweltamt sollte aber eine Konzentration von 100 Mikrogramm pro Kubikmeter Innenraumluft auch kurzzeitig, bezogen auf einen Messzeitraum von einer halben Stunde, nicht überschritten werden.

"Keine gesundheitlich bedenkliche Belastung"

In einem Elternbrief, der von Rektorin Sabine Hummel unterzeichnet wurde und unserer Redaktion vorliegt, wird eine Stellungnahme zum Messergebnis zitiert, die das Unterallgäuer Gesundheitsamt über das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) abgegeben hat. Darin heißt es: „Da sich in den untersuchten Räumen (Werkraum und Klassenzimmer) die tägliche Aufenthaltsdauer auf die reguläre Unterrichtszeit beschränkt, ist bei vorübergehenden leichten Überschreitungen eines Richtwerts nicht von einer gesundheitlich bedenklichen Belastung der Personen, die sich in den Räume aufhalten, auszugehen.“ Im Prüfbericht der Dekra hingegen steht unter anderem, dass „eine Bewertung als hygienisch unbedenklich nicht mehr möglich“ sei. Für Wilhelm Müller wiedersprechen sich die Stellungnahmen. „Das ist absolut nicht nachvollziehbar. Schließlich betrifft das ja auch andere Schüler und Lehrer.“

Auf Nachfrage über das Landratsamt, was denn nun der Unterschied zwischen den Bewertungen „gesundheitlich unbedenklich“ und „hygienisch bedenklich“ sei, weist das LGL schriftlich darauf hin, dass „die Überschreitung des Vorsorgewertes mit einer über das übliche Maß hinausgehenden, unerwünschten Luftbelastung verbunden“ sei, die „durch geeignete technische, organisatorische oder bauliche Maßnahmen unter den Vorsorgewert abzusenken“ sei. Aus Gründen des vorbeugenden Gesundheitsschutzes habe man daher ein Lüftungs- und Reinigungsschema vorgeschlagen, bis die eigentliche Quelle für den Schadstoff Formaldehyd gefunden und eliminiert sei. Zuständig für die Umsetzung der Maßnahmen sei der Sachaufwandsträger in Abstimmung mit der Kreisverwaltungsbehörde.

Laut Rektorin Sabine Hummel hat die Schule sich an die Empfehlungen des Gesundheitsamts und des LGL gehalten und beispielsweise im Anschluss die Räume auch öfter lüften lassen. Sie weist auch darauf hin, dass es sich bei den Beschwerden des Jungen in dieser Form um einen Einzelfall handelt. Dennoch habe man den Fall ernst genommen und letztlich die Messung in Auftrag gegeben.

Auch ein anderer Schadstoff kam früher oft beim Bau von Schulen zum Einsatz

Ein weiterer Kritikpunkt von Wilhelm Müller lautet, dass es die Dekra versäumt habe, den Werkraum auch auf den Schadstoff PCB (Polychlorierte Biphenyle) zu untersuchen – eine giftige und krebsauslösende organische Chlorverbindung, so Müller. „Das muss man nur bei Google eingeben, um zu sehen, dass dieser Giftstoff früher oft beim Bau von Schulgebäuden zum Einsatz kam.“ Man habe ihm im Vorfeld der Messung ein Gespräch verweigert, sonst hätte er, so Müller, darauf hingewiesen, dass der Werkraum auch auf diesen Schadstoff hin untersucht werden sollte.

Bei der ersten Messung habe man sich auf die Erfahrung des Sachverständigen der Dekra verlassen, sagt der Vorsitzende des Schulverbands Christian Seeberger. Der Experte habe zudem nur in einem Klassenzimmer gemessen, da ihm zufolge die anderen Räume in der gleichen Bauzeit in den 1970er Jahren entstanden sind, erklärt Seeberger. Der Raum wurde laut Rektorin Hummel zum Zeitpunkt der Messung nicht genutzt. Die Schulleiterin verweist zudem darauf, dass man Müller im Vorfeld mehrfach zu einem persönlichen Gespräch eingeladen habe, dieser aber die „schriftliche Form“ bevorzugt habe. Letztlich wurde laut Seeberger ein zweites Mal gemessen, diesmal sei dabei auch der Schadstoff PCB berücksichtigt worden. Die Dekra habe im Werkraum nichts gefunden, so der Schulverbandsvorsitzender. Gleichzeitig weist Seeberger darauf hin, dass derzeit sämtliche Klassenzimmer saniert werden. Dies habe aber nichts mit der Schadstoffmessung zu tun, sondern sei von langer Hand geplant gewesen, da es dafür eine Förderung über das Kommunalförderprogramm KIP gegeben habe.

Zweites Gutachten in den renovierten Gutachten

Mittlerweile fand auch eine Schadstoffmessungen in den renovierten Klassenzimmern statt. Laut Landratsamt liegt das zweite Gutachten des externen Prüflabors inzwischen vor und wurde für eine fachliche Stellungnahme an das LGL weitergeleitet. Die Behörde geht von zwei bis drei Wochen aus, bis die Stellungnahme vorliegt. Auf dieser Basis werde dann das Gesundheitsamt mit Schulträger und Schulleitung abstimmen, ob weitere Maßnahmen nötig sind oder ob die bisherigen Sanierungsmaßnahmen ausreichen.

Wilhelm Müller jedenfalls hat Konsequenzen aus dem Fall gezogen. Seit diesem Schuljahr besucht sein Sohn eine Schule in Memmingen.

Lesen Sie auch:

So arrangieren sich die Allgäuer Schüler mit der Maskenpflicht

Rauchsäule über Erkheim: Maschinenhalle brennt aus